Hamburg

Corona-Krise: Ikea und Otto bauen keine Möbel mehr auf

Selbst ist die Frau: Wer sein Bett oder seine Schrankwand bekommt, muss sie ohne Hilfe aufbauen.

Selbst ist die Frau: Wer sein Bett oder seine Schrankwand bekommt, muss sie ohne Hilfe aufbauen.

Foto: imago stock / imago stock&people

Hamburger Kunden müssen sich vor allem bei Lieferungen von Einrichtungsgegenständen und großen Elektronikartikeln umstellen.

Hamburg. „Bis auf Weiteres liefern wir bis an deine Wohnungstür“ – wer in diesen Tagen über otto.de einen Kühlschrank, ein Sofa oder ein Fernsehgerät mit großem Monitor bestellt, muss bei der Lieferung mit Einschränkungen rechnen.

„Wir haben seit dieser Woche unsere Serviceleistungen angepasst“, sagt Martin Wieland, Bereichsleiter Marketing und Strategie beim Hermes Einrichtungs Service, der Großgeräte und Möbel unter anderem für Otto ausliefert. Wichtigste Änderung: Die Speditionsteams bringen die Waren nur noch kontaktlos bis zur Wohnungstür. Bei Einfamilienhäusern bis vor die Hauseingangstür. Danach müssen die Kunden selbst sehen, wie sie ihre Bestellungen an den vorgesehenen Platz bekommen.

Corona-Krise bei Otto: Mitarbeiter betreten keine Wohnung

Auch der übliche Installations- und Montageservice ist wegen der Ansteckungsgefahr komplett gestrichen. „Unsere Mitarbeiter dürfen die Wohnungen nicht betreten“, so Wieland. Wenn Kosten entstanden sind, werden diese zurückerstattet. Um die Entfernung und Entsorgung von Verpackungen müssen sich die Kunden jetzt auch selbst kümmern. Altgeräte werden nur abtransportiert, wenn das vorher angemeldet wurde und diese vor der Tür stehen. Das gilt auch für Retouren.

Der Hermes-Einrichtungsservice, der mit insgesamt 52 Standorten und 2500 Auslieferungsfahrern bundesweit als Spedition für mehrere große Händler unterwegs ist, verzeichnet laut Wieland derzeit „etwas steigende Sendungsmengen“. Offenbar bestellen Kunden Großgeräte und Möbel, die sie sonst im Geschäft gekauft hätten, jetzt im Internet. Bislang seien die Transporte aber noch gut zu schaffen. „Das liegt auch daran, dass wir spürbar weniger Zeit für Serviceleistungen brauchen.“

Auch Ikea liefert nur noch bis zur Wohnungstür

Wie Otto haben andere große Möbelhändler wie etwa Ikea ihre Lieferbedingungen angepasst. Das schwedische Einrichtungshaus bringt Billy und Co. ebenfalls nur noch bis zur Haus- oder Wohnungstür – und aufbauen muss der Kunde seine Schrankwand oder Küche dann eben notfalls selbst.

Allerdings zeigen sich die Händler bei Großgeräten und Möbeln flexibel beim Auslieferungstermin und ermöglichen darüber hinaus Stornierungen. Nicht wenige Händler offerieren zudem einen Abholservice. Kunden können online bestellte Waren unter anderem in eine Ikea-Filiale ihrer Wahl liefern lassen und dort abholen.

In Hamburg haben vier Saturn-Märkte Abholstationen

Damit will das Unternehmen darauf reagieren, dass Möbel etwa im Zuge eines Umzugs ohne lange Wartezeiten benötigt werden. Auch die Elektronikhändler MediaMarkt und Saturn haben an ihren Häusern Abholstationen eingerichtet. In Hamburg verfügen nach Angaben einer Sprecherin vier von fünf Saturn-Märkten über diese Möglichkeit (außer die Filiale Marktplatz Galerie in Bramfeld). Die Ware direkt abholen, kann man auch an neun der zehn Media-Märkte in der Region Hamburg (außer in Billstedt).

Verbraucherschützer raten in der aktuellen Situation, sich beim Kauf von Elektrogroßgeräten und serviceintensiven Produkten vorher auf den Internetseiten zu informieren. Wer defekte Ware zur Reparatur bei den Handelsketten abgegeben hat, bekommt diese im Regelfall nicht zurück. Alle Geräte müssen zunächst in den Werkstätten bleiben. Auch dies liegt an den Virusvorkehrungen.

Medizinprodukte haben bei Amazon jetzt Vorrang

Nicht nur beim Versand von Großgeräten haben die Unternehmen ihre Lieferkonditionen geändert. So haben bei Amazon seit vergangener Woche Medizinartikel und Produkte des täglichen Bedarfs, wie etwas Babynahrung, Vorrang bei den Bestellungen. Das könne bisweilen zu längeren Lieferzeiten bei anderen Produkten führen, so das Unternehmen.

Dies gelte auch für Kunden von Amazon Prime. Auf der Internetseite bittet Amazon die Kunden zudem, den Versand für nicht dringend benötigte Waren zu bündeln, damit die Fahrer nicht mehrfach zur selben Adresse kommen müssen. In Frankreich und Italien nimmt der Internetkonzern bereits keine Bestellungen mehr für Artikel an, die nicht für das tägliche Leben wichtig sind.

Auch Modehändler wie About You haben reagiert

Auch Modehändler wie About You, H&M oder Zara haben auf die Situation reagiert. Unter anderem wurde das Rückgaberecht erweitert, und Liefergebühren entfallen. Allerdings sei es aufgrund der teilweise sehr hohen Nachfrage und zusätzlichen Grenzkontrollen möglich, dass Sendungen länger benötigten als in normalen Zeiten. Zalando gibt tagesaktuell auf der Homepage die aktuellen Lieferzeiträume an. Derzeit verspricht der Berliner Händler: „Zwei bis vier Werktage wie gewohnt.“

Auch Deutschlands größter Onlinehändler Otto beruhigt die Kunden. Es gebe keine Lieferengpässe, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Alle Waren sind verfügbar und bestellbar. Auch bei dem Hamburger Versandhändler werden derzeit mehr Waren des täglichen Bedarfs und Sportartikel geordert.

Coronavirus: Interaktive Karte

Die Nachfrage nach Fernsehern legte zudem um 50 Prozent zu, bei Gesellschaftsspielen seien es 199 Prozent, bei Wandfarbe 240 Prozent. Stark gefragt sind außerdem Webcams, Fieberthermometer, Notebooks, aber auch Brotbackautomaten und Haarschneidemaschinen. Bestellungen von Kleidung oder Saisonartikeln wie Bademoden gehen dagegen zurück.

Onlinehandel: Ein Profiteur der Corona-Krise?

Nach einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft könnten Onlinehändler zu den Profiteuren der Coronakrise gehören. Bislang hatte der Handelsverband Deutschland für das Jahr 2020 einem Gesamtumsatz im Einzelhandel von etwa 557 Milliarden Euro prognostiziert.

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Der Onlinehandel sollte mit einem Anteil von elf Prozent mit 63 Milliarden Euro dazu beitragen. Das könnte sich aus Sicht der Forscher ändern. „Die wachsende Bedeutung des Onlinehandels im Bereich der Verbrauchsgüter dürfte die Krise überdauern“, heißt es in der Studie.