Innovationen

Hamburger Firma plant Eisherstellung in den Tropen

So sieht der Container mit Fotovoltaikanlage aus.

So sieht der Container mit Fotovoltaikanlage aus.

Foto: SunOyster

Eine Pilotanlage soll noch dieses Jahr auf den Kapverden laufen. Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt.

Hamburg.  Es ist ein Projekt, an dem drei Firmen aus Hamburg und dem Umland beteiligt sind, und es soll eines Tages Fischern auf den Kapverdischen Inseln ermöglichen, ihren Fang frisch auf den Markt zu bringen. Gekühlt von Eis, für das Wasser allein aus der Luft gewonnen wird und das mit der Energie aus Sonnenkollektoren gefroren wird.

Der Prototyp der Anlage ist seit knapp zwei Wochen auf dem Gelände der Firma Hummel Systemlösungen in Allermöhe im Probebetrieb. Auf den ersten Blick besteht das Projekt namens Solar Freeze nur aus gebrauchten Containern, auf denen Solarzellen installiert sind. In einem der Container klackert regelmäßig Eis zu Boden.

Pilotanlage steht in Allermöhe

„Die Idee ist, in tropischen Regionen mit schlechter Infrastruktur die Kühlung von Produkten aus Landwirtschaft und Fischerei zu ermöglichen“, sagt Hummel-Chef und -Inhaber Erik Bochmann. Der Mittelständler mit Sitz im Gewerbegebiet am Rungedamm sei an sich „ein ganz normales Klima- und Kältetechnik-Unternehmen. Hin und wieder entwickeln wir gemeinsam mit Kunden aber auch Speziallösungen“, sagt Bochmann. So hat Hummel etwa Containerbrücken im Hamburger Hafen mit Luftaufbereitungsanlagen ausgestattet, damit deren Fahrer nicht in abgashaltiger Luft arbeiten müssen.

Das Projekt „Solar Freeze“ entstand gemeinsam mit der Firma Biowatt Energy aus Harburg. Der Maschinen- und Anlagenbauer konzentrierte sich viele Jahre auf Spezialmaschinen für Biogasanlagen. Inzwischen aber verfolgt Chef Jan Dohrmann ein Mikroalgen-Zuchtprojekt. Auf den Kapverden. Dohrmann ist bei „Solar Freeze“ der Mann mit der Kompetenz für den westafrikanischen Inselstaat. Dohrmann weiß: „Es gibt auf den Kapverden nur Fischer, die in kleinen Booten rausfahren und die lokalen Märkte beliefern. Bis die Käufer die Fische zubereiten, können sie verdorben sein.“ Zwar gebe es ein Gesetz, das die Kühlung vorschreibe, „aber die Kapazität für die Eisherstellung ist zu gering“.

Kollektoren liefern besonders viel Energie

Die Sonnenkollektoren liefert das Fotovoltaik-Start-up SunOyster aus Halstenbek (Kreis Pinneberg). Deren Anlagen gelten als besonders effizient, weil sie sowohl Strom als auch Wärme produzieren. Diese Energie wird dann in Kälte umgewandelt. Zieht schweres Wetter auf, klappen sich die Solarpaneele automatisch ein wie eine Auster. Daher der Firmenname.

Der „Solar Freeze“-Container soll zunächst bis Ende August in Allermöhe Eis produzieren und optimiert werden. Danach wird er auf die Kapverden verschifft und in der Hauptstadt Praia in einem Forschungszentrum für erneuerbare Energien weiter erprobt– unter anderen klimatischen Bedingungen. Auf den Inseln im Atlantik scheint zwar häufig die Sonne, „aber die Luft ist trockener als in Hamburg“, sagt Hummel-Chef Bochmann.

Ministerium gibt 150.000 Euro dazu

Kostendeckend werde die Pilot-Anlage wohl nicht produzieren, erwartet der Unternehmer. Doch dass sich in tropischen Ländern mit Solarenergie Eis wirtschaftlich erfolgreich herstellen lässt, war auch dem Bundeswirtschaftsministerium wichtig. Es hat von den 380.000 Euro Projektkosten gut 150.000 Euro übernommen. Der Rest kommt von Hummel. Erik Bochmann will sie durch die Vermarktung der Innovation langfristig wieder einspielen.