Modekette

Coronakrise: Bei Tom Tailor wird das Geld knapp

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Wolfgang Horch
Schaufensterpuppen stehen im Showroom des Hamburger Modelabels Tom Tailor.

Schaufensterpuppen stehen im Showroom des Hamburger Modelabels Tom Tailor.

Foto: Andreas Laible

Hamburger Modekette warnt vor erheblichen Finanzierungsrisiken durch die Coronakrise. Kurzarbeit beantragt, Aktienkurs sinkt.

Hamburg. Die Modebranche liefert derzeit viele schlechte Nachrichten. Täglich würden wegen der Coronakrise mehr als zehn Millionen Modeartikel nicht verkauft, heißt es von Handelsverbänden. Die Umsätze seien bei vielen Textilfirmen durch die verordneten Geschäftsschließungen um 80 Prozent oder ganz weggebrochen.

Topmanager von 25 Konzernen erwarten aufs Jahr gesehen Rückgänge beim Umsatz von 20 bis 25 Prozent, ergab eine Umfrage der Boston Consulting Crew. Die Kette Esprit beantragte für mehrere deutsche Tochtergesellschaften ein Schutzschirmverfahren – und nun berichtet das Hamburger Label Tom Tailor von massiven Problemen.

Keine Prognose für 2020

Das Niendorfer Unternehmen räumt nun „erhebliche Finanzierungsrisiken“ ein. Der Vorstand sehe in der „kurz- und mittelfristigen Liquiditätsplanung derzeit deutliche Planungsrisiken“, teilte Tom Tailor mit. Diese würden sowohl das Risiko der Nichteinhaltung von Kreditkennzahlen als auch das Risiko von Liquiditätsengpässen beinhalten. „Durch die Coronapandemie haben sich die Marktbedingungen in den letzten Wochen in allen unseren Märkten dramatisch verschlechtert“, sagte Finanzvorstand Christian Werner.

Die eigenen Filialen seien in den meisten europäischen Ländern geschlossen. Im Geschäft mit den Großkunden hake es. Der Onlinehandel laufe zwar weiter, könne aber die Umsatzeinbußen aus den anderen beiden Segmenten nicht ausgleichen. Fürs erste Quartal sei ein erheblicher Umsatz- und Ertragsrückgang zu verzeichnen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Tom-Tailor-Gruppe seien derzeit nicht quantifizierbar. Daher gebe es auch keine Prognose für das Geschäftsjahr 2020.

Im Geschäftsjahr 2019 geht der Umsatz zurück

Im Vorjahr sei der Umsatz nach vorläufigen Zahlen im Vergleich zu 2018 um 4,8 Prozent auf 803,1 Millionen Euro zurückgegangen. Das habe vor allem an der Tochter Bonita gelegen. Die Modemarke für Damen ab 50 schwächelt seit Langem. Die Erlöse gehen zurück, 33 Filialen wurden allein 2019 geschlossen. Bonita soll verkauft werden, ein ausgehandelter Deal scheiterte aber am Veto der Banken.

Die Hauptmarke Tom Tailor konnte den Umsatz leicht steigern. Der Vorsteuergewinn (Konzern-Ebitda) stieg von 25,7 Millionen auf 98,5 Millionen Euro. Allerdings wurde die Fast-Vervierfachung vor allem durch die Anwendung des neuen Rechnungsstandards IFRS 16 erreicht. „Das Geschäftsjahr 2019 lag im Rahmen unserer Erwartungen“, so Vorstandschef Gernot Lenz. Unterm Strich fiel pro Aktie allerdings ein Verlust von 1,29 Euro an – und jetzt kommt noch die Coronakrise hinzu.

Es sind „betriebliche Kostenmaßnahmen“ sind geplant

Man setze nun Gegenmaßnahmen um, damit der wirtschaftliche Schaden durch die Pandemie begrenzt werde, sagte Werner. Man wolle auf staatliche Finanzierungsprogramme zurückgreifen und Instrumente wie Kurzarbeit, die für die eigenen Filialen bereits beantragt wurde, und die Stundung von Steuerzahlungen nutzen.

Der Vorstand habe zudem umfangreiche betriebliche Kostenmaßnahmen in die Wege geleitet. Aber was heißt das konkret? Eine entsprechende Abendblatt-Anfrage blieb ebenso unbeantwortet wie weitere Nachfragen zu Liquidität, Kurzarbeit und Co. Aufgrund der aktuellen Herausforderungen durch die Coronakrise würden derzeit keine Presseanfragen beantwortet, teilte eine Sprecherin mit.

Aktie verliert deutlich an Wert

An der Börse gehörten die Papiere zu den Verlierern. Die Aktie verlor bis zum Nachmittag zehn Prozent auf 91 Cent. Anfang 2018 notierte sie noch bei fast zwölf Euro.

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