Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Studie: Deutschland ist auf Auslands-Fachkräfte angewiesen

Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll gezielt Personal für Mangelberufe angeworben werden.

Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll gezielt Personal für Mangelberufe angeworben werden.

Foto: Soeren Stache / dpa

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz gilt seit Sonntag. Studie zeigt, dass Deutschland auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen ist.

Berlin. Seit Sonntag ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Es soll helfen, ausländische Facharbeiter anzuwerben, die in Deutschland bei Mangelberufen aushelfen können. Davon gibt es hierzulande zahlreiche: In der Kranken- und Altenpflege fehlt es an Personal und auch Berufskraftfahrer und Energietechniker werden händeringend gesucht.

Welche Rolle die Zuwanderung schon heute für den deutschen Arbeitsmarkt spielt, hat nun das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln untersucht.

Die Studie, die unserer Redaktion exklusiv vorliegt, kommt zu dem Schluss, dass in akademischen MINT-Berufen, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, die Zuwanderung bereits heute sehr stark zur Fachkräftesicherung beiträgt.

Zuwanderung: Starker Zuwachs bei Indern

Seit 2012 wirbt die Regierung in Drittstaaten gezielt um akademische Fachkräfte. Die Beschäftigung von Ausländern aus Drittstaaten in akademischen MINT-Berufen hat zwischen dem 31. Dezember 2012 und dem 30. Juni 2019 von 30.300 auf rund 75.900 um 45.600 zugenommen.

Das ist ein Zuwachs von 150 Prozent. Besonders stark ist dabei die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Indern in diesen Berufen gestiegen – seit Ende 2012 um mehr als 310 Prozent. Nicht berücksichtigt sind in dieser Rechnung die Hauptherkunftsländer von Flüchtlingen Syrien, Irak, Afghanistan und Eritrea.

Wertschöpfung von 5,2 Milliarden Euro

„Allein die zusätzlichen 45.600 Beschäftigten aus Drittstaaten in akademischen MINT-Berufen tragen zur jährlichen Wertschöpfung in Höhe von knapp 5,2 Milliarden Euro bei“, heißt es in der Studie des Instituts.

Die Beschäftigung von Ausländern in akademischen MINT-Berufen mit einer Nationalität aus der EU oder gleichgestellten Ländern – wie etwa Schweiz oder Norwegen – stieg nur um knapp 69 Prozent von 39.000 am 31. Dezember 2012 auf 65.800 am 30. Juni 2019.

West-Balkan-Staaten sorgen für Großteil der Zuwanderung

Auch in MINT-Facharbeiterberufen ist der Anstieg nicht so hoch. Hier habe es in den letzten Jahren auch keine deutlichen Verbesserungen beim Einwanderungsrecht für Drittstaatsangehörige gegeben, schreibt IW-Experte Axel Plünnecke.

Während die Beschäftigung von Ausländern aus den EU-Staaten in MINT-Facharbeiterberufen von 134.900 auf 241.200 um 106.300 beziehungsweise 78,8 Prozent gestiegen ist, war die Beschäftigungszunahme von Drittstaatsangehörigen von knapp 166.000 auf gut 196.100 mit 30.100 rund 132 Prozentpunkte geringer als in akademischen MINT-Berufen.

Ein großer Teil diese Zuwachses geht dabei laut IW auf Zuwanderer aus den West-Balkan-Staaten zurück, für die besondere Zuwanderungsregeln in den letzten Jahren geschaffen wurden.

Neues Gesetz soll den Zugang erleichtern

Die Bundesregierung hofft nun, mit dem in Kraft getretenen Fachkräfteeinwanderungsgesetz den Zuwachs auch in den MINT-Facharbeiterberufen steigern zu können. Alle Fachkräfte, die über einen Arbeitsvertrag und eine anerkannte Qualifikation verfügen, können in den entsprechenden Berufen in Deutschland arbeiten.

Es gibt keine Beschränkung von Zuwanderungswegen auf Engpassberufe mehr, die Vorrangprüfung entfällt bei Fachkräften generell. Eine befristete Einreise zur Arbeitsplatzsuche wird künftig auch für Fachkräfte aus Drittstaaten mit qualifizierter Berufsausbildung geschaffen.

Mehr zum Fachkräftemangel:

In vielen Berufen herrscht in Deutschland Fachkräftemangel. Stark betroffen ist die IT. Laut Branchenverband Bitkom fehlten im vergangenen Jahr 124.000 IT-Fachkräfte. Das führt dazu, dass sogar der Bewerbungsprozess mittlerweile umgedreht wird – deutsche Firmen bewerben sich bei den Fachkräften und nicht mehr andersherum.

Für die deutschen Gemeinden wird dieser Engpass besonders problematisch, immerhin sollen sie sich gerade digital weiterentwickeln. Verwaltungsamt-Chef Christoph Verenkotte fordert daher, dass deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden muss, um IT-Fachkräfte anzuwerben. Doch nur Geld reicht nicht, sagt der Städtetag. Förderungen gibt es schon, allerdings gleiche das System einem „Förderdschungel“.