Ausgaben-Stopp und mehr

Lufthansa Technik bereitet Kurzarbeit vor

Lufthansa-Technik-Chef Johannes Bußmann steht auf dem Firmengelände in Hamburg vor  einem Triebwerk für einen Airbus A320.

Lufthansa-Technik-Chef Johannes Bußmann steht auf dem Firmengelände in Hamburg vor einem Triebwerk für einen Airbus A320.

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Hamburger Unternehmen spürt "massive Auswirkungen" der Corona-Krise. Dabei brachte 2019 noch zwei positive Rekorde.

Hamburg. Es ist mittlerweile ein gewohntes Vorgehen: Wenige Tage nach dem Mutterkonzern präsentiert Lufthansa Technik die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Auch in diesem März hielt der weltgrößte Reparatur-, Wartungs- und Überholungsspezialist für Flugzeuge an dem Termin fest.

Allerdings gab es weder eine Pressekonferenz mit physischer Anwesenheit der Journalisten noch eine Webpräsentation. Die wichtigsten Kennziffern für 2019 inklusive Statement des Vorstandschefs Johannes Bußmann wurden im Corona-Zeitalter per Mail versendet – dabei blickt der Betrieb auf ein Rekordjahr zurück.

Der Gewinn stieg um elf Prozent auf 493 Millionen Euro

Die Hamburger haben 2019 6,9 Milliarden Euro umgesetzt. 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Adjusted Ebit) stieg um elf Prozent auf 493 Millionen Euro – beides sind Bestmarken. Damit trug die Technik-Sparte rund jeden vierten Euro zum Gewinn des Mutterkonzerns bei, den die Lufthansa am Donnerstag präsentierte.

"Im vergangenen Jahr haben wir unseren Wachstumskurs sehr erfolgreich fortgesetzt", sagte Bußmann. Mehr als 5000 betreute Flugzeuge von gut 850 Kunden sprächen für sich. 25 Kunden konnten neu gewonnen werden. Es wurden 625 Verträge mit einem Neugeschäft von 4,1 Milliarden Euro abgeschlossen.

Es gibt massive Rückgänge im Triebwerks- und Wartungsbereich

Die Zahl der Mitarbeiter wuchs binnen zwölf Monaten um acht Prozent auf 26.650 Beschäftigte am Jahresende. Auf dem Werksgelände in Fuhlsbüttel sind 8800 feste Mitarbeiter tätig – rund 400 mehr als im Vorjahr. Dazu kommen 600 Leiharbeiter. Eigentlich läuft es ziemlich rund bei dem Unternehmen – wäre da nicht die omnipräsente Pandemie.

"Mit dem Ausbruch der Coronakrise ist nichts mehr, wie es noch vor wenigen Wochen war“, sagte Bußmann: "Auch die Instandhaltungsbranche leidet bereits unter dem Einbruch des Luftverkehrs." Massive Rückgänge gebe es im Triebwerksbereich und der Line Maintenance (Wieder-Bereitstellung ankommender Flugzeuge inklusive kleinerer Reparaturen).

Vorstandschef Bußmann hält Prognose für 2020 für unmöglich

Weltweit dünnen die Airlines ihr Angebot massiv aus. Die Konzernmutter fliegt noch etwa fünf Prozent des ursprünglich geplanten Programms. 700 von 763 Flugzeugen der Lufthansa sollen am Boden bleiben. "Das volle Ausmaß wird uns erst mit Verzögerung treffen, so dass eine Prognose momentan unmöglich ist", sagte Bußmann über den Ausblick auf das Jahr 2020 und ergänzte: "Erste Auswirkungen sind bereits massiv spürbar.“ Wie stark diese seien, hänge von der Dauer der Krise ab. Und wie sich die Kunden von ihr erholen werden.

Lufthansa Technik, das 40 Standorte in Europa, Asien und Amerika unterhält, habe sich mit einem "sehr umfassenden Maßnahmenpaket vorbereitet“, so Bußmann. Wie das konkret aussieht, sagte Sprecher Jens Krüger auf Abendblatt-Anfrage. Es gebe einen Stopp aller Ausgaben, die nicht für den unmittelbaren Betrieb notwendig seien. Auf Neueinstellungen werde vollständig verzichtet. Allerdings sollen Auszubildende grundsätzlich übernommen werden. Und: "Wir werden Kurzarbeit anmelden, sobald das nötig und möglich ist“, sagte Krüger.

Viele Beschäftigte sind im Homeoffice

Zunächst müssten aber Vorarbeiten wie der Abbau von Stundenkonten geleistet werden. Der Zeitpunkt der Kurzarbeit – bis zum Monatsende könnte rückwirkend ab 1. März die Maßnahme angemeldet werden – sei noch offen. Das werde in den nächsten Tagen entschieden. Viele Beschäftigte arbeiten im Homeoffice, auf dem Firmengelände seien die Hygienemaßnahmen erhöht worden. Im gesamten Unternehmen gebe es bisher eine niedrige zweistellige Zahl an Corona-Infizierten. Das anfangs betroffene Werk in Shenzhen (China) sei wieder nahezu komplett funktionsfähig.

Trotz aller Probleme und Unsicherheiten bleibt Bußmann optimistisch: "Durch die Internationalität unseres Unternehmens glauben wir, die Auswirkungen der Krise bewältigen zu können.“