Pandemie

Hamburger Gastronomen fordern neue Finanzhilfen vom Staat

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"Geschlossen" steht auf einem Schild an der Tür eines Restaurants (Symbolbild).

"Geschlossen" steht auf einem Schild an der Tür eines Restaurants (Symbolbild).

Foto: Daniel Karmann / dpa

Restaurants und Hotels bleiben weiter geschlossen. Dehoga-Präsident Klein: „Die Lage vieler Betriebe in der Stadt ist dramatisch.“

Hamburg.  Vor der Sitzung der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin hatten Gastronomen und Hoteliers auf eine vorsichtige Lockerung der Geschäftsschließungen gehofft, nun ist die Frustration groß. „Wir sind schon sehr enttäuscht, dass Gastronomie und Hotellerie die einzige Branche ist, für die es keine Öffnungsperspektive gibt“, sagte Franz J. Klein, der Präsident des Branchenverbands Dehoga in Hamburg. Während bestimmte Geschäfte unter Auflagen wieder öffnen dürfen, ist bislang kein Termin bekannt, ab wann das auch für Restaurants, Hotels und Pensionen gelten könnte.

Und deren Lage sei vier Wochen nach dem Shutdown mittlerweile „dramatisch“, so Klein. „Allein für die etwa 4000 Hamburger Gastronomiebetriebe bedeutet das einen Umsatzverlust von schätzungsweise 100 Millionen Euro, der nicht nachgeholt werden kann.“ Das treffe insbesondere kleinere, inhabergeführte Betriebe ohne große Rücklagen und junge Gastronomen, die ihre in jüngster Zeit eröffneten Restaurants mit Krediten finanziert haben.

Gastronomie und Hotellerie von Coronakrise weiter stark betroffen

„Insbesondere solche Unternehmen benötigen mehr direkte Hilfe durch den Staat. Da muss jetzt etwas Neues kommen“, forderte Klein. Die bislang geflossenen Zuschüsse an Kleinunternehmen „dürften nach vier Wochen bei Weitem aufgebraucht sein. Mit Krediten ist diesen Betrieben nicht geholfen.“

Unterstützung kam vom neuen Handelskammer-Präses Norbert Aust. Insbesondere Gastronomie und Hotellerie sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen seien von Beschränkungen weiter stark betroffen, sagte er. „Hier brauchen wir zeitnah einen Plan, damit den Betrieben in diesen Branchen eine Perspektive aufgezeigt werden kann.“ Dehoga-Präsident Klein setzt nun große Hoffnungen auf den Hamburger Senat. Mit ihm sollte es noch am Donnerstag Gespräche über das weitere Vorgehen in der Stadt geben. „Wir werden die Dringlichkeit weitergehender Hilfen betonen“, so Klein.

Dehoga plädiert für Abstandsregelung in Restaurants nach Wiedereröffnung

Aus Sicht des Branchenverbands wäre beispielsweise eine Abstandsregelung in Restaurants nach einer Wiedereröffnung sinnvoll. „Wenn man für eine Übergangszeit nur die Hälfte der Tische besetzen kann, bedeutet das zwar immer noch erhebliche Umsatzeinbußen, aber so etwas wäre natürlich schon hilfreich“, sagte Klein. Er denkt dabei auch an die Beschäftigten der Branche mit etwa 50.000 Arbeitsplätzen in der Stadt, die überwiegend in Kurzarbeit sind. „Diese Menschen kann man nicht alleinlassen.“

Auch Gastronom Jens Stacklies (Fischauktionshalle, Gröninger) kann die Entscheidungen der Politik nicht nachvollziehen. „Wir hängen in den nächsten Wochen komplett in der Luft und wissen nicht, wie es weitergeht“, sagte er dem Abendblatt. Zudem sei völlig unklar, was genau die Politik unter Großveranstaltungen, die bis zum 31. August nicht stattfinden sollen, versteht. „Ab wie vielen Teilnehmern handelt es sich um eine Großveranstaltung?“, fragt Stacklies. Gerade für ihn, der über größere Veranstaltungsorte mit gastronomischem Angebot verfügt, sei eine Antwort auf diese Frage wichtig.

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( hs/ode )

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