Corona-Krise

IWF: Welt droht schlimmste Rezession seit 100 Jahren

Was ist eine Rezession?

Was passiert bei einer Rezession? Wir erklären im Video, was wirtschaftlicher Abschwung für den Bürger bedeutet und was jetzt zu tun ist. Und: Was passiert bei einer Rezession mit meinem Geld?

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IWF: Globale Wirtschaft schrumpft in der Corona-Krise um drei Prozent, in Deutschland um sieben Prozent. Hoffnungsschimmer für 2021.

Berlin. Die Weltwirtschaft wird wegen der Coronavirus-Pandemie in die schwerste Rezession seit fast 100 Jahren gerissen. Zu diesem Ergebnis kommt der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington in seinem halbjährlichen globalen Konjunkturausblick („World Economic Outlook“).

Demnach könnte die weltweite Wirtschaftsleistung 2020 um drei Prozent zurückgehen, jene der Eurozone sogar um 7,5 Prozent, wie der IWF am Dienstag erklärte. Für die deutsche Wirtschaft, die sehr stark von Ausfuhren abhängt, ist dies ein harter Schlag.

„Es ist eine wirklich globale Krise, weil kein Land verschont bleibt“, sagte IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath. Es müsse mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet werden. In Deutschland schrumpft die Wirtschaft laut IWF 2020 im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent, in Spanien um acht Prozent, in Italien um 9,1 Prozent.

IWF: Corona-Krise schlimmer als die Finanzkrise 2008

Der Fonds ist damit wesentlich pessimistischer als führende deutsche Konjunkturforschungsinstitute. Diese hatten in ihrem kürzlich veröffentlichten Frühjahrsgutachten für das laufende Jahr ein Minus von 4,2 Prozent vorausgesagt.

Für die USA, die größte Volkswirtschaft der Welt, erwartet der IWF ein Minus von 5,9 Prozent. Seit Mitte März haben dort rund 17 Millionen Menschen Anträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt, was auf einen dramatischen Konjunktureinbruch schließen lässt.

Für Japan rechnet der Fonds mit einem Rückgang um 5,2 Prozent. Für China wiederum – wo die Corona-Krise inzwischen unter Kontrolle scheint – prognostiziert er ein Wachstum von 1,2 Prozent. In der Volksrepublik, wo Städte und Fabriken rund zwei Monate lang komplett heruntergefahren waren, arbeiten mittlerweile wieder viele Unternehmen. Für die deutsche Wirtschaft ist dies ein kleiner Lichtblick, da China seit 2016 der wichtigste Handelspartner ist.

Der IWF bezeichnet die Corona-Krise in Anlehnung an die Weltwirtschaftskrise der 1920er- und 1930er-Jahre, die Große Depression, als die „Große Ausgangssperre“ (Englisch: The Great Lockdown). Chefvolkswirtin Gopinath betonte, der prognostizierte Wirtschaftseinbruch werde „wesentlich schlimmer sein als die globale Finanzkrise“ von 2008 bis 2009.

Experten: Prognosen sind „extrem unsicher“

Für das kommende Jahr kalkuliert der Fonds mit einer deutlichen Erholung. Die globale Wirtschaft soll dann im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent wachsen, jene der Eurozone um 4,7 Prozent. Für Deutschland prognostiziert der IWF ein Plus von 5,2 Prozent, für die USA von 4,7 Prozent und für China von 9,2 Prozent.

Auch Frankreich, Italien und Spanien legen demnach 2021 zwischen vier und fünf Prozent zu. Das wären gute Nachrichten für die deutsche Wirtschaft, denn mehr als 50 Prozent ihrer Exporte gehen in EU-Länder.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Pandemie im zweiten Halbjahr 2020 weitgehend unter Kontrolle gebracht werden kann und sich auch das Wirtschaftsleben wieder normalisiert, wie der IWF unterstrich. Die Organisation warnte aber, dass die Prognosen mit „ex­tremer Unsicherheit“ behaftet seien. Die wirtschaftlichen Folgen hingen von sehr vielen Faktoren ab, darunter der Dauer und Intensität der Corona-Krise.

Sollte die Pandemie in der zweiten Jahreshälfte nicht zurückgehen, könnte die globale Wirtschaft dieses Jahr sogar um sechs Prozent einbrechen und auch 2021 noch schrumpfen, sagte Gopinath.

Der IWF forderte alle Regierungen auf, die Wirtschaft gezielt zu unterstützen, um die Folgen der Krise zu überwinden. Dazu gehörten Kreditprogramme für betroffene Unternehmen genauso wie zusätzliche Mittel des Staates, um betroffenen Branchen zu helfen. Auch finanzielle Anreize für Verbraucher könnten die Konjunktur wieder auf Trab bringen.

EU-Kommission arbeitet an neuen Finanzierungsinstrumenten

Die EU-Kommission erwägt bereits ein über Anleihen finanziertes Wiederaufbauprogramm für Europa im Umfang von bis zu 1,5 Billionen Euro. „Ich könnte mir einen solchen Finanzrahmen vorstellen, entschieden ist aber noch nichts“, sagte der für Wirtschaft zuständige Vizepräsident Valdis Dombrovskis dem „Handelsblatt“. Die EU-Finanzminister hatten vorige Woche einen Wiederaufbau-Fonds für die Zeit nach der Corona-Krise verabredet, aber Details offen gelassen.

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Man arbeite an neuen Finanzierungsinstrumenten, so Dombrovskis. „Wir könnten den Wiederaufbaufonds mit Anleihen finanzieren, die mit einer Bürgschaft der Mitgliedstaaten unterlegt werden.“ Ob sich solche Anleihen von den umstrittenen Corona-Bonds unterscheiden, beantwortete Dombrovskis nicht. Deutschland, die Niederlande, Österreich und Finnland lehnen Euro-Bonds ab. Italien, Frankreich und Spanien sind strikt dafür.

Die Kommission sei offen für alle Optionen, die der EU-Vertrag erlaube und über die sich die Mitgliedstaaten einig seien. „Für Euro-Bonds gilt dies bekanntlich nicht“, sagte Dombrovskis. Die von der Kommission erwogenen Anleihen hält er für zulässig. Schon in der Schuldenkrise habe die Kommission Anleihen herausgegeben und jetzt wieder beim Kurzarbeiter-Programm „Sure“. Fest steht: Beim Videogipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am 23. April dürfte es wieder heiß hergehen.

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