Ausnahmezustand

Pizza- und Sushi-Lieferdienste sind in Hamburg stark gefragt

Seine Beschäftigten hätten viel zu tun, sagt Geschäftsführer von Dominos’s Pizza, Stoffel Thijs.

Seine Beschäftigten hätten viel zu tun, sagt Geschäftsführer von Dominos’s Pizza, Stoffel Thijs.

Foto: Mark Sandten

Hamburger lassen sich nun vor allem abends das Essen nach Hause bringen. Landwirte planen Grundversorgungskiste für die Hansestadt.

Hamburg.  In vielen Familien herrscht trotz des weitgehenden Stillstands im öffentlichen Leben auch in diesen Tagen große Zeitnot. Lernen mit den Kindern, Homeoffice mit Telefonkonferenzen bis spätabends, da bleibt kaum Muße zum Kochen. Und auch, um sich den täglichen Einkauf mit der Ansteckungsgefahr zu sparen, bestellen jetzt viele Hamburger bei Lieferservices.

Schließlich gehören Pizza- oder Sushi-Lieferungen trotz der Coronakrise weiterhin zum Service, den Firmen noch anbieten dürfen. Vor knapp einer Woche hatte Hamburg die Einschränkungen im öffentlichen Leben während der Pandemie noch einmal verschärft. Alle Restaurants mussten geschlossen werden. Allerdings seien Lieferdienste und der Verkauf von Essen außer Haus noch erlaubt, hatte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) mitgeteilt. Schließlich sind weiterhin Dienstleistungen möglich, die zur Versorgung der Menschen dienen, zumal einige Betroffene wegen der Quarantäne ohnehin auf nach Hause gebrachte Lebensmittel angewiesen sind.

Lieferfimen in Hamburg werden in Corona-Krise mit Bestellungen überhäuft

Zuvor hatten Restaurants und Gaststätten noch zwischen 6 und 18 Uhr öffnen dürfen. Auch dieser Ausfall wird jetzt teilweise durch die Lieferfirmen kompensiert. „Wir sind in den letzten Tagen immer wieder mit Bestellungen überrannt worden“, sagt Jessica Blumenau von Sushi For Friends. Der Hamburger Lieferservice, der Boxen mit Rolls und Bowls nach Hause bringt, weitet daher jetzt sogar seine Belegschaft aus. „Wir haben unsere Teams aufgestockt“, sagte die Inhaberin dem Abendblatt.

Auch beim Pizza-Spezialisten Domino’s mit 40 Läden in Hamburg wird die Belegschaft ausgebaut. Besonders abends gehen hier derzeit viele Bestellungen ein. „Wir weisen die Kunden wegen der starken Nachfrage am Abend auf Wartezeiten von etwa einer Stunde hin“, sagt ein Mitarbeiter des Lieferservices am Winterhuder Weg. Diese Geduldsprobe müssen sowohl Hamburger auf sich nehmen, die liefern lassen, als auch Selbstabholer, die persönlich bei der Filiale mit ihren riesigen Pizza-Plakaten am Schaufenster erscheinen.

Besonderes Prozedere beim Abholen

Beim Abholen der Kartons gilt derzeit ein besonderes Prozedere: Da die Verkaufsräume der Pizzeria für Kunden geschlossen sind, bleibt der Gast draußen mit Sicherheitsabstand vor dem Laden. Dann kommt ein Pizzabäcker aus dem Lokal und legt den Karton draußen auf einen Tisch. Die Bezahlung ist nur mit EC-Karte oder online möglich, wie bei den meisten anderen Firmen auch.

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Sushi For Friends hat wegen der gestiegenen Beliebtheit seines Bringdienstes auch die Lieferzeiten erweitert. „Eigentlich hatten wir immer mittags zu, aufgrund der hohen Nachfrage öffnen wir jetzt aber von diesem Donnerstag an auch jeden Tag mittags ab 13 Uhr“, ergänzt die Inhaberin. Abends ginge der Betrieb dann täglich bis 22 Uhr weiter.

Hamsterkäufe bei Hygieneprodukten

Auf die derzeit üblichen Hamsterkäufe bei Hygieneprodukten reagiert die Hamburger Firma derweil mit Humor. Wer bei der Bestellung das Stichwort „Hamstern“ eingibt, bekommt zu seiner Sushi-Rolle eine Rolle Klopapier gratis dazu. „Selbstverständlich solange der Vorrat reicht“, sagt Jessica Blumenau.

Bürgermeister Tschentscher zur Lockerung der Quarantäne

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Auch Yoko Sushi, die Maki oder Sashimi nach Hause liefern, spüren einen großen Bedarf bei den Haushalten in der Hansestadt. Zwar gehe das Geschäft mittags aufgrund der Schließungen vieler Geschäfte und Büros stark zurück, sagte Benjamin Hopf von Yoko Sushi. Dieser Rückgang könne aber durch private Kunden abgefedert werden.

Bringdienste sind für Restaurants wichtige Einnahmequelle

Gestiegen ist zu Coronazeiten auch die Nachfrage nach Lieferangeboten von Restaurants, etwa über die Plattform Lieferando. Die Gastronomen, die jetzt finanzielle Einbußen durch die ausbleibenden Gäste haben, können durch die Bringdienste wenigstens ihre Köche weiterbeschäftigen und ihre Waren verarbeiten, die sonst verderben würden. Bei Lieferando steigen das Angebot und die Nachfrage daher stark.

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Ein auf regionale Produzenten spezialisierter Lieferservice geht derweil am Freitag in Hamburg an den Start. Dabei schließen sich Betriebe aus dem Netzwerk der Regionalwert AG Hamburg zusammen, etwa Landwirte und Verarbeiter, die Suppen anbieten, und liefern diese mit der Logistik des Büro-Bringdienstes Biobob zu den Verbrauchern. Bei der Aktion auf Initiative des Bio-Anbieters Blattfrisch können Haushalte Kisten zur Grundversorgung mit Lebensmitteln bestellen. Eine Kiste, die für eine Woche reicht, soll dabei rund 70 Euro pro Person kosten.