Hamburg

Wichert-Insolvenz: So können sich Autokäufer absichern

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Melanie Wassink
Bernd Glathe, Inhaber und Geschäftsführer von Auto Wichert, hat am vergangene Woche den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Bernd Glathe, Inhaber und Geschäftsführer von Auto Wichert, hat am vergangene Woche den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Foto: Martin Brinckmann

Warum derzeit keine Autos vom größten Hamburger VW-Händler ausgeliefert werden – und wie man als Käufer vorsorgen kann.

Hamburg. Die Nachricht über finanzielle Schwierigkeiten des VW-Händlers Auto Wichert kam für die Kunden völlig überraschend. Hunderte Hamburger sind von finanziellen Verflechtungen mit dem Autohaus betroffen, immerhin zählt Wichert zu den größten Unternehmen der Branche. Einige Kunden berichten dem Abendblatt, dass sie in Sorge darüber sind, nun viel Geld zu verlieren. Außerdem erleben Käufer, dass bereits bezahlte Neu- oder Gebrauchtwagen nicht ausgeliefert werden.

Wie kann ich grundsätzlich den Fahrzeugkauf so abwickeln, dass nur ein möglichst geringeres Risiko besteht, finanziellen Schaden zu nehmen? „Beim Autokauf, der Finanzierung und den gängigen Leasingkonstrukten unter Miteinbeziehung der Hersteller, Autohändler und finanzierenden Banken handelt es sich um komplexe Konstellationen, die sogar Jurastudenten oftmals verzweifeln lassen“, sagt Insolvenzexperte Hendrik Heerma, der in jedem Fall folgendes rät: „Aus Sicht eines Kunden, der kaufen will, sollte vermieden werden, eine ungesicherte (An-)Zahlung zu leisten, ohne zumindest den Besitz am Fahrzeug zu erlangen. Durch den Besitz hat der Kunde im Falle der Insolvenz des Vertragspartners wenigstens ein Zurückbehaltungsrecht.“

Ungesicherte Anzahlung statt "Geld gegen Schlüssel"

Auch aus diesem Grund sei der Autokauf laut Heerma lange Jahre ein Bargeschäft nach dem Motto „Geld gegen Schlüssel“ gewesen. Ferner müsse der Kunde die Zulassungsbescheinigungen Teil I und II („Fahrzeugschein“ bzw. „-brief“) verlangen. Verschärfte Geldwäschebestimmungen führten heute aber zu der üblichen Abwicklung über ein Konto, ergänzt der Anwalt.

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„Zahlt der Käufer hingegen den Betrag und hat bisher weder das Auto noch den Fahrzeugbrief bekommen oder eine ausdrückliche Übereignung des Wagens vereinbart, ist der Käufer im Falle der Insolvenz des Verkäufers im Zweifel ungesicherter Insolvenzgläubiger“, warnt Heerma. „So bekommt er nicht das Auto, ohne nochmals zu zahlen.“ Die Jahre später ausbezahlte Insolvenzquote sei oft nur ein einstelliger Prozentsatz. „Der Rest ist verloren.“

Oft ist nicht der insolvente Autohändler Vertragspartner – sondern eine Bank

Besondere Schwierigkeiten ergeben sich – wie Heerma aus den von seiner Sozietät betreuten Insolvenzverfahren von Autohäusern weiß – wenn der Händler selber nicht Eigentümer ist, sondern eine Bank, die sich das Eigentum behält, bis sie selbst bezahlt wurde. Fällt nun der Händler in die Insolvenz, nachdem zwar das Geld des Kunden bei ihm eingegangen ist, aber dieses noch nicht an die Bank weitergeleitet wurde, kann sich für den Käufer das Risiko der ungesicherten Anzahlung realisieren. Das heißt: Wenn der Käufer das Auto finanziert oder least, besteht der Vertrag häufig mit der Bank und nicht mit dem insolventen Händler. In diesen Fällen kann sich der Kunde weiter an die Bank wenden, sagt Heerma.

Ansprüche aus Gewährleistung richten sich in der Regel gegen den Händler, sie sind Insolvenzforderungen, die im Zweifel nur mit geringer Quote in mehreren Jahren bezahlt werden. Anders bei Garantien, die ein Hersteller abgegeben hat. „Es gilt, im Vorfeld zu prüfen, wer welche Zusagen dem Kunden gegenüber erteilt“, rät Heerma.

Wichert-Sprecher schließt Auslieferung von Fahrzeugen im Moment aus

Auto Wichert hatte am 18. Februar einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Seither wird der Betrieb nicht mehr nur durch die bisherige Geschäftsführung geleitet. Das Gericht hat dem Management die Rechtsanwälte Gerrit Hölzle und Thorsten Bieg von der Kanzlei Görg zur Seite gestellt. Derzeit ringt die Leitung um eine Zukunft für die Auto-Gruppe mit ihren 1400 Mitarbeitern. Es sollen zeitnah Gespräche mit Investoren geführt werden.

Die Autokäufer, die bisher vergeblich auf die Auslieferung der Fahrzeuge warten, bittet Wichert noch um Geduld: „Gegenwärtig müssen wir unter dem nunmehr geltenden Insolvenzrechtsregime den gesamten Fahrzeugbestand noch einmal erfassen und die jeweilige Vertragslage dokumentieren“, sagte Thomas Feldmann, Sprecher der Insolvenzverwalter. „Während dieser Zeit können leider keine Fahrzeuge ausgeliefert werden. Wir gehen aber davon aus, jeden Kunden zeitnah über die weitere Abwicklung des mit ihm bestehenden Vertrages informieren zu können.“

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