Treffen in Hamburg

Metall-Tarifverhandlungen gehen in die heiße Phase

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Beschäftigte der Metallindustrie drängen auf höheren Stundenlohn. Die Tarifhandlungen sollen mehr Geld versprechen (Symbolbild).

Beschäftigte der Metallindustrie drängen auf höheren Stundenlohn. Die Tarifhandlungen sollen mehr Geld versprechen (Symbolbild).

Foto: Imago/Westend61

Spitzen der Metall- und Elektroindustrie reden heute über Zukunftspakt – und stehen vor schwierigen Fragen.

Hamburg.  Nach einem ersten Termin im Februar soll es heute richtig losgehen. Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie treffen sich zu Tarifverhandlungen in Hamburg. Das Umfeld ist nicht günstig. Prognosen über eine Konjunkturabschwächung und die wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung des Coronavirus belasten die Gespräche.

Das ist hinderlich für die große Aufgabe, die beide Parteien stemmen wollen: Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben sich vorgenommen, abseits von konkreten Lohnforderungen über einen gemeinsamen Zukunftspakt für die Branche zu verhandeln. Dabei geht es darum, wie die Betriebe den durch die Digitalisierung hervorgerufenen Strukturwandel meistern können.

Friedrich will weg vom gewohnten Flächentarifvertrag

„Wir gehen neue Wege“, sagte der Bezirksvorsitzende und Verhandlungsführer der IG Metall Küste, Daniel Friedrich. „Wir wollen betriebliche Zukunftstarifverträge schließen. Das geht ein stückweit weg vom gewohnten Flächentarifvertrag.“ Konkret will die Gewerkschaft erreichen, dass die 140.000 Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche im Norden bei der Umstellung der betrieblichen Prozesse mitgenommen werden, ohne dass einige dabei auf der Strecke bleiben.

So fordert die IG Metall Küste Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote für die Beschäftigten. Da der Transformationsprozess, bei dem ganze Produkte umgestellt werden müssen, wie beispielsweise in der Automobilindustrie, die Betriebe Zeit kostet, soll es Überbrückungszeiten etwa durch tarifliche Kurzarbeit geben. „Das soll ermöglichen, die Beschäftigten zu halten, bis sich die Konjunktur erholt hat.“

Es gibt Konfliktpotenzial

Doch es gibt Konfliktpotenzial: „Wir stellen fest, dass einige Betriebe die allgemeine Unsicherheit nutzen, um über die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland ihre Rendite aufzubessern.“ Obgleich die Gewerkschaft ohne Lohnforderung in die Verhandlungen tritt, will sie auch erreichen, dass ihre Klientel am Ende mehr im Portemonnaie hat.

Die Gegenseite warnt: „Für die Arbeitgeber ist es wichtig, den immensen Kostendruck nicht noch weiter steigen zu lassen und flexiblere Arbeitsprozesse zu ermöglichen. Das alles ist in Zeiten einer Rezession, die sich durch das Coronavirus noch verstärken dürfte, nicht einfach“, sagt die Verhandlungsführerin von Nordmetall, Lena Ströbele.

Friedrich sieht hingegen nicht ein, warum die Belegschaften für die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie bluten sollen. „Es waren die Arbeitgeber, die sich in die Abhängigkeit einiger weniger ausländischer Lieferanten begeben und so Monostrukturen geschaffen haben. Dadurch haben sie in der Vergangenheit auch erhebliche Gewinne gemacht. Warum sollen die Mitarbeiter das ausbaden?“ Bis kurz vor Ostern soll der neue Zukunftstarifvertrag stehen. Gibt es keine Einigung, drohen ab Ende April Warnstreiks.

( mk )

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