Hamburg

Präsident der Handwerkskammer kritisiert Koalitionsvertrag

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Der Präsident der Hamburger Handwerkskammer, Hjalmar Stemmann

Der Präsident der Hamburger Handwerkskammer, Hjalmar Stemmann

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Hjalmar Stemmann hält seinen Wirtschaftszweig für unterrepräsentiert. Bei dieser Behörde will er „ganz genau hinschauen“.

Hamburg. Ungewöhnlich kritisch hat sich der Präsident der Hamburger Handwerkskammer, Hjalmar Stemmann, im Abendblatt zu den Inhalten des rot-grünen Koalitionsvertrages geäußert. Denn das Handwerk als wichtige Säule der Hamburger Wirtschaft findet aus seiner Sicht nicht genügend Erwähnung auf wichtigen Themenfeldern.

„Mit Sicherheit nachhaken, unsere Rolle ins politische Bewusstsein rücken und einmischen werden wir uns in den Bereichen Innovationsförderung und Stadtentwicklung. Hier ist das Handwerk im Koalitionsvertrag deutlich unterrepräsentiert“, sagte Stemmann dem Abendblatt. Der Innovationsbegriff solle laut Koalitionsvertrag zwar künftig weiter gefasst werden und könne deshalb besser auch Innovationen in Handwerksbetrieben umfassen.

„Dabei ist von Innovationsförderung allerdings fast ausschließlich im Zusammenhang mit Kreativwirtschaft und Digitalunternehmen die Rede“, bemängelt der Handwerkskammer-Präsident. Auch in den Vertragspassagen zur Entwicklung der Hamburger Quartiere und zu den großen Stadtentwicklungsprojekten finde das Handwerk kaum Erwähnung.

Engere Zusammenarbeit mit der Politik gefordert

Stemmann verlangt von den politisch Verantwortlichen zugleich eine engere Zusammenarbeit bei wichtigen Themen. So wolle der Senat eine Novellierung der Straßenverkehrsordnung anstoßen und dafür sorgen, dass Zusteller Lieferzonen reservieren können. Ein Ziel: Parken in der zweiten Reihe zu verhindern.

„Wir fordern, dass das Handwerk als Wirtschaftsgruppe in diese Initiative mit reservierbaren Liefer- und Service-Stellplätzen einbezogen wird“, so Stemmann. Zudem werde man „ganz genau hinschauen“, ob die neue Behörde für Verkehr und Mobilitätswende auch tatsächlich einen flüssigen Verkehr für Handwerker, Lieferdienste und andere Wirtschaftsverkehrs gewährleiste.

Rechenprobleme der Schulabgänger

Ebenfalls kritisch betrachtet Stemmann aus Sicht der Handwerker die bisherigen Pläne für neue städtebauliche Projekte wie den Kleinen Grasbrook. Dort kämen produzierendes Handwerk und klassischer Mittelstand kaum vor. „Hier besteht Nachbesserungsbedarf.“ Als positiv wertet er dagegen die Tatsache, dass der Masterplan Handwerk bis 2030 fortgeschrieben werde.

Zum Schluss weist Stemmann noch auf die aus seiner Sicht mangelhaften Fähigkeiten der Schulabgänger in Rechnen und Rechtschreibung hin. Er begrüßt es deshalb, dass gerade diese Kompetenzen bei den Hamburger Schülern laut Koalitionsvertrag gestärkt werden sollen.

( ode )

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