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Hamburg hofft auf die Internationale Automobil-Ausstellung

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Volker Mester
Bernd Aufderheide, Chef der Hamburger Messegesellschaft.

Bernd Aufderheide, Chef der Hamburger Messegesellschaft.

Foto: Mark Sandten

Im laufenden Jahr kommen große Veranstaltungen zu Wind, Schifffahrt und der Digitalkongress OMR in die Stadt.

Hamburg.  Bernd Aufderheide hat die Zukunft der Mobilität jeden Tag unmittelbar vor Augen: „Ein Teil der Hamburger Teststrecke für das autonome Fahren verläuft mitten durch unser Gelände“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung der Hamburg Messe und Congress GmbH (HMC).

Für ihn ist es daher nur folgerichtig, dass Hamburg jetzt neben Berlin und München einer der drei verbliebenen Bewerber um die Ausrichtung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) 2021 ist. „Betrachtet man all das, was Hamburg in puncto Mobilität schon heute zu bieten hat, brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken – ganz im Gegenteil“, so Aufderheide. „Für eine klassische Autoschau hätte Hamburg nicht zur Verfügung gestanden“ – aber der Veranstalter VDA will aus der IAA, die zuletzt 560.000 Zuschauer hatte, eine Plattform moderner Mobilität machen. Im März soll die Standortentscheidung fallen.

Medienzentrum für die Bürgerschaftswahl

Doch schon im nächsten Monat wird das Messegelände zumindest indirekt bundesweite Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Dort wird das Medienzentrum für die Bürgerschaftswahl am 23. Februar eingerichtet. Unter den Publikumsmessen steht kurz zuvor eine Premiere an – die Hamburger Tattoo Tage vom 21. bis 23. Februar. Herausragende Veranstaltungen des Jahres 2020 der HMC werden aber ihre drei Leitmessen Internorga (Fachmesse für Hotellerie und Gastronomie), SMM (Fachmesse der maritimen Industrie) und WindEnergy Hamburg sein. „Aufgrund der hohen Ausstellerzahlen werden zur Internorga erneut eine, zur SMM zwei zusätzliche Leichtbauhallen errichtet“, so Aufderheide.

Eine Dauerlösung kann das nicht sein, daher will die HMC „mittelfristig“ eine neue Multifunktionshalle auf einer Freifläche an der Lagerstraße errichten (das Abendblatt berichtete). Schon als im Jahr 2008 die damalige Erweiterung des Messegeländes abgeschlossen wurde, sei diese Halle in der Planung enthalten gewesen, sagt Aufderheide.

Lage gibt immer wieder auch zu Kritik Anlass

Zwar ist ihm bewusst, dass die innenstadtnahe Lage der Hamburger Messe immer wieder auch zu Kritik Anlass gibt, etwa im Hinblick auf die Verkehrssituation. Aber aus der Sicht von Aufderheide ist gerade die Lage mitten in der Stadt ein großes Plus für den Messe- und Kongressstandort Hamburg.

Eine weitere publikumsstarke Veranstaltung in diesem Jahr ist das OMR Festival im Mai. Diese Mischung aus Fachmesse und Konferenz für digitales Marketing und Technologie findet seit 2016 jährlich in den Messehallen statt (siehe Info-Kasten). „An dieser Veranstaltung mit ihrem Festivalcharakter kann man sehen, wo die Entwicklung im Messewesen hingeht“, so Aufderheide. „Wir werden von anderen Messestädten darum beneidet.“

Mehr Besucher

Im abgelaufenen ungeraden Jahr 2019, das durch den Turnus wichtiger Messen geschäftsschwächer ist als die geraden Jahre, verzeichnete die HMC auf vergleichbarer Basis die bisher höchste Zahl an Veranstaltungen (74) und einen Rekord bei der von ihnen gebuchten Fläche. Die Zahl der Besucher kletterte gegenüber 2017 um knapp 27.800 auf fast 697.000 Personen. Dies war weitestgehend auf das internationale Jahrestreffen der Rotarier mit 26.000 Teilnehmern aus 170 Ländern zurückzuführen. Die Tourismuseinnahmen Hamburgs durch diese Gäste habe sich auf 24 Millionen Euro belaufen, so Aufderheide. Insgesamt brächten die Messe- und Kongressbesucher den Hotels und der Gastronomie Hamburgs jährlich einer Studie zufolge rund 400 Millionen Euro ein.

Für die HMC verlief das Jahr 2019 finanziell gesehen allerdings nicht gerade erfreulich. So sank der Umsatz gegenüber 2017 um 7,6 Prozent auf 67,3 Millionen Euro. Ursache dafür seien jedoch veränderte Abrechnungsmethoden bei Auslandsengagements im Auftrag des Bunds, sagte HMC-Geschäftsführer Uwe Fischer. Ohne diesen Faktor hätte der Umsatz um 8,0 Prozent zugelegt.

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Sonderfaktoren spielten auch bei der Ausweitung des Verlustes auf 28,9 (2017: 19,4) Millionen Euro eine Rolle: Im Jahr 2017 war ein Buchgewinn angefallen, weil man damals das Gebäude des Kongresszentrums CCH auf die ebenfalls städtische Gesellschaft CCH Immobilien übertrug. Seit mehreren Jahren wird das Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Dammtor-Bahnhof grundlegend erneuert. Daher mussten etliche Kongresse in den Ausstellungshallen der Messe abgehalten werden, was zu dem Verlust beitrug: „Es war jedes Mal mit hohem Aufwand verbunden, die Messehallen dafür herzurichten“, so Aufderheide.

Doch der Umbau nähere sich dem Ende: „Wir sind auf der Zielgeraden – im August geht es im CCH wieder los. Und die Buchungssituation dort für die nächsten Jahre ist hervorragend.“ Für 2020 erwartet Aufderheide einen Rekordumsatz von mehr als 114 Millionen Euro. Der Messe-Chef rechnet jedoch mit einem erneuten Verlust von rund fünf Millionen Euro aufgrund von Infrastrukturinvestitionen, aber auch weil noch einmal zwölf CCH-Veranstaltungen auf dem Messegelände stattfinden.

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