Bewerbung

Automesse IAA – Hamburgs Hoffnung ist geplatzt

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Volker Mester
Michael Westhagemann (parteilos) mit seinem neuen Dienstwagen, der mit Wasserstoff fährt.

Michael Westhagemann (parteilos) mit seinem neuen Dienstwagen, der mit Wasserstoff fährt.

Foto: Michael Rauhe

Von 2021 an findet die Motorshow in München statt. Die Bayern locken den Branchenverband VDA mit 15 Millionen Euro.

Hamburg.  Es blieb spannend bis zum Schluss. Doch am Ende hat sich München im Wettbewerb um die Ausrichtung der Internationalen Automobilausstellung (IAA) ab 2021 gegen Hamburg und Berlin durchgesetzt. Das entschied der Vorstand des Verbands der Automobilindustrie (VDA) am Dienstagnachmittag. „Als Technologie- und starker Industriestandort und Sitz zahlreicher Hightech-Konzerne, Start-ups und Forschungseinrichtungen sowie innovativer Unternehmen der Automobilindustrie ist München ein ausgezeichneter Partner zur Neuausrichtung der IAA“, teilte der Verband mit.

Hamburg hatte es mit einer gemeinsamen Bewerbung der Stadt und der Hamburg Messe und Congress (HMC) unter die letzten drei von ursprünglich sieben Bewerberstädten geschafft. „Ich gratuliere München zur erfolgreichen Bewerbung um die Ausrichtung der IAA“, sagte HMC-Chef Bernd Aufderheide: „Es war ein ideenreicher, ambitionierter, aber immer fairer Wettbewerb, den wir natürlich gern gewonnen hätten.“ Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) sagte, auch wenn die IAA nun nicht hier stattfinde, werde die Stadt weiter „Impulsgeber für die Mobilität der Zukunft“ sein: „Mit dem Weltkongress für Intelligente Transportsysteme (ITS) im Oktober 2021 wird Hamburg zu einer internationalen Mobilitätshauptstadt werden.“

Hamburg wollte mit fortschrittlichen Verkehrslösungen punkten

Hamburg hatte vor allem darauf gesetzt, dass die Stadt mit Blick auf diesen Kongress schon jetzt viele Elemente fortschrittlicher Verkehrslösungen vorweisen kann. So gibt es bereits digitale Ampeln, Strecken für autonome Fahrzeuge, innovative Fahrdienste wie Moia und umfangreiche Angebote für Carsharing. „Für eine klassische Autoschau hätte Hamburg nicht zur Verfügung gestanden“, sagte Aufderheide im Vorfeld der Entscheidung. Es gehe stattdessen um „ganz neue Konzepte und Ideen“, so Aufderheide, dabei wolle man den „gesellschaftlichen Diskurs um die Mobilität“ mit einbeziehen.

Doch ganz so weit vom bisherigen Konzept der IAA wollte sich die Branche dann wohl doch nicht entfernen. „Wir wollen Freude am Auto zeigen“, sagte die VDA-Präsidentin Hildegard Müller vor wenigen Tagen nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“. Und weiter: „Die Stadt, die die IAA bekommt, muss auch stolz darauf sein.“

Freude am Auto ein Kriterium

Offensichtlich gab es in der Branche keine Zweifel daran, dass München, der Sitz des Autokonzerns BMW, dieses Kriterium erfüllt. Für Berlin gilt das wohl nicht. Erst im Januar hatte die dortige Verkehrs- und Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) vorgeschlagen, Autos mit Benzin- oder Dieselmotor ab 2030 aus der Innenstadt zu verbannen.

Die IAA-Geschichte

  • Neben dem Pariser Autosalon, der Detroit Auto Show, dem Genfer Auto-Salon und der Tokyo Motor Show gilt die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) als eine der bedeutendsten Automobilfachmessen der Welt. Als Startpunkt gilt eine Veranstaltung im September 1897 im Berliner Hotel Bristol, auf der acht „Motorwagen“ gezeigt wurden.
  • Mit Kaiser Wilhelm II. eröffnete 1905 erstmals ein Staatsoberhaupt eine IAA. Zwischen 1927 und 1950 fand sie an verschiedenen Orten statt: In Köln, Leipzig, Hannover und wieder in Berlin. Seit 1951 ist die Messe in Frankfurt beheimatet. Im Rekordjahr 2007 kam rund eine Million Besucher.
  • Zuletzt sank die Gästezahl deutlich – und nach massiven Protesten von Umweltschützern am IAA-Gelände 2019 entschied sich der Automobilbranchenverband VDA für eine Neuausrichtung der Messe.

In der Hamburger Politik wusste man daher, was zu tun ist: Als am Mittwoch voriger Woche die Vertreter des VDA und mehrerer Autokonzerne in die Stadt kamen, um das IAA-Konzept Hamburgs noch einmal vor Ort zu begutachten, war neben Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), Wirtschaftssenator Westhagemann und Messe-Chef Aufderheide auch die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank von den Grünen bei der Abschlusspräsentation anwesend.

Großveranstaltungen bringen Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich

Allerdings gibt es deutliche Unterschiede, was die Akzeptanz der künftigen IAA in der Bevölkerung der Bewerberstädte angeht: Einer Umfrage von T-Online.de zufolge will nur jeder zweite Hamburger und Berliner die IAA in der Heimatstadt haben (50,8 beziehungsweise 55 Prozent), während fast zwei Drittel (63,1 Prozent) der Bayern sagten: Die IAA gehört nach München.

Großveranstaltungen wie die IAA bringen den Hotels, der Gastronomie und dem Einzelhandel der Ausrichterstadt Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich. Wohl auch vor diesem Hintergrund hat Bayerns Staatsregierung unter Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Investitionen von 15 Millionen Euro zugesagt, sollte die IAA nach München kommen. Westhagemann stellte hingegen klar, dass es in Hamburg keine finanziellen Zuwendungen, quasi eine Startgebühr, für den VDA als Veranstalter geben werde: „Wir zahlen nichts.“

Ausrichtung der IAA wäre ein Kraftakt für die HMC gewesen

Fest steht: Die Ausrichtung der IAA wäre ein Kraftakt für die HMC gewesen, selbst wenn die Besucherzahl nicht ganz die zuletzt in Frankfurt gezählten 560.000 Menschen erreicht hätte. Denn der bisherige Rekord für eine einzelne Messe liegt in Hamburg bei gerade einmal knapp 211.000 Gästen („Du und Deine Welt“ 2001), die höchste Besucherzahl eines kompletten Jahres belief sich auf 1,1 Millionen (2013).

Aus Sicht von Aufderheide wäre die Hansestadt mit der IAA jedoch nicht überfordert gewesen: „Hamburg kommt auch mit einer Million Besuchern zum Hafengeburtstag oder rund 600.000 Zuschauern des Cyclassics-Radrennens klar“, hatte der Messe-Chef im Gespräch mit dem Abendblatt gesagt.

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Mit dem Oktoberfest, das im vorigen Jahr 6,3 Millionen Gäste hatte, kann München allerdings auf Erfahrungen mit einer Veranstaltung ganz anderer Größenordnung verweisen – eine Stärke, die der VDA jetzt anführte. Hinzu kommt: Die Verkehrsanbindung auf dem Luftweg gehört nicht zu den Faktoren, mit denen der Standort Hamburg bei der Bewerbung um ein internationales Großereignis punkten kann. Ähnliches gilt auch für Berlin. München dagegen verfügt über den zweitgrößten Flughafen Deutschlands mit zahlreichen Interkontinentalstrecken.

Und dann ist da noch die Erinnerung an den G20-Gipfel 2017 in Hamburg: Gewaltszenen und brennende Autos vor dem Messegelände – genau das dürfte die schlimmste Schreckensvision der Chefs von VW, Daimler und BMW für eine künftige IAA sein.

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