Handel

Corona-Krise? Nicht für Hamburger Getränkelieferanten

| Lesedauer: 3 Minuten
Hanna-Lotte Mikuteit
Online-Erfolg dank Corona? Der Hamburger Niederlassungsleiter von Durstexpress. Christian Jeutes, belädt ein Auto mit Getränkekisten.

Online-Erfolg dank Corona? Der Hamburger Niederlassungsleiter von Durstexpress. Christian Jeutes, belädt ein Auto mit Getränkekisten.

Foto: Andreas Laible

Onlineanbieter wie Durstexpress und Flaschenpost steigern ihren Absatz. Nur in einem Segment bricht das Geschäft ein.

Hamburg. Als der Getränke-Lieferdienst Durstexpress im Januar in Hamburg startete, war nicht absehbar, wie das Coronavirus den Alltag der meisten Menschen verändern würde. Nach gut vier Monaten lässt sich sagen, dass es für das Onlineangebot des Lebensmittelmultis Oetker gar nicht besser hätte laufen können.

„Die Bestellungen erreichen gerade regelmäßig neue Höhepunkte und Spitzen“, sagt Durstexpress-Geschäftsführer Maximilian Illers. 60 Lieferwagen sind inzwischen in der Hansestadt unterwegs, um Mineralwasser, Saftschorle oder Bier innerhalb von zwei Stunden zu den Kunden zu bringen. Details zur Entwicklung in Hamburg will
Illers nicht nennen. Nur so viel: „Wir haben durch die aktuelle Situation Steigerungsraten von bis zu 100 Prozent im Wochenvergleich.“

Expresslieferung innerhalb von zwei Stunden

Schon in normalen Zeiten ist der Getränkeeinkauf für die meisten eine lästige und schwere Pflichtübung. Angesichts von Ansteckungsrisiken und Kontaktbeschränkungen in der Corona-Zeit bestellen immer mehr Kunden online. Durstexpress ist neben dem Pionier Flaschenpost aus Münster der zweite schnell wachsende Spezialanbieter in dem Segment, der Expresslieferungen in 120 Minuten ohne Gebühren auch für kleine Mengen ab 15 Euro verspricht – auch spätabends und natürlich kontaktlos. 2017 hatte das Unternehmen mit Start-up-Attitüde in Berlin die ersten Kisten transportiert.

Danach gingen Leipzig und Hannover an den Start. Im vergangenen halben Jahr kamen Hamburg, Dresden, München und Augsburg dazu. Insgesamt sind 3000 Mitarbeiter bei Durstexpress beschäftigt, das an die Radeberger-Gruppe angedockt ist.

Auch beim direkten Konkurrenten Flaschenpost, seit Ende 2018 in Hamburg am Markt, läuft es. 80 Flaschenpost-Transporter sind in der Stadt unterwegs. „Seit Beginn der Corona-Krise ist die Nachfrage in Hamburg um 50 Prozent gestiegen“, sagt Unternehmenssprecherin Sabine Angelkorte auf Nachfrage.

Kritik gab es zuletzt wegen Preiserhöhungen. Einen Zusammenhang mit Corona weist die Sprecherin zurück. Das Preisgefüge sei schon zum Jahresbeginn angepasst worden. Das einstige Studenten-Start-up, das solvente Investoren an Bord holen konnte, liefert bundesweit täglich 60.000 Getränkekisten und wird mit 270 Millionen Euro bewertet.

Höhere Verkaufszahlen bei Online-Bestelldiensten

Die jungen Anbieter mischen den etablierten Getränkefachhandel ordentlich auf. „Die Getränkenachfrage in Privathaushalten ist seit März deutlich gestiegen“, sagt Dirk Reinsberg vom Bundesverband des Deutschen Getränkegroßhandels. Vor allem die digital aufgestellten Expressdienste verzeichneten höhere Verkaufszahlen. Er rechnet damit, dass nach der Krise die Digitalisierung der Branche beschleunigt wird.

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Allerdings profitieren nicht alle vom veränderten Verbraucherverhalten. Lieferdienste, die auf Firmenkunden spezialisiert sind, haben massive Einbußen. „Bei uns sind 80 Prozent der Aufträge weggebrochen“, sagt Frithjof Bohn, Geschäftsführer des KGB Getränkelieferdienstes, der regelmäßig auch Kitas und Kinos beliefert. Alle fünf Fahrer sind bis auf Weiteres in Kurzarbeit.

Bei Durstexpress dagegen gehen so viele Bestellungen ein, dass die Lieferzeiten zeitweilig auf 180 Minuten angehoben werden müssen, um den Andrang zu bewältigen. „Wir sind ein Stück weit Opfer unseres eigenen Erfolgs“, sagt Geschäftsführer Illers. Das Sortiment, das vor allem auf Mehrweggetränke setzt, umfasst 1000 Artikel, darunter Kaffee, Toilettenpapier und Atemmasken. Die Expansion in weitere Städte ist fest eingeplant. Auch in Hamburg sucht Durstexpress neue Mitarbeiter.

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