Flughafen

Ryanair plant Urlaubsflüge im Sommer ab Hamburg

Hoch die Hände, Flugstopp-Ende: Ryanair-Chef Michael O’Leary will wieder ab Hamburg starten.

Hoch die Hände, Flugstopp-Ende: Ryanair-Chef Michael O’Leary will wieder ab Hamburg starten.

Foto: Michael Rauhe

Reisebüros in der Hansestadt kämpfen derweil um ihre Existenz und hoffen auf Buchungen. Welche Destinationen Experten empfehlen.

Hamburg.  Michael O’Leary hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Selbst in der Corona-Krise teilt der Ryanair-Chef gerne aus. Die geplante 14-tägige Quarantäne für nach Großbritannien einreisende Passagiere nannte er eine „idiotische Maßnahme“. „Das ist Unsinn, und es hat keinen Einfluss darauf, die Ausbreitung von Covid-19 zu begrenzen“, sagte O’Leary dem Fernsehsender ITV. Stattdessen sollte beim Betreten der Airports bei allen Fluggästen Fieber gemessen werden. An Bord des irischen Billigfliegers gelte für Personal und Passagiere Mundschutzpflicht – das seien effektive Schutzmaßnahmen.

Wie fast alle Fluglinien hat auch Ryanair den Betrieb nahezu eingestellt. Nur rund 30 Verbindungen werden seit Mitte März täglich geflogen. Doch im Sommer soll sich das ändern. Vom 1. Juli an wolle man täglich fast 1000 Flüge absolvieren, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Das entspreche 40 Prozent der regulären Flüge. Voraussetzung sei allerdings, dass die Regierungen die Reisebeschränkungen in der EU lockern und an den Flughäfen geeignete Gesundheitsschutzmaßnahmen eingerichtet werden. Rund 90 Prozent des Streckennetzes aus der Vor-Corona-Zeit solle dann wieder bedient werden. Länder wie Spanien, Italien, Frankreich, Portugal und Griechenland sollten so den Rest der Tourismus-Saison ausschöpfen können.

Hamburger Flughafen reagierte abwartend auf eine mögliche Ausweitung des Flugangebots

Um Details zu einzelnen Strecken zu erhalten, verweist Ryanair auf einen Link. Wer ihm folgt, sieht zehn Ziele ab dem Helmut-Schmidt-Flughafen. Das heißt aber nicht, dass alle diese Destinationen ab Juli buchbar sind, wie Stichproben des Abendblatts ergaben. Am Vormittag gab es zumindest in der ersten Juli-Woche für alle diese Ziele Angebote. Im Laufe des Tages änderte sich das jedoch. Am frühen Nachmittag wurden für vier Städte Buchungsvorschläge unterbreitet: Mailand-Bergamo, Dublin, Barcelona El-Prat und London-Stansted standen je zwei- bis viermal wöchentlich im Juli und August im Flugplan. Die günstigsten Preise begannen bei 25,99 Euro für den einfachen Flug. Für die anderen dort aufgelisteten Destinationen Cagliari, Lamezia, Bari, Brindisi und Palermo ging es erst Ende September los. Und für Mallorca standen zwar für den 24. und 28. Juni sowie 5. Juli Flüge im System – dann aber erst am 26. September wieder. Offen, was dahintersteckt. Ryanair äußerte sich auf Anfrage nicht.

Der Hamburger Flughafen reagierte eher abwartend auf eine mögliche Ausweitung des Flugangebots ab Juli. „Der Flughafen ist bereit und freut sich über jeden Flug“, sagte Sprecherin Stefanie Harder, „aber wir müssen die politische Situation abwarten.“ Nach wie vor gilt die Reisewarnung des Auswärtigen Amts bis Mitte Juni, die meisten Grenzen sind noch geschlossen. Gespräche mit den Airlines würden natürlich regelmäßig geführt. Am Freitag hatte Eurowings mitgeteilt, Wien und Palma de Mallorca ab sofort wieder anzufliegen.

Experte empfiehlt Inseln und Kreuzfahrten

Auf mehr Flugverbindungen hoffen auch die Reisebüros, um ihren Kunden wieder Angebote für Urlaub in Spanien oder Italien machen zu können. Hans-Peter Eisenbeiss sitzt an einem rustikalen Holztisch in seinem Reisebüro, Tierskulpturen und exotische Pflanzen erinnern an das Flair in einer afrikanischen Lodge. Der 59-Jährige hat hauptsächlich mit Stornierungen zu tun. Seit einer Woche erlebt er aber auch wieder ein – wenn auch zögerliches – Interesse seiner Kunden an Reisen. Erste Buchungen laufen an. „Wir verzeichnen vier neu gebuchte Reisen, einen Urlaub Richtung Fleesensee (Mecklenburg-Vorpommern) und drei Buchungen für Spanien, im September“, sagte Eisenbeiss. Die meisten Anfragen beträfen derzeit innereuropä­ische Ziele. Ein Paar habe für 2021 eine Kreuzfahrt in die Karibik im Visier und wolle sich mit einer frühen Buchung eine der raren Suiten an Bord sichern.

Corona-Lockerungen: Das ist ab Mittwoch wieder erlaubt

Corona-Lockerungen: Das ist ab Mittwoch wieder erlaubt
Corona-Lockerungen: Das ist ab Mittwoch wieder erlaubt

Schon jetzt könne man wieder Pauschalreisen etwa für den Sommer abschließen, sagt der Experte in seinem Büro namens „Sehnsucht like Robinson“ – auch wenn die Grenzen noch nicht offen sind. Falls der Trip dann doch vom Veranstalter abgesagt werden muss, weil Grenzen geschlossen sind, bekäme der Kunde sein Geld zurück, so Eisenbeiss. Als erste Optionen für Ferien trotz Corona sieht er Inseln und Kreuzfahrten. Hier könnten bestimmte Zugangsregeln den Aufenthalt sicherer machen.

Interesse der Hamburger an Kanada

Beim Konkurrenten Adventure Tours liefen erste „zaghafte Anfragen für Reisen innerhalb Deutschlands ein“, sagte Florian Kruse aus dem Reisebüro an der Fuhlsbüttler Straße. „Der Bodensee wurde gestern nachgefragt. Und dann hatten wir noch eine kleine Anfrage für ein Appartement an der Ostsee. Alles im August/September 2020 für sieben Tage oder länger“, sagt Kruse, der aber nicht sehr zuversichtlich ist: „Man spürt noch die Unsicherheit der Kunden, ob sie buchen oder abwarten sollen.“ Er gehe davon aus, dass es ein Jahr der kurzfristigen Buchungen werde.

„Wenn überhaupt Buchungen produziert werden.“ Auch Andreas Folkmann vom TUI ReiseCenter ist wenig optimistisch: „Wir haben nur wenige Neubuchungen für den Sommer 2020.“ Es handele sich um Ferienwohnungen und Ferienhäuser in Deutschland. Bei Götze Flug Reise, die vor allem Fernreisekunden bedienen, sei die Nachfrage noch verhalten, sagt Leiter Olaf Lock. Etwa 40 Prozent der Kunden wollten ihre Reise für dieses Jahr stornieren, ganz schlecht sehe es insbesondere mit Zielen in den USA aus. Interesse äußerten die Hamburger aber beispielsweise an Kanada mit seinem guten Gesundheitssystem. „Vielleicht chartern wir dafür sogar eine eigene Maschine für unsere Gäste“, erwägt Lock.

Heute demonstrieren Mitarbeiter der Branche

Bisher gilt: Für den Zeitraum bis zum 14. Juni sind alle Reisen abgesagt. „Wir haben dadurch praktisch neun Monate lang kein Einkommen“, sagte Eisenbeiss über die wirtschaftliche Situation in seinem Reisebüro auf der Uhlenhorst. Schließlich fielen die Einnahmen durch die Provisionen aus, wenn Reisen nicht stattfänden. Und erst nach den eventuell im Herbst angetretenen Trips überwiesen die Veranstalter Zahlungen an ihre Vertriebspartner, berichtete der Hamburger über Gepflogenheiten in der Branche. Um auf ihre Sorgen aufmerksam zu machen, demonstrieren am heutigen Mittwoch die Reisebüros in Deutschland. In Hamburg findet der Protest von 10 bis 12 Uhr im Airport Hamburg statt. Mit der erneuten Aktion wollen die Reiseanbieter auf drohende Insolvenzen hinweisen. Zudem fordern sie einen Rettungsschirm.

Corona-Lockerungen: Grote kündigt scharfe Kontrollen an

Corona-Lockerungen: Grote kündigt scharfe Kontrollen an
Corona-Lockerungen: Grote kündigt scharfe Kontrollen an

Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts planen 43 Prozent der Reisebüros, Beschäftigte zu entlassen oder befristete Verträge nicht zu verlängern. Eisenbeiss hat in der Zwischenzeit sein an das Reisebüro angeschlossener Weinhandel etwas über die Flaute hinweggeholfen. Bei vielen anderen Agenturen aber sind drastische Kürzungen unausweichlich. „Alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit und haben große Schwierigkeiten, ihre Fixkosten zu zahlen“, berichtet Geydar Nabiev vom Sonnenklar.TV Reisebüro.

Lesen Sie auch:

Er selber habe für seine drei Agenturen in der Hansestadt allein 10.000 Euro im Monat an Miete zu zahlen, sagt der Unternehmer. „Dabei sitzen wir seit Februar auf dem Trockenen, mit einem Umsatzeinbruch von 100 Prozent.“ Der Hamburger äußert seinen Unmut über die Politik und spricht dabei für die Branche, die sich mit den heutigen Demonstrationen wieder Gehör verschaffen will: „Hilfsprogramme außer der regulären Soforthilfe für die Betriebe gibt es nicht. Stattdessen wird öffentlich über die Unterstützung der Automobilindustrie gesprochen.“

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden