Hamburg

Handelskammer: Streit um Umgang mit der Nazizeit

Die Handelskammer Hamburg.

Die Handelskammer Hamburg.

Foto: Roland Magunia

Die neue Kammerführung überlegt, die Arbeit der „Kommission historische Verantwortung“ eine Zeit lang auszusetzen.

Hamburg. Und wieder einmal gibt es Wirbel bei der Hamburger Handelskammer. Anlass für hitzige Diskussionen ist die Überlegung der neuen Kammerführung wegen finanzieller Probleme, die Arbeit der „Kommission historische Verantwortung“ eine Zeit lang auszusetzen oder kostengünstiger zu gestalten. Dagegen formiert sich jetzt deutlicher Widerstand seitens ehemaliger Kammer­rebellen, die einen Brief an Kammer­präses Norbert Aust geschrieben haben, der dem Abendblatt vorliegt.

In dem Schreiben heißt es: „Mit großer Bestürzung hören wir, dass das Präsidium der Handelskammer Hamburg die Arbeit der ,Kommission historische Verantwortung‘ nicht fortsetzen will.“ Und weiter: „Die vergleichsweise geringen Kosten für eine überaus wichtige historische Aufarbeitung dürfen kein Grund sein, nun wieder den Vorhang vor die unrühmliche Vergangenheit zu ziehen.“

Appell an Präses Aust

Der Brief schließt mit einem Appell an Präses Aust: „Lassen Sie das nicht zu. Oder wollen Sie der Präses einer Handelskammer sein, der in Zeiten erstarkenden Rechtsradikalismus die Entwicklung von Unterstützungsmaßnahmen für Tourismusbetriebe in Corona-Zeiten für wichtiger hält als die vergleichbar kostengünstige Dokumentation einstiger Verstrickungen, Verfehlungen und Verbrechen? Hier geht es um das demokratische Rückgrat unserer Kammer. Knicken Sie bitte nicht ein.“ Verfasst wurde das Schreiben unter anderem vom ehemaligen Präses der Handelskammer, Tobias Bergmann, sowie den Ex-Vizepräsides Torsten Teichert und André Mücke.

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Eine Sprecherin der Handelskammer betonte gegenüber dem Abendblatt, dass nicht abschließend entschieden sei, ob die Arbeit der Kommission, die sich mit dem Verhalten von Kammerrepräsentanten in der Nazizeit beschäftigt, ausgesetzt oder gegebenenfalls kostengünstiger gestaltet werde. „Wir befinden uns aktuell in einem Diskussionsprozess.“ Zugleich verwies sie aber auf die finanziell angespannte Lage der wichtigen Hamburger Wirtschaftsvertretung. So habe die Kammer im Zuge der Corona-Krise Mindereinnahmen in Höhe von acht Millionen Euro zu verkraften. Deshalb werde nun intern darüber gesprochen, welche Projekte „von besonderer Wichtigkeit“ für die Mitgliedsunternehmen seien. Die Sprecherin stellte klar, dass es nicht darum gehe, die Arbeit der Kommission gänzlich zu beenden. Eine Entscheidung, wie genau und ob es mit der Kommission weitergeht, dürfte frühestens Anfang August fallen.