Coronakrise

Kommt nun die große Inflation? Das sagt der HWWI-Direktor

| Lesedauer: 3 Minuten
Oliver Schade
Der Direktor des Hamburger Wirtschaftsforschungsinstituts HWWI, Henning Vöpel.

Der Direktor des Hamburger Wirtschaftsforschungsinstituts HWWI, Henning Vöpel.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Bricht die Nachfrage ein, oder sorgen milliardenschwere Hilfsprogramme für steigende Preise? Henning Vöpel gibt eine Einschätzung.

Hamburg. Was folgt nach der Coronakrise – Deflation oder Inflation? Wird die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen einbrechen, zu sinkenden bzw. stagnierenden Preisen in Kombination mit einem längerfristigen Abschwung führen? Oder bedeuten die milliardenschweren staatlichen Hilfsprogramme zusammen mit möglichen Nachholeffekten der Konsumenten später kräftig steigende Preise?

Die meisten Ökonomen halten sich mit konkreten Antworten zurück, denn schließlich weiß derzeit niemand, wie lange der weitgehende Shutdown hierzulande noch beibehalten und die Wirtschaft lähmen wird. Allerdings ist die Furcht bei den Bundesbürgern vor Deflation bzw. Inflation vorhanden, wie man vor allem in Internetforen nachlesen kann.

Coronakrise und Wirtschaft: Kredite müssen zurückgezahlt werden

Henning Vöpel, Direktor des renommierten Hamburger Wirtschaftsforschungsinstituts HWWI, wagt sich aus der Deckung. Er versucht Ängste zu nehmen, geht aktuell von keinem der beiden Extremszenarien aus, die im Internet kursieren. Wegen der hohen Summe an Staatsgeldern, die in den Geldkreislauf gepumpt werden, müssten nach der Theorie der Monetaristen die Inflationsraten nach der Krise eigentlich deutlich anziehen.

„Aber dieses Szenario ist schon nach der Finanzkrise nicht eingetreten – und ich sehe es auch jetzt nicht“, sagt Vöpel. Er erwarte, dass es hierzulande keine Preissteigerungen geben werde, die deutlich über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent liegen. Letztlich müssten die nun gewährten Kredite des Staates ja auch zurückgezahlt werden, dies entziehe dem Geldkreislauf Liquidität und dämpfe Nachfrage und Inflationsdruck.

Auf der Angebotsseite könnte laut Vöpel zudem ein Produktionsstillstand von zwei, drei Monaten schnell aufgeholt werden. „Die Fabriken und Maschinen sind ja noch intakt, sie müssen nur wieder hochgefahren werden.“ Die Nachfrage dürfte nach dem Shutdown zeitweise ein wenig zurückhaltend sein, gerade bei Menschen, die in Kurzarbeit waren. „Aber Angebot und Nachfrage werden sich annähern und die Preise weder extrem steigen noch fallen.“

Die Hamburger Corona-Soforthilfe (HCS) für Unternehmer:

  • Solo-Selbständige: 2500 € (Hamburg), 9000 € (Bund), 11.500 € (Gesamt)
  • 1–5 Mitarbeiter: 5000 € (HH), 9000 € (Bund), 14.000 € (Gesamt)
  • 6–10 Mitarbeiter: 5000 € (HH),15.000 € (Bund), 20.000 € (Gesamt)
  • 11–50 Mitarbeiter: 25.000 € (HH), keine Beteiligung vom Bund
  • 51–250 Mitarbeiter: 30.000 € (HH), keine Beteiligung vom Bund

Fallen Immobilienkredite nach der Krise aus?

Dass Autohändler oder andere Unternehmen, die aktuell Geschäftseinbrüche verzeichnen, nach der Krise mit deutlichen Preisaufschlägen versuchen werden, die Umsätze zu steigern, glaubt Vöpel nicht. „Der Wettbewerb in den meisten Branchen ist zu stark, als dass sich solche Preiserhöhungen bei den Kunden durchsetzen ließen“, so der HWWI-Chef.

Auch auf dem Immobilienmarkt erwartet er mit Blick auf die Preise kaum Veränderungen zur Vorkrisenzeit. Die einzige Unbekannte aus seiner Sicht: Werden Immobilienkäufer ihre Kredite weiter bezahlen können? Dies hänge von der Länge der Krise ab und wie sie auf den Arbeitsmarkt durchschlage.

Sollten Immobilienkredite im größeren Stil nicht bedient werden, dürften Banken in Schwierigkeiten geraten und gezwungen sein, ihre Zinsen anzuheben. Das könnte für den Vorkrisenhype am Immobilienmarkt das jähe Ende bedeuten.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft