Luftfahrt

Eurowings spart radikal beim Service und an diesen Strecken

Das ist die Billigfluglinie Eurowings

Sie ist Lufthansas Antwort auf Ryanair, Easyjet und Co.: Eurowings. Die wichtigsten Informationen zur Lowcost-Airline.

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Die Lufthansa-Tochter muss massiv sparen, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. Das bekommen vor allem Passagiere zu spüren.

Berlin/Köln. Der Billigflieger Eurowings ist die größte Baustelle des Lufthansa-Konzerns. Die Airline liefert sich einen heißen Wettbewerb mit den Rivalen Easyjet, Ryanair und Wizz Air – und fliegt seit der Übernahme von weiten Teilen der insolventen Air Berlin nur Verluste ein.

2021 soll damit Schluss sein. Die radikalen Schritte bekommen Passagiere jetzt zu spüren: Eurowings gibt etliche unrentable Strecken auf, erhöht die Gebühren und streicht Serviceleistungen.

Eurowings: Wunsch-Sitzplatz kostet jetzt Geld

Bislang konnten Passagiere auch im billigsten Tarif Basic beim Check-in kostenlos einen Sitzplatz wählen – egal ob am Flughafenschalter oder online. Künftig wird der Platz automatisch zugewiesen. Wer einen Platz reservieren möchte, muss das online tun – und dafür bezahlen.

Das kostet auf innerdeutschen Flügen mindestens vier Euro, auf europäischen Strecken deutlich mehr. Davon ausgenommen sind laut Eurowings mobilitätseingeschränkte Personen, unbegleitete Kinder sowie bei Verfügbarkeit Familien mit kleinen Kindern.

Eurowings: Das ändert sich beim Handgepäck

Eine weitere Einschränkung betrifft das Handgepäck: Passagiere mit Basic-Ticket dürfen nur noch ein Stück mit den Maßen 55 x 40 x 23 cm an Bord nehmen. Bislang war zusätzlich eine kleinere zweite Tasche erlaubt. Damit ist Eurowings aber noch großzügiger als Ryanair und Wizz Air – die beiden Billigflieger erlauben nur noch kleine Handtaschen ohne Aufpreis.

Beim Smart-Tarif, der eine Sitzplatzreservierung, einen Koffer und Priority-Boarding umfasst, hatte Eurowings 2019 bereits kostenfreie Snacks und Getränke gestrichen.

Eurowings streicht diese Strecken

Eurowings trennt sich außerdem von etlichen unrentablen Strecken. Das betrifft vor allem Berlin-Tegel, aber auch Düsseldorf und Köln/Bonn. Bereits zum Jahreswechsel hat Eurowings die bis zu vier täglichen Flüge zwischen Berlin und München eingestellt. Die Strecke war erst im Frühjahr 2019 aufgenommen worden.

Im Gegenzug fliege die Konzernmutter Lufthansa öfter und mit größeren Maschinen zwischen den Metropolen, erklärt ein Eurowings-Sprecher. Die Linien Berlin–Nürnberg und Berlin–Karlsruhe/Baden-Baden hatte die Airline schon 2019 eingestellt.

Zu Beginn des Sommerflugplans Ende März streicht Eurowings zudem etliche Flüge Richtung Balkan:

  • Stuttgart–Ohrid,
  • Stuttgart–Tivat,
  • Berlin–Zagreb,
  • Berlin–Pula,
  • Düsseldorf–Zagreb,
  • Düsseldorf–Ohrid,
  • Köln–Osijek
  • und Hannover–Rijeka.

Auf einigen Strecken setzt die Lufthansa-Tochter zudem kleinere Flugzeuge ein oder reduziert die Zahl der wöchentlichen Flüge. „Die Anpassungen sind Teil einer routinemäßigen Überprüfung und Anpassung unseres Streckennetzes in Sachen Wirtschaftlichkeit und Auslastung“, begründet der Sprecher.

Neu nehme die Airline dagegen im Sommer Flüge von Düsseldorf nach Zypern und nach La Palma auf und ab Stuttgart nach Belgrad.

Höhere Gebühren bei Umbuchungen

Wer einen Eurowings-Langstreckenflug umbuchen möchte, zahlte bisher 90 Euro. Künftig kosten Änderungen 150 Euro. Es handele sich dabei um eine Harmonisierung innerhalb der Lufthansa-Gruppe, erklärt der Sprecher auf Nachfrage.

Airline bekommt neuen Chef

Als Thorsten Dirks 2017 von Telefonica Deutschland zu Eurowings kam, war Air Berlin noch nicht pleite und die Lufthansa-Tochter nicht einmal halb so groß wie heute. Wenig später musste der branchenfremde Manager die Integration von 77 Maschinen und Tausenden Mitarbeitern aus dem Erbe der Air Berlin bewältigen. Das ist ihm durchaus gelungen – in die schwarzen Zahlen konnte er die Airline jedoch nicht bringen. Nun musste Dirks seinen Stuhl in der Eurowings-Zentrale in Köln räumen. Er kümmert sich im Konzernvorstand um Digitalisierung.

Neu an die Spitze der Airline rückt zum 1. März Jens Bischof. Der bisherige Chef des Ferienfliegers Sun Express, ein Gemeinschaftsunternehmen der Lufthansa und Turkish Airlines, soll die kriselnde Airline bis 2021 in die Gewinnzone bringen. Bischof arbeitet seit 30 Jahren für Lufthansa.

Neue Flugzeuge

Kosten senken sollen auch neue Flugzeuge, die wesentlich effizienter sind als die bisherigen. Maschinen vom Typ A320neo verbrauchen dank neuer Triebwerke 17 Prozent weniger Kerosin. Eurowings erwartet die ersten Exemplare im Jahr 2021. Zum Ende des vergangenen Jahres hatte Eurowings ihre dienstältesten fast 30 Jahre alten Maschinen außer Betrieb genommen.

Eurowings fliegt wieder pünktlicher

Immerhin – Eurowings-Passagiere kommen nach Unternehmensangaben wieder pünktlicher an ihr Ziel, als das zwischenzeitlich der Fall war. Im Chaossommer 2018 litt der Ruf der Airline wegen besonders vieler Verspätungen und Ausfälle erheblich. Im Jahr nach der Air-Berlin-Pleite hakte es gewaltig. Inzwischen seien 93 Prozent der Flüge planmäßig. Insbesondere in Düsseldorf, Hamburg, Köln und Stuttgart sei Eurowings damit zuletzt zuverlässiger gewesen als die Rivalen ­Ryanair, Easyjet und Wizz Air.