Logistik

Jede zweite Budni-Filiale in Hamburg wird zum Paketshop

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Heiner Schmidt
Pakete abholen und Rücksendungen abgeben, das geht nun in 100 Budnikowsky-Filialen, auch bei Anita Holers an der Hamburger Straße. Dafür arbeitet die Drogeriemarktkette mit DPD zusammen.

Pakete abholen und Rücksendungen abgeben, das geht nun in 100 Budnikowsky-Filialen, auch bei Anita Holers an der Hamburger Straße. Dafür arbeitet die Drogeriemarktkette mit DPD zusammen.

Foto: Thorsten Ahlf

Drogeriekette kooperiert ab sofort an fast 100 Standorten mit Zustellfirma DPD – und will so mehr Kunden in seine Märkte locken.

Hamburg.  Anita Holers und ihre 16 Kolleginnen und zwei Kollegen in der Filiale 764 der Drogeriemarktkette Budnikowsky haben seit einiger Zeit eine zusätzliche Aufgabe. Beim Kontakt mit den Kunden des fast 1000 Quadratmeter großen Geschäfts im Einkaufszentrum Hamburger Meile geht es nicht mehr vornehmlich um Kosmetika, Waschmittel, Klopapier und Lebensmittel, sondern immer mal wieder auch um Pakete, Retouren, den Versand von Waren aller Art. Denn der Drogeriemarkt ist zugleich Paketshop. Hier können Sendungen der Zustellfirma DPD abgeholt und Rücksendungen an den Onlinehändler abgegeben werden. „Wir haben damit täglich zu tun, im Schnitt sind es fünf bis zehn Pakete pro Tag“, sagt Filialleiterin Holers.

Der Standort an der Hamburger Straße war eine von etwa 20 Filialen, in denen Budnikowsky vor knapp einem Jahr einen DPD-Shop zunächst testweise einrichtete, um Erfahrungen zu sammeln. Die Paketzahlen variieren stark, doch die Erfahrungen waren so positiv, dass das Pilotprojekt nun zum Standard wird. Von sofort an werde es in knapp 100 der gut 180 Budni-Filialen in Hamburg, dem Norden und in Berlin einen DPD-Paketshop geben, teilten die Unternehmen mit. Man sei eine „strategische Partnerschaft“ eingegangen, heißt es.

„Uns treibt ständig die Frage um, wie wir das Leben unserer Kunden erleichtern können. Im Ergebnis versprechen wir uns eine einfachere Abwicklung beim Annehmen und Abgeben von Paketen für unsere Kunden und eine echte Entlastung für die Straßen“, sagt Christoph Wöhlke, der Geschäftsführer der Budnikowsky GmbH & Co. KG.

Onlinekunden ins Geschäft zurückholen

Es sind zwei einer ganzen Reihe von Gründen, die eine solche Kooperation für beide Unternehmen sinnvoll und erfolgsträchtig machen. Budnikowsky kann mehr und neue Kunden in seine Filialen locken. Die Erhöhung der sogenannten Kundenfrequenz im Geschäft ist für den zunehmend von der Konkurrenz des Onlinehandels gebeutelten stationären Handel ein ganz zentrales Ziel. Der Paketshop sei da hilfreich, hat Filialleiterin Holers festgestellt. „Wir sehen viele neue Gesichter in der Filiale, es sind Kunden, die auch stetig wiederkommen“, sagt sie. Und immer mal wieder wird ein Paketkunde auch zum Budni-Kunden. Wie oft? „Das ist ganz schwer zu sagen“, so Holers.

Peter Rey, der Sprecher von DPD, kennt Zahlen: „Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass etwa 15 Prozent der Paketkunden dann auch in dem Geschäft einkaufen. Zum Teil ist der Umsatz mit einem solchen Kunden sogar höher als bei anderen“, sagt er. Für den Paketdienst sind Kooperationen mit Filialisten wie Budnikowsky ebenfalls segensreich. DPD gewinnt dadurch jetzt auf einen Schlag etwa 80 neue Paketshops in Hamburg und Umgebung hinzu. In den beiden vergangenen Jahren hat sich das Standortnetz des Zustelldienstes in der Hansestadt von 100 auf 220 Shops mehr als verdoppelt. Am Jahresende könnten es bereits bis zu 300 sein, schätzt Firmensprecher Rey.

Von großer Bedeutung sind für die Dienste zudem Paketshop-Standorte an den Verbindungsstrecken zwischen Wohngebieten und Arbeitsorten. Es sind genau die Standorte an denen auch die großen Handelsketten ihre Filialen ansiedeln. Für DPD war der Textilhändler NKD schon vor Jahren der erste große Handelsketten-Partner. In fast allen der bundesweit 1800 NKD-Filialen gibt es auch einen Paketshop. Budnikowsky ist nun die erste große Drogeriemarktkette.

DPD-Konkurrenten wie der Hamburger Paketdienst Hermes verfolgen ein ganz ähnliches Konzept: Paketshops an verkehrsgünstigen Standorten und Kooperationen mit großen Ketten. „Hermes kooperiert mit mehreren größeren Partnern, beispielsweise Getränkeland Heidebrecht, Getränke Hoffmann und dem Bundesverband freier Tankstellen“, sagt ein Unternehmenssprecher. Eine Ausweitung sei grundsätzlich geplant. Bereits heute sind demnach fast ein Viertel der 16.000 Hermes-Paketshops in Tankstellen und im Autohandel angesiedelt, zwölf Prozent in Getränkemärkten.

In vielen Ketten laufen Pilottests

Bei DPD registriert man ein wachsendes Interesse der Handelsketten, in den Filialen nebenbei auch Paketshops zu betreiben und so Kunden zu gewinnen. „Es gibt eine Reihe von Unternehmen, in denen derzeit Pilottests laufen, wie es einen auch bei Budnikowsky gab“, sagt DPD-Sprecher Rey.

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Sehr viel mehr Aufwand bedeutet das für die Angestellten offenbar nicht: „Sicher ist man ein bisschen mehr beschäftigt. Nach einer Kurzeinweisung mussten wir uns zwar zunächst etwas einfuchsen, aber inzwischen haben wir gelernt, mit den Abläufen umzugehen“, sagt Filialleiterin Holers. Budnikowsky-Geschäftsführer Wöhlke ist überzeugt: „Wir können den Service ohne große Mehrarbeit anbieten.“ Ein wenig mehr Umsatz macht die Drogeriemarktkette durch die neuen Shops auch. Für jedes Paket zahlt DPD eine Gebühr. Im Gegenzug können Paketempfänger, die ihre Sendung bei Budni abholen, sich eine Belohnung sichern. Mit der digitalen Paketbenachrichtigung lassen sich Rabattcoupons gleich mitversenden.

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