Corona-Krise

Haspa-Chef Harald Vogelsang: „Die Ersparnisse sind sicher“

Vor der Coronakrise: Haspa-Chef Harald Vogelsang in den Räumen der Sparkasse am Wikingerweg.

Vor der Coronakrise: Haspa-Chef Harald Vogelsang in den Räumen der Sparkasse am Wikingerweg.

Foto: Marcelo Hernandez

Der Banker zeigt sich im Abendblatt-Interview begeistert von der guten Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Hamburg. Persönlich treffen? Nicht möglich! Deshalb muss auch dieses Interview – wie derzeit viele andere – über das Smartphone stattfinden. Das Abendblatt erreicht Haspa-Chef Harald Vogelsang zu Hause in Quarantäne. Wie geht es ihm und seiner Familie in der Selbstisolation? Wie leitet man auf Entfernung eine Sparkasse mit rund 5000 Beschäftigten? Müssen sich die Menschen Sorgen um ihr Erspartes machen? Und wie geht es mit den Geldinstituten und der Wirtschaft nun weiter?

Hamburger Abendblatt: Die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie gesundheitlich?

Harald Vogelsang: Uns geht es zum Glück gut. Wir haben keine Infektion, hatten – soweit wir wissen – auch keine Kontakte zu Verdachtsfällen. Wir sind zurzeit aber in freiwilliger Selbstisolation, weil wir vor einer Woche aus dem Urlaub in Tirol zurückgekommen sind. Die Quarantäne ist nächste Woche dann zum Glück vorbei. Derzeit muss ich im Homeoffice arbeiten.

Wie schwierig ist die Quarantäne privat, hängt jetzt häufiger der Haussegen schief?

Vogelsang: (lacht) Das funktioniert wirklich gut. Manchmal sind die Kinder leicht gereizt (lacht). Mit meiner Frau funktioniert das perfekt. Und der Hund ist bestens gelaunt, weil er uns noch nie so oft gesehen hat. Man wird als Familie auch erfinderisch, was zusammenschweißt. So kochen wir häufiger Gerichte aus den Resten des Vortages und haben ständig neue Ideen, wie man mit weniger Lebensmitteln und Hygieneartikeln auskommt, denn wir können ja derzeit nicht selbst einkaufen. Dafür haben wir tolle Freunde und Bekannte, die uns hier versorgen, uns Lebensmittel vor die Tür stellen.

Toilettenpapier haben Sie noch genug?

Vogelsang: (lacht) Ja, alles gut.

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Sie müssen Deutschlands größte Sparkasse nun von zu Hause aus lenken. Geben Sie uns einen Eindruck, wie das funktioniert!

Vogelsang: Ja, das ist wirklich eine besondere Erfahrung. Ich habe jetzt täglich bis zu zehn Videokonferenzen. Die Mails zähle ich schon nicht mehr. Ich lerne nun auch während der Konferenzen E-Mails zu lesen und ans Telefon zu gehen. Ich würde noch nicht behaupten, dass ich so gut im Multitasking bin wie meine Frau, aber ich nähere mich dem an. Diese neue Form der Arbeit funktioniert am Ende doch erstaunlich gut, weil es sein muss.

Ist überhaupt noch jemand aus der Haspa-Verwaltung in den Büros?

Vogelsang: Das kommt auf die Bereiche an. Wir haben zum Glück bereits vor dreieinhalb Wochen begonnen, uns vorzubereiten, haben die ersten präventiven Maßnahmen ergriffen. Schon damals haben wir einen Teil der Mitarbeiter an unsere Notfallstandorte geschickt, sodass wir uns nicht mehr alle zusammen an einem Ort befanden und gleichzeitig krank werden konnten. Aktuell arbeiten aus der Verwaltung so viele Beschäftigte wie möglich im Homeoffice.

Die Haspa lässt ihre Filialen geöffnet, hat die Zeiten aber eingeschränkt. Wie läuft der Geschäftsbetrieb derzeit genau ab?

Vogelsang: So normal wie möglich. Wir hatten früh mehrere Taskforces aufgesetzt. Unter anderem, um die Bargeldversorgung sicherzustellen, aber auch um die vielen Kreditanfragen beantworten zu können. Zudem haben wir nun beschlossen, dass es bei Bedarf eine Aussetzung der Kredittilgung von sechs Monaten für von Corona betroffene Unternehmen gibt. In den Filialen haben wir früh darum gebeten, den Sicherheitsabstand einzuhalten. Da dies nicht überall funktioniert hat, gibt es nun auch Absperrbänder und Markierungen auf dem Boden. Zudem haben wir Plexiglasscheiben bestellt. Wir müssen schließlich unsere Kunden und Mitarbeiter schützen.

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Was bedeutet die Coronakrise ökonomisch für die Haspa?

Vogelsang: Das kann ich nicht seriös voraussagen. Fest steht: Wir haben einen finanziellen Mehraufwand durch die Schutzmaßnahmen und technischen Neuerungen. Und wir haben im normalen Geschäftsbetrieb Einnahmeausfälle. Denn im Moment haben die Menschen andere Sorgen, als bei uns einen Bausparvertrag abzuschließen. Die wichtige ökonomische Frage für uns ist: Wie viele Kredite unserer Kunden werden notleidend? Und wie hoch werden die Verluste sein, die wir dadurch haben? Ich mache mir aber weder um die Haspa noch um die anderen Banken in Deutschland existenzielle Sorgen. Denn ich sehe, dass von den Regulierungsbehörden, der Europäischen Zentralbank und der Politik die richtigen Entscheidungen getroffen oder vorbereitet werden – unter anderem bei der verpflichtenden Höhe der Eigenkapitalquoten für Banken. Ich gehe zwar davon aus, dass ein ökonomischer Schaden für die Haspa eintreten wird – 2020 und wahrscheinlich auch noch 2021. Aber diese Krise wird uns nicht in ernsthafte Schwierigkeiten oder gar ins Wanken bringen.

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Erwarten Sie, dass der Staat Banken verstaatlichen muss?

Vogelsang: Auch das kann ich schwer prognostizieren. An der Commerzbank ist der Staat ja ohnehin noch beteiligt. Das könnte vielleicht auch bei anderen Instituten geschehen. Aber der Staat wird sicherlich nicht auf Dauer alle Banken betreiben wollen. Und das wird auch nicht notwendig sein. Ich denke, man wird entscheiden, dass die Banken vorübergehend mit weniger Eigenkapital auskommen können. Und dass es auch an anderen Stellen noch Erleichterungen geben wird.

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  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Müssen die Menschen sich Sorgen um ihr Erspartes auf dem Haspa-Konto machen?

Vogelsang: Nein, die Ersparnisse auf den Konten sind sicher. Zum einen sind wir als Has­pa wirtschaftlich sehr solide aufgestellt, zum anderen sind alle Spareinlagen in Deutschland und der Europäischen Union geschützt. Zunächst für jeden Kunden pro Bank mit 100.000 Euro. Darüber hinaus gibt es ja noch die Institutssicherung bei Sparkassen und Volksbanken, über diese sind alle Einlagen, egal in welcher Höhe, geschützt.

Werden Sie die Bargeldversorgung aufrechterhalten können?

Vogelsang: Ja, das werden wir auf jeden Fall. Wir haben bereits alle notwendigen Vorkehrungen getroffen. Den Transport des Bargelds zu den Filialen und Automaten stellen wir über ein eigenes Tochterunternehmen sicher, sind also nicht auf Fremdfirmen angewiesen. So haben wir die Logistikkette in der eigenen Hand.

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Was für ökonomische Folgen erwarten Sie durch das Virus und die politisch angeordneten Maßnahmen für ganz Deutschland?

Vogelsang: Das kann man nicht seriös voraussagen. Ich glaube aber, dass die Zahl der Arbeitslosen gar nicht so stark ansteigen wird, weil Deutschland auf das Instrument der Kurzarbeit zurückgreifen kann, um das uns andere Länder beneiden. Die Kurzarbeit hat uns bereits in der Finanzkrise sehr geholfen. Sie sorgt dafür, dass wir in Deutschland nach der Krise wieder schnell durchstarten können, weil die Beschäftigten noch im Unternehmen sind und nicht entlassen wurden. Zudem begreife ich die Krise auch als Chance: Sie ist ein Turbo für neue Ideen, für eine neue Form der Zusammenarbeit, für eine Besinnung auf das Wesentliche. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft arbeiten so gut zusammen wie noch nie.

Gibt es Überlegungen bei der Haspa, Kurzarbeit einzuführen, vielleicht auch nur für Teile der Belegschaft?

Vogelsang: Diesbezüglich haben wir noch keine konkreten Überlegungen. Aber für die Zukunft ausschließen können wie gar nichts, weil wir nicht wissen, welche Bereiche bei uns in Zukunft wie stark ausgelastet sein werden.

Sind die Kontaktverbote und anderen Vorgaben übertrieben oder angemessen?

Vogelsang: Ich halte diese Maßnahmen nicht für übertrieben, weil man die Ausbreitung des Virus nur verlangsamen und schließlich stoppen kann, wenn man die Begegnung der Menschen so weit wie möglich einschränkt. Dazu gehört leider auch, dass man die Wirtschaft derart stark herunterfahren muss.

Wie lange hält die deutsche Wirtschaft den sogenannten Shutdown aus, ohne dauerhaft Schaden zu nehmen?

Vogelsang: Viel länger, als die meisten denken. Unsere Wirtschaft hat bereits in der Vergangenheit furchtbare Ereignisse wie Weltkriege aufgeholt – auch wenn es zum Teil lange gedauert hat. Die Wirtschaft ist – wie der menschliche Körper – widerstandsfähiger, als man denkt.