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Wie Corona sich auf Hamburgs Immobilienpreise auswirkt

Am Grasbrookpark in Hamburg sind zahlreiche neue Wohnungen bebaut worden.

Am Grasbrookpark in Hamburg sind zahlreiche neue Wohnungen bebaut worden.

Foto: Michael Rauhe

Erstmals liegen Zahlen für die Entwicklung am Immobilienmarkt seit Beginn der Pandemie vor. Wie sich die Preise weiter entwickeln.

Hamburg. Wird die Corona-Pandemie die Immobilienpreise drücken? Darüber spekulieren Experten seit Wochen. Jetzt liegen dem Abendblatt exklusiv erste Preisdaten aus der ersten Jahreshälfte vor. So ermittelte der Hamburger Makler Grossmann & Berger für Neubau-Eigentumswohnungen in Hamburg im ersten Halbjahr 2020 einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 6420 Euro.

Verglichen mit dem Jahresende 2019 ist das ein Rückgang von acht Prozent. Auch der aktuelle Preis liegt aber noch deutlich über dem Durchschnittspreis von 5400 Euro je Quadratmeter Wohnfläche in den Jahren 2016 bis 2018. Von 2018 auf 2019 gab es einen deutlichen Preisanstieg auf knapp 7000 Euro. Der Grund war ein extrem großes Angebot an Premiumwohnungen mit Quadratmeterpreisen von mehr als 10.000 Euro.

Immobilienpreise in Hamburg sinken nicht nur wegen Corona

Frank Stolz, Geschäftsleiter Neubau Hamburg bei Grossmann & Berger glaubt deshalb nicht, dass der Preisrückgang allein der Pandemie geschuldet ist. "Auch ohne die Corona-Krise haben wir damit gerechnet, dass der diesjährige Durchschnittspreis das Vorjahresniveau nicht wieder erreichen wird", sagt er. Angesichts des Lockdowns, der auch den gesamten Vertrieb betroffen habe, sei die Preisdifferenz von 400 Euro nicht besonders groß. Ob sich die Preisdifferenz bis zum Jahresende vergrößert oder wieder verringert, ist noch offen.

Die Anzahl der neu angebotenen Wohnungen ist 2020 deutlich niedriger als in den Vorjahren. Bis Ende Juni waren mit 326 Einheiten in Hamburg rund die Hälfte weniger Neubauwohnungen neu in den Vertrieb gestartet als zum Halbjahr 2019. Da sich auch die Genehmigungsbehörden im Lockdown befanden, verzögerte sich teilweise auch die Erteilung von Baugenehmigungen. Zudem warteten einige Bauträger zunächst ab und brachten ihre Projekte nicht an den Markt.

Geringeres Immobilienangebot trifft jetzt wieder auf stärkere Nachfrage

Das geringere Angebot trifft jetzt aber auf eine wieder stärkere Nachfrage der potenziellen Immobilienkäufer, die sich während der Corona-Einschränkungen zurückgehalten hatten. "Hierzu tragen die noch immer historisch niedrigen Finanzierungszinsen, das stärkere Engagement von Kapitalanlegern in die ,sichere Anlage Wohnimmobilie' und die sich angesichts der Corona-Pandemie geänderten Wohnwünsche bei", sagt Stolz. "Bleibt das Angebot bis zum Jahresende weiterhin deutlich hinter dem von 2019 zurück, könnten die Preise an das stark gestiegene Vorjahresniveau anknüpfen."

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Bei den Bestandsobjekten zeigen sich für Hamburg hingegen leichte Preissteigerungen im zweiten Quartal, verglichen mit den Verkaufspreisen aus dem ersten Quartal. So wurden in Hamburg bei Eigentumswohnungen im Schnitt 4400 Euro je Quadratmeter bezahlt. Das sind 0,9 Prozent mehr als im ersten Quartal 2020, wie aus Zahlen der Finanzierungsplattform Europace hervorgeht. Da dort die Kreditverträge von freien Baufinanzierungsvermittlern wie Dr. Klein erfasst werden, handelt es sich um tatsächlich bezahlte Preise und keine Angebotspreise. Bei Einfamilienhäusern in Hamburg stieg der Preis auf 3178 Euro je Quadratmeter, was einem Anstieg von 2,9 Prozent gegenüber dem ersten Quartal entspricht.

Weitere Preisrückgänge? Nur, wenn eine zweite Corona-Welle kommt

Die Hoffnung, dass das Virus auch die Preise auf breiter Front in Metropolen wie Hamburg infiziert, erweist sich - entgegen allen bisherigen Prognosen - als trügerisch. Das sieht inzwischen auch der Hamburger Ökonom Karl-Werner Hansmann so, der noch im Frühjahr mit Preisrückgängen von zehn bis 15 Prozent in der Hansestadt gerechnet hatte. "Doch Milliarden an staatlichen Hilfsgeldern und das Abflachen der Pandemie haben zu einer anderen Entwicklung geführt", sagt Hansmann. Solange es nicht zu einer zweiten Welle mit einem erneuten umfassenden Lockdown kommt, rechnet er jetzt eher mit stagnierenden Preisen.

LBS rechnet mit stagnierenden Preisen bis zum Herbst

Zu diesem Ergebnis kommen auch die Immobiliengesellschaften der Landesbausparkassen (LBS) in einer neuen Preisstudie. "Corona bremst den Preisanstieg bei Wohnimmobilien vorübergehend aus", sagt LBS-Verbandsdirektor Axel Guthmann. "Zumindest bis zum Herbst. Weiter voraus können wir seriös nicht blicken." Vor allem im Norden Deutschlands müssen sich Immobilieninteressenten bei Eigenheimen nach wie vor auf viele Mitbewerber einstellen.

Im Unterschied zu den östlichen und südlichen Bundesländern erwarten die LBS-Experten im Norden eine unveränderte Nachfrage. "Ein Grund könnte sein, dass die Wirtschaftslage in Regionen unsicherer ist, die stark von der Autoindustrie geprägt sind", sagt Guthmann.