Hamburg

Abendblatt-Test: Vegane Mayonnaise mit Gin

Marketing-Chefin Luisa Ahlers und Delikant-Inhaber Vladimir Muska auf dem roten Sofa im Büro der Hamburger Firma.

Marketing-Chefin Luisa Ahlers und Delikant-Inhaber Vladimir Muska auf dem roten Sofa im Büro der Hamburger Firma.

Foto: Roland Magunia

Firmen in der Region überraschen mit neuen Produkten. In diesem Serienteil: Burgerliebe mit sieben Saucen von Delikant.

Hamburg. Mit einem Produkt aus dieser Firma dürften schon viele Verbraucher in engsten Kontakt gekommen sein, ohne es zu wissen oder auch nur zu ahnen. Jedenfalls alle diejenigen, die sich morgens oder schnell mal zwischendurch ein belegtes Brötchen vom Bäcker, ein Sandwich aus der Supermarktheke oder einen Brotsnack von der Tankstelle gönnen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Aufstrich zwischen Teig und Belag von der Hamburger Firma Delikant kommt.

Die Unternehmensgeschichte begann vor gut 20 Jahren in den Räumen eines früheren Pizzaservices in Lokstedt. Dort rührte der studierte Betriebswirt Vladimir Muska als Ein-Mann-Unternehmer die ersten Saucen und Aufstriche an, um sie an Produzenten auf dem gerade erblühenden Markt für Außer-Haus-Snacks zu vertreiben. Heute ist Muska Chef von 130 Mitarbeitern, die Delikant-Produktionsräume an der Sternstraße (Sternschanze) sind seit Jahren beengt, und die Firma ist einer der großen Anbieter in der Branche. Jahresumsatz? „2019 waren es etwa 15 Millionen Euro, zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Es läuft ganz gut“, sagt Muska.

Sieben Burgersaucen auf einen Schlag für den Einzelhandel

Er konzentrierte sich lange auf das B2B-Geschäft, produziert unter anderem Mayonnaisen, Guacamole, Steinpilz-Walnuss-Pesto oder Curry-Huhn-Ananas-Füllung für Wraps. Zu seinen Kunden zählen neben Bäckerei- und Tankstellenketten Fluggesellschaften und namhafte Best-Burgerketten. Die Patties in den Brötchenhälften werden mit Saucen aus dem Hause Delikant veredelt. „Wir produzieren nach den Rezepten der Kunden“, sagt Muska (52). Seit zwei Jahren nutzt er die Saucen-Kompetenz bei Delikant auch auf andere Weise: 2018 brachte das Unternehmen erstmals eigene Produkte in den Lebensmitteleinzelhandel. Unter einem Markennamen, der gleich verrät, was der Kunde damit anfangen soll: Burgerliebe.

Sieben Saucensorten auf einen Schlag brachten die Hamburger auf den Markt. Die Varianten reichen von Klassik bis Karibik BBQ. Ein Mix aus Standard-Geschmacksrichtungen, die Burgerliebhaber bekanntermaßen wollen,und Innovationen. Die teurere Sorte Trüffel soll Burgerfans mit gehobenen Ansprüchen abholen. „Etwa 200 Supermärkte im Norden haben Burgerliebe im Sortiment, Schwerpunkt ist Hamburg“, sagt Marketing-Chefin Luisa Ahlers. Schon ein Jahr nach dem Marktstart gab es einen Relaunch: Die auf dem Kopf stehenden sogenannten Squeezer-Flaschen aus Kunststoff („Es gibt derzeit keine vernünftige Alternative dazu.“) wurden auf 300 Milliliter Inhalt etwas verkleinert. „Die Verbraucher wollen Abwechslung und kaufen lieber mehrere Sorten“, sagt Luisa Ahlers. Zugleich kam 2019 die achte Burgerliebe und die zweite etwas teurere Variante hinzu, die Gin Mayo.

Delikant verkauft vegane Mayo mit Gin

„Wir greifen damit den Gin-Hype auf“, sagt Ahlers. Wie die anderen Sorten ist die Nummer 8 frei von Konservierungs- und Farbstoffen sowie von Geschmacksverstärkern – und sie ist vegan. Auf den Flaschen findet sich das Wort nicht. Für die meisten Menschen, die sich gerne einen Burger braten, ist vegan bekanntlich kein Argument.

Die Mayo ohne Ei hatte Delikant schon im Portfolio – weil sie besser haltbar ist. „Welcher Gin der beste ist, haben wir in einem Blindtest mit 15 verschiedenen Sorten entschieden“, sagt Muska. Und natürlich habe auch der Preis der Zutat eine Rolle gespielt. Die Wahl fiel auf eine weitverbreitete Marke. Fünf Prozent Gin-Anteil hat die Mayonnaise, die 15 Milliliter der handelsüblichen Spirituose (37,5 Prozent Alkoholgehalt) in einer Flasche ergeben letztlich weniger als 0,5 Prozent Alkohol im Produkt – nicht gerade berauschend. Geriebene Wacholderbeeren und Korianderkörner sollen zusätzliche Gin-Noten entwickeln.

Noch vor Grillsaison im Handel – weitere Produkte in Planung

Vor Beginn der Grillsaison startet in diesen Wochen die Expansion im Handel. Die Zahl der Verkaufsstellen soll wachsen. Die Marketing-Chefin jedenfalls hat 500 Displays mit je 144 Flaschen geordert, die aufmerksamkeitsheischend in Supermärkten aufgestellt werden. Für das Unternehmen ist die eigene Marke ein noch kleiner, aber wachsender Umsatzbringer. „Knapp fünf Prozent“ des Gesamterlöses, sagt Muska, trägt Burgerliebe bei.

Wenn es nach seinen Plänen gegangen wäre, würden die Saucen heute bereits in Billbrook hergestellt. Dort wollte er eine neue Produktion hochziehen lassen, das Grundstück war von der Stadt bereits gekauft. Doch auch, weil das Gelände mit Altlasten belastet war, stiegen die Baukosten in unwirtschaftlich hohe Dimensionen. Der Grundstückskauf ist rückabgewickelt, Muska hat stattdessen eine Halle in Halstenbek erworben. Dorthin wird Delikant voraussichtlich Ende 2021 umziehen.

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Im kommenden Jahr sollen zudem weitere Delikant-Eigenprodukte in die Supermärkte kommen. Muskas Gedanken kreisen um Ketchup, Barbecue- und Grillsaucen. Weitere Burgerliebe-Varianten sind indes nicht geplant, das Sortiment ist wohl ausgereizt. Bei Händlern, die alle acht Geschmacksrichtungen führen, nehmen diese schon jetzt einen halben Meter Regalbreite ein. Mehr Platz, glauben die Delikant-Macher, wird der Handel den Saucen nicht einräumen. Bei aller Liebe nicht.

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