Corona

Metallindustrie: Krise kostet im Norden vorerst kaum Jobs

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Heiner Schmidt
Thomas Lambusch, der Präsident des Indus­trieverbands Nordmetall.

Thomas Lambusch, der Präsident des Indus­trieverbands Nordmetall.

Foto: Nordmetall

Laut einer Umfrage des Arbeitgeberverbandes leiden die Unternehmen aber unter massiven Umsatzeinbußen. Kurzarbeit ist weit verbreitet.

Hamburg.  Die weltweite Pandemie hat die norddeutsche Metall- und Elek­troindustrie in eine Krise gestürzt, deren Ausmaß schon jetzt größer ist als während der Weltfinanzkrise 2008. Und: Diese Krise wird sich in den kommenden Wochen und Monaten aller Voraussicht nach weiter deutlich verschärfen. „So schwarz war die Lage noch nie“, sagt Nico Fickinger, der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Nordmetall, der die Interessen von gut 670 Unternehmen mit 130.000 Beschäftigten in Norddeutschland vertritt.

Das zeigt die jüngste Konjunkturumfrage des Verbands bei seinen Mitgliedsunternehmen, deren Ergebnisse Nordmetall am Dienstag vorstellte. Demnach leiden fast alle Branchen unter massiven Umsatzverlusten, mehr als ein Drittel der Firmen hat Kurzarbeit angemeldet, die Nachfrage ist eingebrochen, es kommen kaum noch neue Aufträge herein. Auch deshalb fürchtet jeder vierte Betrieb, dass er innerhalb der nächsten sechs Monate Insolvenz anmelden muss. „Aus der leichten Konjunkturdelle, die wir schon im vergangenen Herbst regis­triert haben, hat sich ein tief greifender Bruch entwickelt. Die Lage ist dramatisch“, sagt Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch.

Bei den Medizintechnikunternehmen sieht es besser aus

Betroffen seien Maschinenbauer ebenso wie Schiffbauer und Werftzulieferer, die Luftfahrtindustrie (Airbus, Lufthansa Technik) leide noch stärker als kleinere Elekrotechnikbetriebe. Allein bei den Medizintechnikunternehmen sieht es zumeist besser aus, beim Beatmungsgerätehersteller Drägerwerk in Lübeck sogar glänzend.

Die aktuelle Umfrage zeigt: Gut die Hälfte der Mitgliedsfirmen bewertet ihre Geschäftslage als unbefriedigend oder schlecht, es sind so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Auslastung der Produktionskapazitäten ist auf 71,5 Prozent gefallen und damit bereits deutlich niedriger als während der Finanzkrise. 73 Prozent der Betriebe erwarten im nächsten halben Jahr Umsatzeinbußen, fast die Hälfte davon in einer Größenordnung von mehr als zehn Prozent.

Gravierende Auswirkungen auf die Beschäftigten

Fast 40 Prozent der Unternehmen haben wegen der Coronakrise bereits Produktions- und Lieferausfälle hinnehmen müssen. Nico Fickinger ist überzeugt, dass sich die Situation weiter verschlechtern wird. „Das ist noch nicht der Endpunkt“, sagte der Hauptgeschäftsführer.

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Auch die Auswirkungen auf die Beschäftigten sind mittlerweile gravierend. In einem Drittel aller befragten Betriebe wurde bereits Kurzarbeit eingeführt, im Schnitt sei in diesen Firmen jeder zweite Beschäftigte davon betroffen, hieß es. Die Kurzarbeit werde sich noch ausweiten. Mehr noch: „Jedes vierte Unternehmen will in nächster Zeit Arbeitsplätze abbauen“, so Fickinger.

Allerdings steht – auch wegen der verbesserten Bedingungen für die Kurzarbeit – offenbar keine Entlassungswelle bevor. Weil es auch Firmen gibt, die einstellen, würden nach den derzeitigen Firmenplänen in naher Zukunft nur etwa 600 Arbeitsplätze in der Gesamtbranche wegfallen. Es ist einer der wenigen Lichtblicke.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

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