Hamburg

Ikea in Hamburg hat wieder geöffnet – aber ohne Köttbullar

Volle Tüten: Maj-Britt Grelk (l.) und Claudia Meyer haben bei Ikea in Altona eingekauft.

Volle Tüten: Maj-Britt Grelk (l.) und Claudia Meyer haben bei Ikea in Altona eingekauft.

Foto: Marcelo Hernandez

Das Möbelhaus freut sich über kauffreudige Kundschaft. Bei anderen großen Geschäften in Hamburg bleibt der Andrang aus.

Hamburg.  Die blauen Tüten sind prallvoll gefüllt, als Maj-Britt Grelk und Claudia Meyer am Mittwochmittag aus der Tür des schwedischen Möbelhändlers Ikea in Altona kommen. Ein neuer Besteckkasten guckt oben heraus, außerdem haben sie Kissenbezüge, Kerzen und Kleiderbügel erstanden. „Ich bin gerade nach Ottensen gezogen und hatte eine lange Einkaufsliste“, sagt Maj-Britt Grelk, die als Projektmanagerin arbeitet.

Am Morgen hatten die beiden sich über das Internet noch schnell Einlass-Tickets besorgt, mit denen die Wiedereröffnung der einzigen City-Filiale der Möbelkette nach mehr als achtwöchiger Corona-Schließung gemanagt werden sollen. „Die ersten Termine waren schon ausgebucht“, sagt Claudia Meyer. Schließlich konnten sie für 11.30 Uhr Tickets ergattern. Zwei Stunden waren die jungen Frauen zwischen Sofas, Bettwäsche und Küchengerätschaften unterwegs. Sehr voll sei es nicht gewesen, sagen sie. „Den Abstand konnte man besser einhalten als im Supermarkt.“

Nach Corona-Schließung: Lange Schlangen vor City-Ikea

Kurz vor Ladenöffnung um 10 Uhr hatten sich vor der Tür noch gut hundert Kunden in lange Schlangen eingereiht. „Hoffentlich machen die nicht gleich wieder dicht“, sorgte sich eine ältere Dame, die ohne Online-Reservierung gekommen war. Aber dann ging alles ganz schnell. Nach und nach winkte das Sicherheitspersonal am Eingang die Menschen durch. Schon eine Viertelstunde später waren die ersten Einkaufswagen voll.

Ein Ehepaar aus Rotherbaum entschied sich spontan für ein neues Sofa. „Wir haben einen guten Zustrom in allen drei Hamburger Ikea-Häusern“, wird Ikea-Sprecherin Isolde Debus-Spangenberg später sagen. Alles wie vorher? Nicht ganz. Maximal 450 Kunden dürfen zeitgleich in das Möbelhaus. Normalerweise kommen bis zu 60.000 Kunden in der Woche. Es gelten strenge Abstands- und Hygieneregeln und natürlich Maskenpflicht. Und: Hotdogs und Köttbullar gibt es derzeit nicht. Bistro und Restaurant sind noch in allen Ikea-Filialen bundesweit geschlossen.

Das Coronavirus in Deutschland und weltweit:

„Einkaufslaune ist nicht so wie vor der Krise“

Auch wenn mit dem Senatsbeschluss vom Dienstag weitere Corona-Beschränkungen für den Handel gelockert wurden und auch Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern wieder komplett öffnen dürfen, herrscht weiter Ausnahmezustand in der Branche. „Wir erwarten nicht den großen Run“, sagt Brigitte Nolte, Hamburger Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord. „Die Einkaufslaune ist nicht so wie vor der Krise.“

Als Gründe sieht sie die unsichere Einkommenssituation vieler Menschen. Auch trage die Maskenpflicht nicht unbedingt zum Shoppingerlebnis bei. Vor allem in der Innenstadt erhöhen sich die Kundenfrequenzen nur langsam. Nach einer Stichprobe des Dienstleisters Hystreet, der Passantenzählungen unter anderem in der Spitalerstraße macht, liegt man aktuell bei 56 Prozent früherer Messungen. „Es entwickelt sich nach oben“, sagt Nolte. „Aber wir sind hinter dem zurück, was notwendig ist.“ Auch an diesem Vormittag sind die Einkaufsmeilen in der City nur mäßig besucht, obwohl alle großen Häuser erstmals wieder komplett geöffnet sind.

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks über die Corona-Lockerungen:

Corona-Lockerungen: Das ist ab Mittwoch wieder erlaubt
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Einkaufserlebnis mit Klebeband und Plexiglasscheiben

Bei Sport Karstadt steht Filialleitern Anja Kunze vor der Tür und beobachtet die Situation. „Nach dem ersten Andrang läuft es ruhig“, sagt sie. Maximal 120 Kunden dürfen zeitgleich in das Geschäft. Bislang musste noch niemand warten. „Gekauft werden Sachen für den Wanderurlaub, Laufschuhe- und Kleidung“, sagt sie. Und Inliner.

Nebenan bei Peek&Cloppenburg zählt ein Mitarbeiter per Smartphone-App die Kunden, die das Modehaus betreten. Im Schaufenster lockt ein großes Schild mit „30 Prozent Welcome-Sale“. Die Laufwege sind mit schwarz-gelbem Klebeband auf dem Boden markiert. Vor den Kassen hängen Plexiglasscheiben. „Passen wir alle aufeinander auf und halten den notwendigen Abstand“, mahnt eine Lautsprecherstimme.

Ingert Schmidt kommt mit einer Einkaufstasche aus der Tür des Herrenausstatters Anson’s. „Ich habe ein Geschenk für meinen Enkel besorgt. Sonst wäre ich gar nicht in die Stadt gekommen“, sagt die Rentnerin aus Schnelsen.

Bei Sportscheck sind noch zwei Stockwerke geschlossen

Auch beim Modehändler C&A schlendern die Kunden zurückhaltend zwischen prallvollen Ständern mit Übergangsjacken und Sommerblusen. Im ersten Stock näht Änderungsschneider Zafer Kisa bunte Stoffmasken. „Das läuft gut“, sagt er. Am Tag verkauft er 40 Stück. Beim Sporthändler Sportscheck, der gegen die Flächenbeschränkungen geklagt hatte, sind nach Aufhebung der Beschränkungen noch zwei Stockwerke geschlossen. Die Mitarbeiter konnten nicht rechtzeitig aus der Kurzarbeit zurückgeholt werden.

Es ist ein vorsichtiges Herantasten. Bei Karstadt herrscht in der Kosmetikabteilung gähnende Leere. „Wir dürfen nur verkaufen, aber keinen Service anbieten“, sagt eine Mitarbeiterin. Bei dem fusionierten Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof wird bereits über Personalabbau und Standortschließungen gesprochen. Ein Brief des Arbeitgebers sorge für Angst und Schrecken bei den Beschäftigen, so Ver.di-Handelsexpertin Heike Lattekamp. Konkrete Aussagen zu Schließungen gebe es aber noch nicht.

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Dagegen sind auch am Nachmittag die Elektronikmärkte Saturn und MediaMarkt gut besucht. In Altona werden die Kundenströme über eine digitale Ampelanlage gelenkt. Das Pilotprojekt soll in allen Filialen der Kette eingeführt werden. Auch bei Ikea ist nachmittags weiterhin Betrieb.

Handelsexpertin Nolte sieht gerade in diesen Bereichen einen „Nachholeffekt“. Sie befürchtet vor allem für den Modehandel schwere Zeiten. Eine Ausnahme könnte die Schnäppchenkette TK-Maxx sein. Vor der Filiale in Altona bildeten sich den ganzen Tag über lange Schlangen mit Wartezeiten von bis zu einer Stunde.