Ernährungsindustrie

Christian von Boetticher verteidigt die Fleischbranche

Kölln-Geschäftsführer Christian von Boetticher vertritt nun die Interessen der Ernährungsindustrie.

Kölln-Geschäftsführer Christian von Boetticher vertritt nun die Interessen der Ernährungsindustrie.

Foto: Andreas Laible

Der Kölln-Chef führt jetzt den Verband der Ernährungsindustrie. „Schwarze Schafe“ sieht er bei Subunternehmen.

Elmshorn.  Für Christian von Boetticher verläuft 2020 alles andere als ruhig und in gewohnten Bahnen. Der Geschäftsführer des Haferflockenherstellers Peter Kölln sah sich zu Beginn der Corona-Krise mit Hamsterkäufen der Kunden konfrontiert, die aus Furcht vor Engpässen ihre Vorräte auffüllten. „Im März und April hatten wir damit alle Hände voll zu tun“, sagt von Boetticher.

Zudem feiert die Firma in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen – und nun hat der Manager auch noch eine neue Aufgabe in der Lebensmittelbranche. Seit Anfang Juli ist von Boetticher Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e. V. (BVE). Der ehemalige EU-Abgeordnete und Minister für Landwirtschaft in Schleswig-Holstein folgt in der Funktion auf Wolfgang Ingold, der seit 2013 an der Spitze des Verbands stand..

Christian von Boetticher hat klare Ziele

In Zeiten der Pandemie, von Skandalen in der deutschen Fleischindustrie wegen massenhafter Corona-Infektionen, ist es kein leichter Job beim Spitzenverband der deutschen Ernährungsindustrie. Doch der 49-Jährige hat klare Ziele: „Es sind spannende Zeiten für unsere Branche: Corona hat gezeigt, dass Versorgungssicherheit nur mit uns geht. Gleichzeitig stehen wir vor der Herausforderung, die nachhaltige Produktion weiter auszubauen“, sagt von Boetticher. „Damit Versorgungssicherheit und mehr Nachhaltigkeit gelingen, brauchen wir einen fairen Wettbewerb in der Lebensmittelkette und funktionierende Märkte. Denn: Nur eine gesunde Ernährungsindustrie kann ausreichend Lebensmittel herstellen, die nachhaltig produziert wurden. Diesen Zusammenhang müssen wir deutlich machen.“

Der BVE vertritt branchenübergreifend die Interessen der Lebensmittelhersteller, damit steht von Boetticher auch im Fokus, wenn es um Negativschlagzeilen von Tönnies oder Wiesenhof geht, in deren Betrieben es zahlreiche Corona- Infizierte gab. Der ehemalige CDU-Politiker warnt vor Schwarz-Weiß-Malerei. „Die Spitzenvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie ist weder Vorgesetzter noch Unternehmensberater für die Betriebe der Fleischindustrie. Unabhängig davon verbietet sich jede Pauschalkritik an einer ganzen Branche“, sagt von Boetticher, und weiter: „Der als Ursache ausgemachte Preisdruck entsteht vielmehr durch eine „Geiz ist Geil“-Mentalität des Verbrauchers und einer Machtkonzentration des Einzelhandels. Die Fleischindustrie selbst hat ein großes Interesse, dass gegen schwarze Schafe bei den Subunternehmern staatsanwaltschaftlich ermittelt und Kriminellen das Handwerk gelegt wird.“ Der im Kreis Pinneberg aufgewachsene Jurist, er wolle gegenüber Politik und Gesellschaft „mit Zahlen und Fakten dort entgegen treten, wo andere lediglich mit Emotionen agieren“.

Firma verzichtet trotz des Jubiläumsjahrs wegen Corona auf Feierlichkeiten

Bei Peter Kölln in Elmshorn leitet von Boetticher seit 2015 die Geschäfte und ist dort für mehr als 350 Mitarbeiter verantwortlich. Die Firma verzichtet trotz des Jubiläumsjahrs wegen Corona auf Feierlichkeiten und hat zudem zwei Trauerfälle in der Gründerfamilie zu verarbeiten. Ernsthermann Kölln sen. starb im Januar im Alter von 96 Jahren, Elfriede „Elfi“ Kölln, folgte ihrem Mann im Mai im Alter von 97 Jahren. Das Unternehmen ist nach wie vor vollständig in Familienbesitz, mit sieben Gesellschaftern. Hauptanteilseignerin ist Friederike Driftmann, die sich derzeit um die Kommunikation innerhalb der Gesellschafter kümmert. Die Tochter des 2016 verstorbenen langjährigen Kölln-Chefs Hans Heinrich Driftmann, der in die Familie eingeheiratet hatte, gilt als die designierte Unternehmenschefin.