Beschäftigung

Droht Arbeitnehmern in Kurzarbeit die Kündigung?

Coronavirus-Krise: Was bedeutet eigentlich Kurzarbeit?

Unternehmen ächzen unter der Krise, verursacht durchs Coronavirus. Damit Arbeitnehmer ihren Job nicht verlieren, hat der Staat einen Kündigungs-Stopper: Kurzarbeitergeld. Was ist das eigentlich?

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Der Arbeitsmarkt in Deutschland leidet. Elf Millionen befinden sich in Kurzarbeit. Was heißt Kurzarbeit genau? Die wichtigsten Fragen.

Berlin. Die Corona-Pandemie hat das Land nach wie vor fest im Griff. Zwar gibt es zahlreiche Lockerungen im Alltag, bei Reisen, Schulen, Sport, Gottesdiensten und im Handel. Doch auf dem Arbeitsmarkt schlägt die Krise durch.

Das zeigen die neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Von April auf Mai gab es laut BA-Statistik 169.000 mehr Arbeitslose. Damit sind in Deutschland insgesamt 2,813 Millionen Menschen ohne Job, rund 577.000 mehr als im Mai 2019. Die Arbeitslosenquote hat im Mai gegenüber dem Vormonat um 0,3 Punkte auf 6,1 Prozent zugelegt.

Noch deutlicher zeigen sich die Auswirkungen der Corona-Krise bei der Entwicklung der Kurzarbeit. Laut BA wurden im Mai für weitere 1,06 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt, insgesamt sind es nun rund 11,7 Millionen. Da nicht jedes Unternehmen, das Kurzarbeit ankündigt, am Ende auch tatsächlich zu diesem Instrument greift, fällt die tatsächliche Zahl der Kurzarbeiter geringer aus. Dennoch geht die Bundesagentur von sechs Millionen Arbeitnehmern aus, die derzeit in Kurzarbeit sind. Wir klären die wichtigsten Fragen zur Kurzarbeit.

Schützt Kurzarbeit vor Kündigung?

Nicht dauerhaft, aber sie rettet viele Jobs durch die aktuelle Krisenzeit. Das ist auch das vorrangige Ziel dieser Maßnahme. Wenn die Auftragslage von Unternehmen wegen der Pandemie sinkt oder der Betrieb sogar ganz zum Erliegen kommt, wie es zeitweise in der Gastronomie oder bei Friseuren der Fall war, kann der Arbeitgeber die Arbeitszeit der Beschäftigten verringern. Der Staat zahlt dann einen Anteil des entgangenen Nettolohns sowie die Sozialabgaben.

Wo liegt der Vorteil für die Wirtschaft?

Indem der Staat für einen Teil der Kosten einspringt, verschafft er dem Unternehmen finanziell Luft. Sobald die Konjunktur wieder anspringt, kann der Betrieb die betreffenden Mitarbeiter zudem wieder in Vollzeit beschäftigen und erspart sich die Bewerbersuche. Das ist für Unternehmen ein Vorteil. Im Fall einer Kündigung muss ein Unternehmen einem gekündigten Mitarbeiter dagegen bis zur Ablauf der Kündigungsfrist das volle Gehalt samt Sozialabgaben bezahlen. Kurzarbeit erweist sich somit auch billiger für den Arbeitgeber.

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Wie viel Geld bekommen Beschäftigte?

Die Bundesagentur für Arbeit zahlt in den ersten drei Monaten der Kurzarbeit 60 Prozent des entgangenen Nettolohns oder 67 Prozent für Beschäftigte mit Kindern. Ab dem vierten Monat des Bezugs sind es 70 Prozent beziehungsweise 77 Prozent, ab dem siebten Bezugsmonat 80 Prozent oder 87 Prozent.

Wie stark kann die Arbeitszeit gekürzt werden?

Das entscheidet jeweils das Unternehmen. Es kann den Geschäftsbetrieb komplett auf Null setzen. Dann erhält der Mitarbeiter das volle Kurzarbeitergeld. Bei einer Teilreduzierung etwa auf 50 Prozent zahlt der Arbeitgeber die Hälfte des bisherigen Lohns. Die andere Hälfte übernimmt der Staat in Anteilen von zwischen 60 bis 87 Prozent des entgangenen Nettolohns. Das Unternehmen muss die Arbeitszeit aber mindestens um 10 Prozent verringern, damit Kurzarbeitergeld bezahlt wird.

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Wie lange gelten die Regeln zur Kurzarbeit?

Die derzeitigen Regeln wurden vor knapp drei Wochen beschlossen und sollen in dieser Form bis Jahresende gelten. Es gibt aber Überlegung in der Großen Koalition, die Geltungsdauer weiter zu verlängern.

Können Arbeitnehmer während der Kurzarbeit gekündigt werden?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Kurzarbeit ist keine dauerhafte Jobgarantie und schließt daher betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Wenn etwa ein Unternehmen durch die Corona-Krise so stark in Turbulenzen gerät, dass es keine Aussichten mehr hat, wirtschaftlich auf die Beine zu kommen, entfällt die Beschäftigungsmöglichkeit der betreffenden Mitarbeiter auf Dauer. Dann ist eine betriebsbedingte Kündigung auch während der Kurzarbeit zulässig.

Für diesen Fall wird kein Kurzarbeitergeld mehr gezahlt. Zudem können Kündigungen nach Ablauf der Kurzarbeit drohen. Wenn Betriebe strotz staatlicher Hilfe in Schwierigkeiten müssen, kann es zu Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen kommen.