Schifffahrt

Kiel erhält größte Landstromanlage Deutschlands

Eine Siemens-Landstromanlage mit 12 Megavoltampere kann einen Luxusliner wie die „Queen Mary 2“ während der Liegezeit im Hafen mit Energie versorgen. Die Hamburger Station wird aber kaum genutzt (Symbolbild).

Eine Siemens-Landstromanlage mit 12 Megavoltampere kann einen Luxusliner wie die „Queen Mary 2“ während der Liegezeit im Hafen mit Energie versorgen. Die Hamburger Station wird aber kaum genutzt (Symbolbild).

Foto: Marcelo Hernandez

Elektronikkonzern Siemens verantwortlich für Ökostrom-Projekt im Kieler Hafen. Hamburger Station wird kaum genutzt.

Hamburg/Kiel. Der Elektronikkonzern Siemens wird für den Seehafen Kiel die bisher größte Landstromanlage Deutschlands bauen. Mit einer Leistung von zusammen 16 Megavoltampere (MVA) soll die Anlage nach Angaben von Siemens erstmals zwei Schiffe parallel mit Ökostrom versorgen. Dies ermögliche eine Einsparung von jährlich über 8000 Tonnen CO2. Die Anlage soll in der Kreuzfahrtsaison 2020 den Testbetrieb aufnehmen. Kiel ist Ausgangspunkt für Kreuzfahrten und verfügt zudem über Fährverbindungen ins Baltikum sowie nach Skandinavien. Im Jahr 2018 liefen 32 verschiedene Kreuzfahrtschiffe den Kieler Hafen 174-mal an.

Größte Landstromanlage Deutschlands bald im Testbetrieb in Kiel

„Mit dem Bau dieser Anlage unterstützen wir aktiv die Klimaziele der Landeshauptstadt,“ so der Geschäftsführer des Kieler Hafens, Dirk Claus. Die Stadt Kiel gibt mit dem „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ einen Leitfaden für ein CO-neutrales Kiel im Jahr 2050 vor. Mit der neuen Anlage nehme man „eine Vorreiterrolle“ ein, so Claus. Künftig sollen 60 Prozent des Energiebedarfs der Schiffe, die Kiel anlaufen, klimafreundlich mit Landstrom gedeckt werden. Die Dieselgeneratoren werden während der Liegezeit abgeschaltet. Bereits Anfang 2019 wurde die ebenfalls von Siemens errichtete Landstromversorgung am Norwegenkai in Betrieb genommen. Bislang konnten dadurch rund 1000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Die größte Landstromanlage war bisher die 2016 auch von Siemens installierte Versorgungsstation am Kreuzfahrtterminal Altona. Sie ist auf 12 Megavoltampere ausgelegt, genug Leistung, um einen großen Luxusliner wie die „Queen Mary 2“ während der Liegezeit im Hafen mit Energie zu versorgen. Das Problem ist, dass sie kaum genutzt wird: 2019 genau 13-mal von nur einem einzigen Schiff. Der Grund ist, dass der Bezug von Landstrom den Reedereien nicht wirtschaftlich erscheint, weil der Strom von Land mit der EEG-Umlage und den Netzentgelten deutlich teurer ist als der selbst produzierte Strom an Bord. Erst vor Kurzem wurde die gesetzliche Regelung geändert.