Hamburg

Fielmann rüstet sich für die Zeit nach Corona

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Eckart Gienke und Hanna-Lotte Mikuteit
Marc Fielmann auf einer Hauptversammlung des Unternehmens. Wie umgehen mit der Corona-Krise?

Marc Fielmann auf einer Hauptversammlung des Unternehmens. Wie umgehen mit der Corona-Krise?

Foto: Andreas Laible

Hygiene-Gutachten: Wie kann der Handel bald wieder arbeiten? Fielmann beauftragt Experten und zieht wirtschaftliche Konsequenzen.

Hamburg. Die Optikerkette Fielmann rechnet damit, nach der akuten Phase der Coronapandemie nicht sofort wieder in den Normalzustand zurückkehren zu können. Falls die Filialen in einer Art Notbetrieb wieder geöffnet werden dürften, will Fielmann vorbereitet sein. Das Unternehmen habe bei dem Hygiene-Wissenschaftler Professor Martin Exner von der Uni Bonn ein Gutachten in Auftrag gegeben, wie künftig im Einzelhandel eine effektivere Vorbeugung gegen Infektionen zu sichern sei, sagte Vorstandschef Marc Fielmann.

Exner habe sich für das Gutachten die Beratung und Prozesse in Fielmann-Filialen angesehen. Er werde die hygienischen Risiken und Infektionsgefahren sowie mögliche Vorsorgemaßnahmen in Filialen analysieren. Die Ergebnisse des Gutachtens sollen Anfang der Woche veröffentlicht werden und so auch anderen Einzelhändlern zur Verfügung stehen.

Fielmann erwartet starke Nachfrage bei Filial-Öffnung

Wirtschaftlich blickt Marc Fielmann derweil zuversichtlich nach vorne. „Kurzfristig fällt eine seriöse Prognose schwer; das hängt von politischen Entscheidungen und dem Verhalten eines jeden Einzelnen ab“, sagte er. „Langfristig erwarten wir bei dem Verkauf von Brillen eine erhebliche Nachfrage, wenn die Niederlassungen wieder öffnen. Bei der Brille gilt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ An normalen Werktagen verkauft Fielmann in Deutschland mehr als 30.000 Brillen.

Doch die rund 770 Filialen der größten deutschen Optiker­kette im In- und Ausland sind seit dem 20. März weitgehend geschlossen. Es wird noch ein Notdienst aufrechterhalten für systemkritische Berufe und Notfälle. Für die meisten der mehr als 20.000 Mitarbeiter ist Kurzarbeit beantragt. Fielmann hat zugesichert, das Kurzarbeitergeld für die Betroffenen auf 100 Prozent aufzustocken.

Medizinische Schutzbrillen in Rathenow gefertigt

Im brandenburgischen Rathenow hat das Unternehmen mit der Fertigung von medizinischen Schutzbrillen begonnen. „Wir können im April 50.000 Stück herstellen und im Mai bei Bedarf noch mehr“, sagte Marc Fielmann, der nach dem vollständigen Rückzug seines Vaters Günther Fielmann seit einigen Monaten allein an der Spitze des Unternehmens steht. Speziell für Schutzbrillen in der individuellen Sehstärke sehe er auch in Zukunft einen Markt. Die ersten 20.000 Schutzbrillen würden an medizinische Einrichtungen gespendet. Seine Ladenmieten will Fielmann im April vollständig inklusive Nebenkosten bezahlen, soweit es sich bei den Vermietern in den Innenstadtlagen um Einzelpersonen oder kleinere Unternehmen handelt.

In Einkaufspassagen oder Shoppingmalls, wo auf der Vermieterseite oft finanzstarke Investoren wie Immobilienfonds oder Versicherungen stehen, werde Fielmann das Gespräch suchen, um so die Last auf zwei starke Schultern zu verteilen.

Fielmann AG mit hohem Eigenkapital ausgestattet

Die Fielmann AG ist praktisch schuldenfrei und mit einem hohen Eigenkapital ausgestattet. „Wir könnten die Situation mehrere Monate durchstehen“, sagte Marc Fielmann. Dennoch müsse das Unternehmen mit einem geschlossenen Filialnetz vorübergehend mit einem erheblichen Rückgang bei Absatz, Umsatz und Gewinn rechnen. Dementsprechend würden nicht notwendige Ausgaben gestrichen, Investitionen verschoben und das Geld zusammengehalten, um die Liquidität abzusichern.

Auch die bereits in Aussicht gestellte Dividende für das Geschäftsjahr 2019 wurde gestrichen. Das trifft vor allem die Mitglieder der Familie Fielmann selbst, die über die Aktienmehrheit verfügen. Auf sie entfallen 71,64 Prozent der Unternehmensanteile. Die geplante Ausschüttungssumme für die Familie hätte etwa 117 Millionen Euro betragen. Seit 2005 hatte Fielmann die Dividendenzahlung jeweils um fünf Cent pro Jahr erhöht.

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