Coronakrise

Block-House-Chef: „Das ist eine Enteignung“

| Lesedauer: 9 Minuten
Hanna-Lotte Mikuteit und Oliver Schade
Stephan von Bülow (Archivfoto) in der schwierigsten Phase seiner Zeit als Manager. Er befürchtet ein großes Gastronomiesterben.

Stephan von Bülow (Archivfoto) in der schwierigsten Phase seiner Zeit als Manager. Er befürchtet ein großes Gastronomiesterben.

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Stephan von Bülow warnt vor den Folgen des Shutdowns. Er fordert zügig Maßnahmen, damit die Wirtschaft wieder ins Laufen kommt.

Hamburg. Auch bei der Block Gruppe (Block House, Grand Elysée) herrscht in Coronazeiten Ausnahmezustand. Geschäftsführer Stephan von Bülow schlägt im Abendblatt Alarm, fordert von der Politik zügig Maßnahmen, damit die Wirtschaft wieder ins Laufen kommt. Und wenn das nicht passiert? Von Bülows Prognosen sind düster.

Hamburger Abendblatt: Herr von Bülow, wo erreichen wir Sie?

Stephan von Bülow: Im Büro in der Zentrale in Hummelsbüttel. Ich sitze hier aber so ziemlich allein.

Tragen Sie weiterhin Anzug und Krawatte, oder lassen Sie es legerer zugehen?

Von Bülow: Mehr casual, Hemd und Pullover.

Alle Block-House-Restaurants geschlossen, das Hotel Grand Elysée dicht? Wie hart trifft der Shutdown die Block Gruppe?

Von Bülow: Wir leben vom Block-House-Geschäft, das Fundament der Unternehmensgruppe, und das ist auf Eis gelegt. Der Umsatzeinbruch liegt bei fast 100 Prozent. Im Hotel haben wir keinen Umsatz. Klar ist schon jetzt: Wir werden in diesem Jahr keinen Gewinn erwirtschaften, sondern erhebliche Verluste machen. Und die entgangenen Gewinne bekommen wir nicht ersetzt. Das ist weg. Das Gleiche gilt für das Eigenkapital, das bereits teilweise vernichtet wurde und mit jedem Tag des Shutdowns weiter vernichtet wird. Das ist auch weg. Das ist eine Enteignung, die ich hier gerade erlebe. Das, was man hatte, wird weniger, und die Unterstützung, die öffentlich versprochen worden ist, bekommt man schlichtweg nicht.

Lesen Sie hier den Newsblog von Dienstag zur Coronakrise in Hamburg

Was erwarten Sie von der Politik?

Von Bülow: Mein Appell an die Politik lautet: Greift auch mittelständischen und großen Unternehmen unter die Arme! Das, was wir im Moment an Liquiditätshilfen bekommen, sind selbst organisierte Kredite, für die wir Zinsen zahlen. Die einzigen staatlichen Unterstützungen, die wir erhalten, sind Kurzarbeitergeld und die Erstattung des Arbeitgeberanteils der Sozialbeiträge für die Mitarbeiter. Aber diese Hilfen bekommen wir auch nicht jetzt sofort, sondern wir müssen uns noch Wochen gedulden und eigenständig vorfinanzieren. Im Übrigen haben wir dafür jahrzehntelang eingezahlt.

Sind Sie enttäuscht von den Staatshilfen?

Von Bülow: Es ist jedenfalls nicht so, wie ich anfangs annahm, als ich Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier in den Talkshows zugehört habe, dass ein Förderfonds aufgebaut wird, aus dem Unternehmen bedient werden. Es ist vielmehr so, dass wir Unternehmer aus eigener Kraft Liquidität sichern und finanzielle Mittel besorgen müssen. Den Mittelständlern kommen keine staatlichen Hilfen zu. Im Gegenteil: Uns wird untersagt, unser Geschäft auszuüben, und wie wir mit den Verlusten klarkommen, müssen wir selbst organisieren. So sieht die Realität für fast alle größeren deutschen Unternehmen aus.

Wie lange kann die Block Gruppe das durchhalten?

Von Bülow: Ich kann es nicht genau sagen. Zurzeit gehe ich davon aus, dass der Shutdown bis Ostern andauert, und ich hoffe, dass wir danach wieder hochfahren können. Dann ist der Schaden schon immens. Sollte die Situation noch länger andauern, werden wir noch ein paar Monate überleben können. Aber das wird eine ganz, ganz schwierige Situation. Und nicht nur für uns.

Und Hamburgs Wirtschaft – wie lange kann sie das durchhalten?

Von Bülow: Ich denke, maximal bis Ostern. Die wirtschaftlichen Schäden sind brutal. Ich sehe das bei vielen Kollegen aus unserer Branche, die jetzt schon null Komma null Geld übrig haben. Es gibt viele kleine Gastronomen, die bei mir um Hilfestellung und Rat fragen. Viele berichten, sollte es im Mai nicht wieder losgehen, dass sie dann nicht mehr da sein werden. Dann ist deren Betrieb tot.

Was sind Ihre wichtigsten Themen?

Von Bülow: Das hat sich seit Beginn der Krise in vier Stufen entwickelt. Am Anfang waren es die Sorgen der Mitarbeiter, denen wir erklärt haben, wie es mit Gehaltszahlungen und der Aufstockung des Kurzarbeitergelds läuft. Dann haben wir ein Worst-Case-Szenario entworfen und sind zu den Banken gegangen, um die Liquidität des Unternehmens abzusichern. Als Drittes haben wir uns intensiv damit beschäftigt, wo und wie wir noch Umsätze generieren können, so wie zum Beispiel im Lebensmitteleinzelhandel. Punkt vier ist jetzt, mit der Politik zu sprechen.

Coronavirus – die Fotos zur Krise: