Wirtschaft

Geschäfte in Hamburg öffnen? Ja, aber mit neuen Regeln!

| Lesedauer: 7 Minuten
Wolfgang Horch, Oliver Schade, Melanie Wassink und Hanna-Lotte Mikuteit
Frank Köster in seinem Friseursalon im Hotel Vier Jahreszeiten, der noch geschlossen ist.

Frank Köster in seinem Friseursalon im Hotel Vier Jahreszeiten, der noch geschlossen ist.

Foto: Marcelo Hernandez

Inhaber kleiner Läden, Restaurants, Optiker und Friseure zeigen im Abendblatt, wie der Shutdown in Hamburg gelockert werden könnte.

Hamburg.  Kaum ein anderes Thema interessiert die Wirtschaft in Hamburg und dem Umland derzeit so sehr wie die Frage nach der möglichen Lockerung von Geschäftsöffnungen in Zeiten von Corona. Das Abendblatt hat nachgefragt, wie in der aktuellen Krise Läden und Restaurants womöglich wieder für ihre Kunden öffnen können, ohne dass Angestellte und Kunden sich in Gefahr begeben. Hier die Ideen:
Der Einzelhandel
Der Einzelhandel setzt darauf, dass die Lockerung des Shutdowns möglichst schnell kommt. „Aus wirtschaftlichen Gründen ist es geboten, aber wir glauben auch, dass es gesundheitlich vertretbar ist“, sagt Brigitte Nolte, Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord in Hamburg. Dabei könnte die Öffnung der Geschäfte nach ähnlichen Regeln laufen, wie sie der Lebensmittelhandel bereits seit Wochen praktiziere. Als Maßnahmen nennt Nolte Frequenzkontrollen am Eingang sowie Abstandsmarkierungen und Plexiglasscheiben vor den Kassen. „Wir halten eine Begrenzung der Kunden von einer Person auf zehn Quadratmeter Verkaufsfläche für angemessen“, so Nolte.

Dabei sollte es keine Unterschiede zwischen kleinen und großen Läden geben. „Die Regeln müssen für alle gleich sein, sonst gibt es sofort eine Gerechtigkeitsdebatte.“ Eine Maskenpflicht, die nur in Geschäften und nicht im gesamten öffentlichen Raum gilt, ist dagegen aus ihrer Sicht nicht sinnvoll. „Das Problem ist, dass nicht ausreichend Masken verfügbar sind.“ Insgesamt rechnen die Handelsexperten in den nächsten Monaten mit deutlich weniger Kunden im stationären Handel als vor der Krise. Vor allem ältere Kunden würden die Ansteckungsgefahr meiden und seltener einkaufen gehen.

Friseure
Friseure haben derzeit geschlossen. Für eine Öffnung seines Friseursalon plant Frank Köster mehrere Maßnahmen, die den Hygieneregeln in Coronazeiten Rechnung tragen: „Die Mitarbeiter werden Masken tragen, bei den Kunden sehe ich dies nicht vor, da die Maske beim Haarschneiden hinderlich ist“, sagt Köster. „Sicherlich wird man aber keinem Kunden verbieten, eine Maske zu tragen“, ergänzt der Inhaber des gleichnamigen Salons im Hotel Vier Jahreszeiten. Handschuhe seien zudem bei Friseurtätigkeiten schon lange Auflage der Berufsgenossenschaften. Beim Haareschneiden sei das aber bisher nicht der Fall, ergänzt Köster, „und wenn der Friseur sich vorher die Hände gründlich wäscht, ist das auch nicht nötig“, findet der Hamburger.

„Zusätzlich werden wir die Kunden bitten, bei Ankunft im Salon als Erstes die Hände zu waschen.“ Das Geschäft, das sich im Souterrain des Hotels an der Binnenalster befindet, sei groß, und „wir werden die Räumlichkeiten so nutzen, dass genügend Abstand zwischen den Kunden herrscht“, sagt der Inhaber. Die Zahlung mit EC-Karte werde er empfehlen, dennoch Bargeld weiter annehmen. Eine besondere Lösung in der Coronakrise strebt André Dumm-Hallwachs an, Friseur in Fuhlsbüttel. Der Inhaber des Salons André D. an der Alsterkrugchaussee hat einen Plexiglasschutz für sein Gesicht bestellt, der die Ansteckungsgefahr verringern soll.

Lars Nicolaisen, Inhaber von drei Salons in Hamburg, will bei einer Wiedereröffnung nur jeden zweiten Platz besetzen, sodass genügend Abstand zwischen den Kunden bleibt. Auf Dienstleistungen wie Wimpern- und Augenbrauenfärben möchte er zunächst verzichten, dafür aber einen Mund- und Nasenschutz für die Kollegen vorschreiben. Weil die Nachfrage der Kunden nach Services wie Haarefärben sehr groß sei, will der Friseurmeister zudem die Öffnungszeiten erweitern und die Mitarbeiter dabei in zwei Gruppen einteilen.

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Optiker
Optiker dürfen als systemrelevante Geschäfte im Gesundheitswesen zwar eigentlich noch öffnen, doch die meisten haben für den normalen Kundenverkehr geschlossen – so auch Marktführer Fielmann. Die Optikerkette hat auf Notfallversorgung umgestellt und zugleich ein Gutachten beim Hygiene-Wissenschaftler Professor Martin Exner von der Uni Bonn in Auftrag gegeben, das als Anleitung für den künftigen Umgang mit Kunden in der gesamten Branche gelten könnte.

Die wichtigsten Regeln: Der Kunde wird beim Betreten des Geschäfts nach Symptomen wie Husten oder Fieber gefragt. Dann wird entschieden, ob er ins Geschäft darf oder nicht. Maximal ein Kunde pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche darf eintreten. Kunden und Optiker müssen Atemschutzmasken tragen. Die Kunden haben sich vor dem Betreten des Geschäfts die Hände zu desinfizieren. Optiker müssen Schutzbrille und Einweghandschuhe tragen, die nach jedem neuen Kunden gewechselt werden müssen. Tische, Untersuchungsgeräte und Probebrillen werden zudem regelmäßig desinfiziert.

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Die Gastronomie

Beim Hamburger Hotel- und Gaststättenverband Dehoga ist man gespannt, was die Politik in den kommenden Tagen konkret beschließen wird. „Wir würden ein langsames Hochfahren der Wirtschaft und der Gastronomie sehr begrüßen“, sagte der Hamburger Dehoga-Präsident Franz J. Klein. Die Branche hoffe aus Wettbewerbsgründen auf eine bundesweit einheitliche Regelung, um zum Beispiel an Landesgrenzen keine lokal unterschiedlichen Bedingungen für Gastronomen zu schaffen.

Ein sofortiges Lockern des Shutdown solle es nicht geben, so Klein: „Wir brauchen eine Vorlaufzeit von drei bis vier Tagen, um einzukaufen und das Personal aus der Kurzarbeit zurückzuholen.“ Die überwiegende Zahl der Betriebe habe die Beschäftigten in Kurzarbeit geschickt, Entlassungen habe es nur hier und da gegeben. In der Krise seien nur einige wenige Gastronomen auf den Außer-Haus-Verkauf umgestiegen. „Das ist nur eine Notlösung“, sagt Klein. Die Umsätze seien deutlich geringer, und es müsse dennoch ein erheblicher Aufwand getrieben werden. Die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen einzuhalten sei kein Problem. Nur mit Mundschutz im Restaurant sitzen zu dürfen würde aus Kleins Sicht keinen Sinn ergeben – schließlich wollten die Gäste ja essen und trinken.

Stephan von Bülow, Geschäftsführer der Hamburger Block-Gruppe (Block House, Grand Elysée), hatte vor Kurzem im großen Abendblatt-Interview skizziert, wie er sich die Öffnung der Restaurants vorstellt. „Wir werden … einen Tischabstand von mindestens 1,5 Metern garantieren und immer nur zwei Gäste an einem Tisch platzieren, Ausnahmen sind Familien“, sagte von Bülow. „Und wir Gastronomen brauchen Öffnungszeiten bis 22 Uhr, damit wir das umsatzstarke Abendgeschäft mitnehmen können.“ Zudem sei es wichtig, dass bei frühlingshaften Temperaturen die Terrassen geöffnet werden dürfen.

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