Corona

Start-up entwickelt Desinfektionsgerät für Supermärkte

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Hanna-Lotte Mikuteit
Martin Galla, Marktleiter von Rewe Schiersch in Tostedt, schiebt einen Einkaufswagen in das Desinfektionsgerät Deso Cube. Es soll auch gegen die Verbreitung von Coronaviren helfen.

Martin Galla, Marktleiter von Rewe Schiersch in Tostedt, schiebt einen Einkaufswagen in das Desinfektionsgerät Deso Cube. Es soll auch gegen die Verbreitung von Coronaviren helfen.

Foto: Mark Sandten

Eine Waschstraße für Einkaufswagen. Die Nachfrage in der Corona-Pandemie steigt. Eins der ersten Geräte steht in Tostedt.

Tostedt.  Martina Hencke guckt erstmal skeptisch, als sie mit ihrer Tochter auf den Eingang des Rewe-Markts in Tostedt zusteuert. Vor der Tür steht ein großer, hellblauer Kasten. Der ist neu. Anders als die Kunden vor ihnen bleiben die beiden stehen. „Desinfektionsgerät“ steht in großen Buchstaben auf der Frontseite. Dann ist es ein Sache von wenigen Sekunden. Tochter Laura Mia schiebt den Einkaufswagen mit Schwung in den offenen Kasten und drückt einen Schalter. Automatisch startet ein Sprühregen aus vielen kleinen Düsen. Es riecht nach Desinfektionsmittel. Danach kommen die Hände dran. Wagen rausziehen. Fertig. „So etwas sehe ich zum ersten Mal. Das ist eine gute Sache, weil es zusätzliche Sicherheit gibt“, sagt Martina Hencke, bevor die beiden ihre Schutzmasken vors Gesicht ziehen und in den Supermarkt gehen. Premiere geglückt.

Erst Montagmittag war der DesoCube bei Rewe Schiersch in Tostedt angeliefert worden. Der Supermarkt ist der erste in Norddeutschland, der das neuartige Desinfektionsgerät einsetzt. Dahinter steht das Start-up Saiko Maschinentechnik aus dem nordrhein-westfälischen Herford. Im Prinzip funktioniert das Gerät wie eine Waschstraße – nur dass statt Autos Einkaufswagen reingefahren werden. „Es desinfiziert den kompletten Wagen. Wichtig ist das vor allem bei den kontaminierten Griffen“, sagt Gründer Koray Celik. Besonders dort sammelten sich unzählige Viren, Bakterien und Keime, die zur Gesundheitsgefahr werden könnten.

Hygieneprobleme bei Einkaufswagen

Die Idee für den DesoCube hatten er und sein Geschäftspartner Baris Karadas schon vor einiger Zeit. „Uns war schon länger aufgefallen, dass der Handel ein Reinigungsproblem bei Einkaufswagen hat“, sagt Celik, der mit Karadas auch eine Event- und Promotion-Agentur betreibt. Dann kam die Corona-Pandemie und viele neue Hygienevorschriften. Die Jungunternehmer witterten ihre Chance. Ende März stellten sie die erste Demo-Version ihres DesoCube in einem Herforder Supermarkt auf.

Einige hundert Kilometer entfernt hatte auch Martin Galla von der Innovation gehört. „Wir haben schon früh Hygieneregeln eingeführt, um unsere Kunden zu schützen“, sagt der Filialleiter bei Rewe Schiersch in Tostedt. Zusätzlich zu Abstandsmarkierungen, Spuckschutz und Trennwänden an den Kassen sowie der Maskenpflicht haben er und sein Team an mehreren Orten im Markt Flaschen mit Desinfektionsmittel bereitgestellt und Spender aufgehängt. „Aber wir wollten noch mehr tun“, so der 36-Jährige Kaufmann. Im April bestellte das Unternehmen das Desinfektionsgerät für die Einkaufswagen. „Es geht ja nicht nur um die Ansteckungsgefahr durch Corona, sondern um Hygienemaßnahmen ganz allgemein.“

Frauen benutzen den DesoCube häufiger als Männer

Jetzt steht der Marktleiter vor dem Eingang und beobachtet die Kunden. „Als das Gerät aufgestellt wurde, haben es gleich drei Kunden hintereinander getestet“, sagt er. Noch ist die zusätzliche Desinfektionsmöglichkeit ungewohnt. An diesem Nachmittag schieben viele schnell vorbei. Es fällt auf: Frauen benutzen es häufiger als Männer. Deutlich häufiger. Ann-Marie Haase hat auch erstmal gezögert, schließlich schiebt die Erzieherin ihren Einkaufswagen doch in den DesoCube. „Ich hatte das schon im Internet gesehen“, sagt sie. „Die Bedienung ist einfach. Ich finde es gut.“

Coronavirus – die Fotos zur Krise

Mit einer Breite und Höhe von etwa 1,20 Meter hat die Reinigungsanlage die Größe einer Euro-Palette. Im Inneren sorgt eine automatische Steuerung für die Verteilung des Desinfektionsmittels über Düsen aus einem Fünf-Liter-Tank. „Wir wollten eine einfache Lösung“, sagt Saiko-Geschäftsführer Celik. Inzwischen haben die Herforder Start-up-Unternehmer 70 Demo-Geräte in Supermärkten in zehn Bundesländern aufgestellt. „Die erste Resonanz ist positiv“, sagt er. Bislang ist der DesoCube nur in der Demoversion erhältlich. Nach Rückmeldungen von Händlern und Kunden haben die Gründer ihr Produkt in den vergangenen Wochen weiterentwickelt. „Künftig funktioniert unser Gerät komplett kontaktlos. Der Sprühvorgang wird dann automatisch in Gang gesetzt, ohne das ein Schalter bedient werden muss.“

Serienmodell kostet 4000 bis 5000 Euro

Das Serienmodell, mit einigen weiteren Verbesserungen, ist inzwischen in der Produktion und soll ab Juli ausgeliefert werden. Allerdings steigt damit auch der Preis deutlich. Die Testversion bekamen die Händler noch für 1500 Euro. Der neue DesoCube schlägt mit 4000 bis 5000 Euro zu Buche. Trotzdem ist Koray Celik optimistisch, dass das Geschäft läuft. „Es gibt viele Anfragen“, sagt er. Auch nach der Corona-Epidemie sieht er gute Absatzchancen. Das Hygiene-Bewusstsein sei durch das Virus gestiegen. „Mit unserem Gerät sparen die Händler mittelfristig Reinigungskosten und für die Kunden ist es viel einfacher, als wenn sie den Einkaufswagen mit Desinfektionsspray behandeln oder mit Tüchern abwischen müssen.“

Das sieht auch Rewe-Marktleiter Martin Galla so. „Für uns ist der DesoCube ein zusätzlicher Service.“ Er hat noch eins der letzten Demogeräte bekommen. In den nächsten Wochen, da ist er sicher, werden sich die Kunden daran gewöhnen, dass sie ihren Einkaufswagen erstmal in die Waschstraße schieben. Auch die Männer.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

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