Überschuldung

In Hamburg werden mehr Immobilien zwangsversteigert

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In Hamburg kamen im vergangenen Jahr 122 Immobilien unter den Hammer.

In Hamburg kamen im vergangenen Jahr 122 Immobilien unter den Hammer.

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Haben sich Hamburger übernommen? In der Hansestadt läuft die Entwicklung gegen den Bundestrend.

Hamburg. Es gibt erste Anzeichen, dass einige Hamburger sich bei Immobilienkäufen übernommen haben. Während bundesweit im vergangenen Jahr deutlich weniger Immobilien zwangsversteigert wurden als 2018, zeigt sich für Hamburg ein entgegengesetzter Trend.

So stieg die Zahl der Zwangsversteigerungen in der Hansestadt im vergangenen Jahr um 22 Prozent gegenüber 2018. Das geht aus einer Auswertung des Ratinger Fachverlages Argetra hervor, die dem Abendblatt vorliegt. „Allerdings bewegen sich die Zwangsversteigerungen im langfristigen Vergleich in Hamburg noch auf einem niedrigen Niveau“, sagt Argetra-Geschäftsführer Axel Mohr.

Insgesamt kamen 122 Wohnungen, Häuser, Grundstücke, Gewerbeimmobilien und Garagen unter den Hammer – zumeist, weil die Eigentümer überschuldet sind. 2010 hatte es noch 411 Zwangsversteigerungen in Hamburg gegeben, bis 2018 war die Zahl fast kontinuierlich auf 100 gesunken.

Hamburg: 57 Prozent mehr Eigentumswohnungen zwangsversteigert

Haben sich die Hamburger angesichts immer höherer Immobilienpreise übernommen? „Die Gründe der Zwangsversteigerungen kennen wir nicht, aber es kann mit dem Preisniveau zusammenhängen, das in Hamburg sehr hoch ist“, sagt Mohr.

So stiegen die Zwangsversteigerungen von Eigentumswohnungen um 57 Prozent auf insgesamt 47 Objekte, die einen durchschnittlichen Verkehrswert von 277.000 Euro hatten. „Je nach Lage wird auch deutlich mehr gezahlt als der Verkehrswert“, sagt Mohr. „Es gibt aber auch Objekte, für die nur 60 Prozent des Verkehrswertes bezahlt werden, der von einem Gutachter vor jeder Versteigerung ermittelt wird.“ Die Nachfrage nach Versteigerungsobjekten in Hamburg ist nach Mohrs Einschätzung sehr groß.

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Neben Hamburg nehmen die Zwangsversteigerungen auch in Frankfurt (plus 15 Prozent) und Köln (plus sieben Prozent) zu. In München gab es einen Rückgang um sechs Prozent. Bundesweit gingen die Zwangsversteigerungen 2019 um 18,5 Prozent auf insgesamt 17.614 Wohnungen, Häuser oder Gewerbeobjekte zurück.

Experte Mohr erwartet vor dem Hintergrund von Stellenstreichungen insbesondere in der Autoindustrie einen Anstieg der Zwangsversteigerungen 2020/21. „Es fallen viele gut bezahlte Jobs weg.“ Das treffe auch Immobilieneigentümer, die einen Kredit abbezahlen müssten. Das Coronavirus könne zum zusätzlichen Faktor werden, wenn Unternehmen deshalb verstärkt Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken oder Arbeitsplätze abbauten.

( stp )

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