Mobilität

So wollen E-Scooter-Anbieter die Branche nachhaltiger machen

Immer wieder landen E-Scooter in Gewässern. Drei Anbieter wollen nun gemeinschaftlich bei der Bergung helfen.

Immer wieder landen E-Scooter in Gewässern. Drei Anbieter wollen nun gemeinschaftlich bei der Bergung helfen.

Foto: Ralph Peters via www.imago-images.de / imago images/Ralph Peters

E-Scooter sind weit weniger umweltfreundlich, als sie beworben werden. Drei Anbieter wollen sich nun strengere Kriterien auferlegen.

Berlin. Als die E-Scooter-Anbieter vor etwas über einem Jahr in Deutschland an den Start gingen, warben sie mit einem grünen Versprechen: Die Mobilität sollte klima- und umweltfreundlicher mit den Elektro-Tretrollern werden.

Schnell wurde deutlich, dass dieses Versprechen nur bedingt zu halten war. Transporter mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren karren die Scooter morgens an und sammeln sie abends wieder auf, auch in den Lagerhallen wird längst nicht überall Öko-Strom genutzt und insbesondere frühere Fahrzeugmodelle, meist in China produziert, konnten keine lange Lebensdauer vorweisen.

E-Scooter mit schlechterer Klimabilanz als ein Dieselbus

Pro Passagier und Kilometer summieren sich die Kohlenstoffdioxid-Emissionen auf bis zu 126 Gramm, errechneten Forscher der University of North Carolina in Raleigh. Selbst ein voll besetzter Dieselbus ist umweltfreundlicher. Entsprechend groß war die Kritik an den Elektro-Tretrollern.

Drei der größten europäischen Anbieter wollen dieser Kritik nun mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung entgegentreten. Wie unsere Redaktion vorab exklusiv erfuhr, schließen das Berliner Start-Up Tier, der schwedische E-Scooter-Verleiher Voi und der niederländische Anbieter Dott eine internationale Kooperation, in der sie sich zu mehr Umweltschutz verpflichten.

Anbieter-Bündnis will Emissionen ausgleichen

Unter anderem verpflichten sich die Verleiher, bis Ende 2021 das Fahrten zur Auslieferung und zum Einsammeln der E-Scooter mit Elektrofahrzeugen durchzuführen. Bis Ende des aktuellen Jahres sollen zudem alle Lagerhäuser mit erneuerbaren Energien zu betrieben werden.

Zudem wollen die Anbieter stärker auf Recycling setzen. So sollen neue E-Scooter ausschließlich austauschbare Batterien haben und ab dem kommenden Jahr mindestens zu einem Fünftel aus recyceltem Material bestehen. Zudem sollen die Kohlenstoffemissionen während des Lebenszyklus eines Scooters berechnet und ausgeglichen werden.

Stärkere Kooperation bei Bergung von Tretrollern aus Gewässern

Auch wollen die Anbieter stärker gemeinschaftlich bei der Bergung von E-Scootern aus Gewässern zusammenarbeiten. Immer wieder kam es in der Vergangenheit vor, dass E-Scooter in Gewässer geworfen worden.

In ihrer zehn Punkte umfassender Selbstverpflichtung erklären Tier, Voi und Dott zudem, stärker darauf achten zu wollen, die Straßen nicht zu „überfluten“. Die drei Geschäftsführer der sich beteiligenden Firmen, Fredrik Hjelm (Voi), Henri Moissinac (Dott) und Lawrence Leuschner (TIER), forderten weitere Anbieter dazu auf, sich der Initiative anzuschließen. „Es ist wichtig, dass wir Verantwortung für unsere Praktiken übernehmen und die höchsten Standards einhalten, damit Nutzer und Städte volles Vertrauen in den Sektor und unsere Arbeitsweise haben können“, erklärten die Geschäftsführer.

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