Coronakrise

Lufthansa Technik schickt gut 8000 Hamburger in Kurzarbeit

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Wolfgang Horch
Lufthansa-Technik-Chef Johannes Bußmann steht auf dem Hamburger Werksgelände vor einem Triebwerk des A320. Gut 8000 Hamburger müssen Kurzarbeit machen

Lufthansa-Technik-Chef Johannes Bußmann steht auf dem Hamburger Werksgelände vor einem Triebwerk des A320. Gut 8000 Hamburger müssen Kurzarbeit machen

Foto: Andreas Laible

Lohn wird auf 90 Prozent aufgestockt. Aufträge brechen massiv ein. Auch der Vorstand verzichtet auf Geld.

Hamburg.  Es hatte sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet, nun ist die Entscheidung gefallen. Lufthansa Technik schickt rund 12.000 Mitarbeiter in Deutschland in Kurzarbeit. Das sagte Unternehmenssprecher Jens Krüger dem Abendblatt. In Hamburg werde es wohl mehr als 8000 der 8800 Festangestellten treffen.

Das Kurzarbeitergeld wird von der Agentur für Arbeit angewiesen. Sie bezahlt Beschäftigten 60 Prozent des pauschalisierten Nettoentgeltes. Lebt mindestens ein Kind mit im Haushalt sind es 67 Prozent. Bei Lufthansa Technik werden die Mitarbeiter mehr Geld bekommen. „Wir stocken für alle Mitarbeiter auf 90 Prozent auf“, sagte Krüger.

Die Vereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern gelte für alle deutschen Standorte und Gesellschaften mit Ausnahme von Lufthansa Technik Aero Alzey und Lufthansa Bombardier Aviation Services (LBAS). Die Laufzeit ist zunächst bis 31. August geplant.

Unternehmen meldet massiven Auftragseinbruch

Die Höhe der noch nachgefragten Arbeitsleistung schwanke zwischen 25 und 100 Prozent. Fast alle Bereiche sollen von der Kurzarbeit betroffen sein. Gut laufe derzeit lediglich der VIP-Bereich, in dem Flugzeuge für Schwerreiche oder Staatsoberhäupter – wie zum Beispiel der Kanzlerjet A350 – (um)gebaut werden. Geklärt werde noch, ob die Kurzarbeit für April oder erst ab Mai angemeldet werde, hieß es.

Schon bei der Bilanzvorlage Mitte März hatte das Unternehmen mit Sitz am Hamburger Flughafen trotz Rekorden bei Umsatz und operativem Gewinn bekannt gegeben, wegen der Coronakrise umfangreiche Maßnahmen vorzubereiten. Dazu zählten ein weitgehender Ausgabenstopp, der Verzicht auf Neueinstellungen und das Vorbereiten von Kurzarbeit. Bereits damals war absehbar, dass es bei dem Weltmarktführer für Reparatur, Wartung und Überholung von Flugzeugen zu deutlichen Auftragseinbrüchen komme.

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Ähnliche Regelung wird für internationale Standorte angestrebt

Am Dienstag waren die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern zum Thema Kurzarbeit abgeschlossen, so dass die Belegschaft am Vormittag über das Intranet über die Kurzarbeit informiert wurde. Fast alle Beschäftigten sind davon betroffen. Zwar zählte Lufthansa Technik Ende 2019 noch fast 17.000 Mitarbeiter in Deutschland, aber rund 3000 von ihnen sind im Januar zur Konzernmutter Lufthansa gewechselt. Sie sind dort für die Line Maintenance zuständig, also die kurzfristige Wiederbereitstellung von angekommenen Fliegern inklusiver kleiner Reparaturen.

Von etwa 900 Leiharbeitern hatte sich das Unternehmen Ende März getrennt. Insgesamt kommt Lufthansa Technik damit noch auf etwa 13.000 Beschäftigte in Deutschland, für 12.000 von ihnen soll nun Kurzarbeit beantragt werden. Ähnliche Regelungen sollen – wenn möglich – auch für die mehr als 30 internationalen Tochter- und Beteiligungsgesellschaften getroffen werden.

Vorstandsvergütung sinkt um 15 Prozent

Übrigens verzichtet auch der Vorstand (sowie weitere leitende Angestellte) auf Geld. Ab April werde zunächst für ein halbes Jahr die feste Vergütung auf 85 Prozent reduziert. Die Topmanager erhalten erfahrungsgemäß einen Großteil ihrer Bezüge als flexible Vergütung. Dieser Teil dürfte aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage 2020 wohl sehr schmal oder ganz ausfallen.

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