Einzelhandel in Hamburg

Warum Ikea weiter dichtmacht, Möbel Höffner aber öffnet

| Lesedauer: 7 Minuten
Wolfgang Horch
Das Ikea-Haus in Altona (Archiv): Anders als in NRW bleiben die Hamburger Filialen des schwedischen Möbelhändlers weiter geschlossen.

Das Ikea-Haus in Altona (Archiv): Anders als in NRW bleiben die Hamburger Filialen des schwedischen Möbelhändlers weiter geschlossen.

Foto: Picture Alliance

Hamburger Senat verschärft Regeln für Ladenöffnung und stiftet Verwirrung. Media Markt und Saturn gehen am Mittwoch an den Start.

Hamburg.  Robert A. Kabs kann aufatmen. Etwa fünf Wochen lang waren die bundesweit 13 Filialen des Hamburger Familienunternehmens wegen der Coronakrise geschlossen. „Nun haben wir alle wieder eröffnet“, sagt der Unternehmer. Allerdings in unterschiedlicher Form.

Das Geschäft in Essen darf den Kunden auf den vollen etwa 8000 Quadratmetern Verkaufsfläche seine Waren präsentieren. Der Grund: Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen erteilte dem Möbelhandel insgesamt die Freigabe für die Wiedereröffnung, unabhängig von der Größe der Verkaufsfläche. In der Hansestadt ist diese hingegen für die Häuser in Wandsbek und Harburg – wie für den gesamten Einzelhandel außer Supermärkten – auf 800 Quadratmeter begrenzt. Die Unternehmen müssen sich an unterschiedliche Regelungen gewöhnen und handeln entsprechend.

Hamburg macht es Unternehmen in Coronakrise schwer

Am Dienstag kündigte Marktführer Ikea an, seine Häuser in Nordrhein-Westfalen am heutigen Mittwoch wieder zu öffnen. „Wir wissen, dass viele Kunden auf die Wiedereröffnung unserer Einrichtungshäuser gewartet haben“, sagt Deutschland-Geschäftsführer Dennis Balslev. „Um einen Ansturm zu Beginn möglichst zu vermeiden, bitten wir darum, die ersten Tage nach der Öffnung zurückhaltend zu nutzen.“ In der Hansestadt ist ein Aufsperren der Türen hingegen noch nicht absehbar. „Derzeit planen wir nicht, Einrichtungshäuser auf 800 Quadratmeter zu reduzieren“, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Daher gebe es Stand heute keine Erwägungen, die drei Häuser in Schnelsen, Moorfleet und Altona wieder aufzumachen.

Die Stadt Hamburg macht es den Unternehmen auch nicht gerade leicht. Erst am frühen Freitagabend hatte sie ihre Regelungen verkündet, die nun seit Montag gelten. Ein kurzer Vorlauf also. Und zwischenzeitlich wurden die Bestimmungen noch einmal verändert. In der im Internet einsehbaren sogenannten Auslegungshilfe stand zunächst, dass je Zuwegung 800 Quadratmeter möglich wären. Beispiel: Bespielt ein Geschäft in einem Einkaufszentrum das Erd- und das erste Obergeschoss, hätten je Geschoss 800 Quadratmeter freigegeben werden können, wenn die interne Verbindung wie eine Rolltreppe gesperrt worden wäre.

Große Verwirrung

Der Passus mit der Zuwegung fehle nun, räumt die Sprecherin der Wirtschaftsbehörde, Susanne Meinecke, ein: „Die Auslegung ist nachgeschärft worden.“ Der Spielraum sei enger ausgelegt worden. Ziel bleibe die Entzerrung des Publikumsverkehrs, um das Infektionsrisiko zu reduzieren. Daher dürfe pro Firma nur eine Verkaufsfläche eröffnet werden. Das Rechtsamt habe die Verbände und Handelskammer über die geänderte Auslegungshilfe informiert, so Meinecke. Die dahinterstehende Rechtsverordnung sei unverändert geblieben.

Corona: Bürgermeister ordnet Maskenpflicht in Hamburg an
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Blickt man nach Schleswig-Holstein, geht die Verwirrung weiter. Dodenhof kündigte gestern an, heute in Kaltenkirchen wieder zu eröffnen. Pro Gebäudekomplex dürfe man je 800 Quadratmeter abtrennen und für den Kundenverkehr öffnen. Auf dem Gelände mit insgesamt mehr als 55.000 Quadratmetern Verkaufsfläche werden drei Bereiche geöffnet: die Modewelt, das Möbelhaus XXXLutz Dodenhof im Erdgeschoss des Einrichtungshauses und das Gartenzelt.

Höffner ist einen Schritt weiter

Wettbewerber Höffner ist bereits einen Schritt weiter. Am Montag öffneten die Häuser in Barsbüttel (Kreis Stormarn) und Hamburg wieder. Am Eingang habe man eine Fläche für den Verkauf in Coronazeiten eingerichtet, sagt Stephan Adler, Standortleiter von Möbel Höffner in Eidelstedt: „Wir haben einen Querschnitt unseres Sortiments dort hingestellt.“ Auf den 800 statt ansonsten gut 38.000 Quadratmetern gebe es Couchgarnituren, Bettwäsche, Gardinen, Töpfe, Pfannen, Besteck und Gartenmöbel.

Selbst ihre Küche könnten Kunden im Gespräch mit Beratern planen. Es gebe inklusive der Hauptinformation sechs Beraterplätze. Spritzschutzscheiben seien aufgestellt worden. Die Einkaufswagen werden von Reinigungskräften gesäubert. „Jeder Kunde erhält eine Atemschutzmaske und muss sich die Hände desinfizieren“, sagt Adler. Maximal 20 Leute dürften zugleich in den Laden. Der Schutz der Kunden und Mitarbeiter habe derzeit natürlich Vorrang vor dem Streben nach Umsatz. Mit dem Eröffnungstag sei er „zufrieden“ gewesen, so Adler.

Kabs über die Reaktion der Kunden erfreut

Auch Kabs war über die Reaktion der Kunden durchaus erfreut: „Die Umsätze waren besser, als wir es erwartet haben.“ Auch wenn sie unterm Strich etwa 40 Prozent geringer ausfielen als an normalen Tagen. Auf den 800 Quadratmetern zeigt die Firma ihre Bestseller: etwa 60 bis 70 Garnituren an Sofas und Boxspringbetten. Natürlich wurde ein Hygienekonzept erarbeitet. Die Kunden erhalten Einmalschutzmasken und Handschuhe. Desinfektionsmittel stehen bereit, Laufwege wurden geklebt.

Coronavirus: Viel weniger Neuinfizierte in Hamburg

Bei allem Verständnis für die Politik, die schwere Entscheidungen zu treffen habe, sagt Kabs aber auch: .„Wir fragen uns schon, wann wir unsere Häuser wieder ganz öffnen können.“ Auf voller Fläche würden sich maximal 100 Kunden zugleich im Haus aufhalten. Das Einhalten von 1,50 Metern Abstand sei problemlos möglich.

Karstadt und Kaufhof öffnen sieben Standorte in Hamburg

Natürlich trifft die Begrenzung der Verkaufsfläche nicht nur den Möbelhandel. Auch die großen Elektronikmärkte müssen sich umstellen. Media Markt und Saturn wollen nun auch wieder öffnen. „Alle Media Märkte und Saturn-Märkte in Hamburg werden ab Mittwoch wieder für ihre Kunden da sein“, sagte eine Sprecherin der Mutter MediaMarktSaturn dem Abendblatt. Die insgesamt elf Geschäfte in Hamburg würden montags bis sonnabends von 10 bis 18 Uhr öffnen.

Ein Schwerpunkt auf den jeweils rund 800 Quadratmetern Verkaufsfläche sollen Produkte fürs Homeoffice sein – vom Smartphone bis zum Laptop. Bei sperrigen Waren wie Fernsehern und Kühlschränken sollen die Verkäufer die Kunden hauptsächlich mithilfe von Tablets beraten. Wer gezielt nach einem Produkt suche, solle dies den Verkäufern mitteilen. Vieles sei im Lager direkt vorhanden und könne dann geholt werden.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Auch Galeria Karstadt Kaufhof geht wieder in die Offensive, bundesweit sind nun 49 Filialen auf. Auch auf der reduzierten Fläche stehe das ganze Sortiment zur Verfügung, teilte das Unternehmen auf der Homepage mit. Laut der Liste sind in Hamburg sieben der acht Standorte geöffnet. Einzige Ausnahme ist das Spezial-Haus in Bergedorf.

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