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Börsenbetrug? Hamburger Firma unter Verdacht

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Andre Zand-Vakili, Matthias Iken
Dieses Geschäftshaus in Poppenbüttel gibt die Maier + Partner AG online als "Ort der Geschäftsleitung" an.

Dieses Geschäftshaus in Poppenbüttel gibt die Maier + Partner AG online als "Ort der Geschäftsleitung" an.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Kriminalpolizei durchsucht Büroräume in Poppenbüttel. Finanzaufsicht Bafin prüft auffällige Kursentwicklung bei der Maier + Partner AG.

Hamburg.  Frisierte Unternehmensmeldungen, halbseidene Vorstände und betrogene Anleger - der Fall Wirecard hat Wellen geschlagen. Nun hat offenbar auch Hamburg einen Fall von Börsenbetrug. Im Visier der Strafverfolgungsbehörden steht das börsennotierte Unternehmen Maier + Partner.

Das Unternehmen, nach Selbstauskunft eine Venture-Capital-Gesellschaft, die in „erfolgversprechende andere Unternehmen investiert“, überraschte die Anleger am 6. April mit einer vielversprechenden Nachricht: Über das Internet wolle die Maier + Partner AG Corona-Selbsttests aus China verkaufen. Daraufhin schnellte der Kurs der Aktie, die im Freiverkehr der Frankfurter Börse gehandelt wird, in die Höhe. Von 46 Cent stieg der Kurs binnen eines Handelstages auf 1,20 Euro. In der Börsenmitteilung hieß es, man habe den offiziellen „Distributorenstatus für den Hersteller Wuhan Elabscience in Deutschland“ erhalten.

Maier + Partner: Anleger hofften auf große Geschäfte

Am 23. April folgte die nächste Jubelbotschaft, nachdem der Kurs zwischenzeitlich schon wieder abgebröckelt war: „Die Gesellschaft teilt mit, dass das Portal www.getyourtest.de heute live geschaltet wurde. Ab sofort stehen die Corona-Schnelltests damit zum Erwerb zur Verfügung. Die Aufnahme weiterer Produkte wird in Kürze folgen.“

Und wieder reagierten die Anleger mit Begeisterung - der Kurs kletterte von 42 auf 62 und dann weiter auf 91,5 Cent. Während Anleger auf große Geschäfte hoffen, wechselte der Aufsichtsrat An­dreas Arndt auf die Verkäuferseite und warf für knapp 25.000 Euro Aktien auf den Markt - zu einem Durchschnittskurs von 0,523 Euro. So kommunizierte es das Unternehmen auch einige Tage später.

Kripo durchsucht Firmenräume in Poppenbüttel

Manipulation witterte man in diversen Börsenforen. Die Finanzaufsicht Bafin leitete eine Untersuchung ein. Mittlerweile ist auch die Kripo eingeschaltet – sie durchsuchte nun in Poppenbüttel die Firmenräume. Der Verdacht wiegt schwer. Zwar ging der Corona-Test-Shop tatsächlich online. Doch um das Geschäft mit den Selbsttests, davon geht die Kripo aus, ging es den Strippenziehern nicht. Wichtiger war die Bewegung des Aktienkurses, so der Verdacht.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte Arndt, der auch als Geschäftsführer der Toplitz Capital UG fungierte, Zehntausende Aktien der Maier + Partner AG in den Wochen vor der Ad-hoc-Meldung aufgekauft. Damals lag der Kurs bei rund 20 Cent. Als der Kurs nach der Ad-hoc-Mitteilung stieg, konnte er sie mit Gewinn veräußern.

Hinter der Toplitz Capital wiederum vermuten die Ermittler den Investor Rüdiger Beuttenmüller. Er ist in der Szene eine schillernde Figur: 2009 wurde er wegen Kursmanipulationen zu der Rekordstrafe von fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Zwischenzeitlich tauchte seine Frau als wichtige Aktionärin der Maier + Partner AG auf.

Maier + Partner-Vorstand Petrowsky stieg zuletzt ins Hanf-Geschäft ein

Vorstand der Maier + Partner AG wiederum ist Lutz Petrowsky (51), der zusammen mit Rüdiger Beuttenmüller 2009 verurteilt worden war – zu einer Bewährungsstrafe. Damals hatten beide zu Pennystocks hoffnungsvolle Meldungen verbreitet, die den Kurs beispielsweise der Werft Bremer Vulkan und der Gontard & Metallbank zeitweise gewaltig in die Höhe schnellen ließen.

Nach der Verurteilung hatte Beuttenmüller wieder große Pläne. Der „Spiegel“ berichtete, dass Beuttenmüller als Freigänger eine neue AG aufziehen wollte, die europäische Kläger für Klagen gegen US-Institutionen an US-Kanzleien vermittelt. Anfang des Jahrtausends schrieb er mit seiner Beuttenmüller Wertpapieranlagen-Verwaltungs-AG Schlagzeilen. Damals wollte er mit seiner Anlagefirma sogar selbst an die Börse – kurz darauf beklagten Investoren einen Verlust von rund zwölf Millionen DM. Beuttenmüller musste sein Amt niederlegen, sein Nachfolger wurde damals Andreas Arndt.

Petrowsky stieg zuletzt ins Hanf-Geschäft ein, gründete die Mister Cannabis GmbH und eröffnete einen Shop an der Hoheluftchaussee. Im Gespräch mit den „Eimsbütteler Nachrichten“ gab sich Petrowsky geläutert. „Wenn man in der Vergangenheit Dinge falsch gemacht hat, versucht man es im Nachhinein besser und richtig zu machen.“ Im Geschäftsmodell der Mister Cannabis GmbH sehe er eine riesengroße Chance: „Weil es ein Markt ist, der in Deutschland noch sehr frisch ist und mit der schrittweisen Legalisierung ein sehr großer Wachstumsmarkt sein wird.“

Das Geschäftsfeld Cannabis begeistert an der Börse

Cannabis ist auch ein Geschäftsfeld, das die Börse begeistert. Wie es der Zufall so will, gibt es auch eine Deutsche Cannabis AG. Vorstand des Pennystocks ist Andreas Arndt, zwischenzeitlich war Lutz Petrowsky Aufsichtsratschef. Großaktionärin wurde 2018 laut Ad-hoc-Mitteilung Vanessa Beuttenmüller als Mitteilungspflichtige für die Aktionärin Intercap Beteiligungs UG mit 20,69 % der Aktien an der Deutschen Cannabis AG.

Es war kein gutes Investment: Die jüngste Pflichtmitteilung vom 14. Juli lautete: „Der Vorstand der Deutschen Cannabis AG teilt mit, dass nach pflichtgemäßem Ermessen angenommen werden muss, dass ein Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals eingetreten ist.“ Mehrfach verhängte das Bundesamt für Justiz Ordnungsgelder gegen die Aktiengesellschaft.

Im Visier der Kripo stehen nun die drei Spekulanten. Sie wirft den drei Männern vor, „gewerbsmäßig und als Bande“ die Kurse börsenorientierter Unternehmen manipuliert zu haben, um Kursgewinne zu generieren. Zwar hatte die Maier + Partner AG tatsächlich, so ein Ermittler, „einige wenige Selbsttests“ verkauft. Denen fehlte aber die „Puffer-Lösung“, die eigentlich Hauptbestandteil der Prozedur ist. Auf Nachfragen, so ermittelte die Polizei, soll Kunden empfohlen worden sein, einfach Wasser statt der speziellen Lösung zu nehmen.

Vermögenswerte in Höhe von 50.000 Euro sichergestellt

Die Polizei durchsuchte nun die Geschäftsräume der Maier + Partner AG sowie die der Toplitz Capital UG, die praktischerweise dieselbe Adresse haben. Außerdem wurden die Wohnungen der drei Beschuldigten in Hamburg und Schleswig-Holstein durchsucht. Darüber hinaus stellte die Kripo Vermögenswerte in Höhe von rund 50.000 Euro sicher. Eine Anfrage des Abendblatts beim Unternehmen blieb unbeantwortet.

Für die Anleger ist das kein Trost: Sie hätten aber gewarnt sein können: Gleich mehrfach setzte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gegen Maier + Partner Zwangsgelder und Geldbußen wegen Pflichtverletzungen fest, das Bundesamt für Justiz verhängte auch hier Ordnungsgelder. Das letzte Ordnungsgeld belief sich schon auf 500.000 Euro. Der letzte Satz in der Pressemitteilung lautete: „Die Gesellschaft hat gegen die Ordnungsgeldentscheidung keine Beschwerde eingelegt.“

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