Corona-Krise zwingt Reeder wieder zu Fusionen

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Hamburg. Es rumort wieder im Hamburger Schifffahrtsmarkt. Nach der jahrelang andauernden Schifffahrtskrise, die Pleiten, Zusammenschlüsse und Übernahmen von Reedereien ausgelöst hatte, war es zuletzt um die Branche etwas ruhiger geworden. Doch seitdem die Corona-Pandemie in das internationale Transportgeschäft eingebrochen ist, häufen sich diese Meldungen wieder. Zuletzt gab das Bremer Schifffahrtshaus Zeamarine, das eine Niederlassung in Hamburg unterhielt, die Insolvenz bekannt. Jetzt vermeldet das anerkannte Emissionshaus MPC Capital mit Sitz an der Palmaille einen Zusammenschluss.

Die Investmentfirma mit langjähriger Expertise im maritimen Sektor, bringt das in der Firmentochter Ahrenkiel Steamship zusammengefasste Management ihrer Containerschiffe in ein Bündnis mit der Wilhelmsen Ship Management mit Sitz in Singapur ein. Wie MPC bekannt gab, entsteht dabei ein neues Unternehmen, an dem beide Partner jeweils 50 Prozent halten.

Ahrenkiel bringt 72 Schiffe in das Joint Venture ein sowie seine 100 Mitarbeiter, davon 72 in Hamburg. Das neue Unternehmen soll seinen Sitz in Hamburg und im niederländischen Rhoon haben. Das Joint Venture macht für beide Seiten Sinn. Wilhelmsen, ein weltweit tätiger Schiffsmanager mit 450 Schiffen, bekommt Zugang zur Containerschifffahrt und zum deutschen Markt. MPC Capital erhält Zugriff auf das globale Netzwerk von Wilhelmsen.

Zugleich ist der Zusammenschluss Ausdruck für die schwierige Lage, in der die Schifffahrt derzeit wieder steckt. Denn die Corona-Krise hat die Erholungsphase in der sich die Reeder nach der langen Konjunkturschwäche zuvor befanden, zum Stocken gebracht. „Die Konsolidierung am Schifffahrtsmarkt schreitet wieder voran“, sagt der ehemalige Schifffahrtsexperte des Beratungsunternehmens PwC Claus Brandt, der im August neuer Geschäftsführer des Deutschen Maritimen Zentrums (DMZ) in Hamburg wird.

Corona habe weltweit zu einem Ladungsrückgang geführt. Lieferketten seien unterbrochen worden. Im Zuge des Rückgangs seien viele Schiffe vorübergehend stillgelegt worden, so der Experte Das habe sich negativ auf die Charterraten niedergeschlagen, zu denen die Schiffe an Liniendienste vermietet werden. „Auch wenn einige Linienreedereien wie Hapag-Lloyd weiter gut Geld verdienen, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Charterreedereien unter der Corona-Krise finanziell leiden“, sagt Brandt.

Fusionen könnten sinnvoll sein: „Das haben positive Beispiele aus der Zeit der Schifffahrtskrise gezeigt“, sagt Brandt. „Dadurch lassen sich viele Kosten etwa beim Einkauf von Treibstoffen und Ersatzmaterialien senken.“ Insgesamt komme die Corona-Krise für die Branche zur Unzeit. „Die Reeder wollten in diesem Jahr durchstarten. Das Virus führt zu einem Rückschlag.“

( mk )

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