Billigabos

365-Euro-Ticket: Verkehrsunternehmen lehnen Billigabos ab

Wie unpünktlich ist die Deutsche Bahn wirklich?

Die Deutsche Bahn gilt als chronisch unpünktlich. Wir zeigen vier Fakten rund um die Pünktlichkeit auf den deutschen Schienen.

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Für einen Euro pro Tag Bus und Bahn fahren? Keine gute Idee, meinen die Verkehrsunternehmen. Es sei denn, man mache es so wie in Wien.

Berlin. Busse, Trams und Nahverkehrszüge platzen aus allen Nähten. 10,4 Milliarden Fahrgäste verzeichnete der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) im vergangenen Jahr. Gegenüber 2018 war die Steigerung zwar nur gering. Doch liegt dies nach Einschätzung der Verkehrsunternehmen am fehlenden Angebot. „In den Spitzenzeiten sind die Busse und Bahnen in Ballungsgebieten voll“, sagt VDV-Präsident und Chef der Münchner Verkehrsbetriebe Ingo Wortmann. „Viel mehr geht nicht.“

Es mangelt an Fahrzeugen, Fahrern und bezahlbarem Wohnraum für das Personal. Allein in München müsse die Zahl der Busse auf 1000 verdoppelt werden, so Wortmann. Mit Bussen soll eine schnelle Angebotserweiterung gelingen. Bis Trams oder Züge geliefert werden können, vergeht zu viel Zeit. Der Umfang der notwendigen Investitionen sei in allen Großräumen ähnlich.

365-Euro-Ticket: Verkehrsunternehmen halten nichts von den Billigtickets

Die Einführung von 365-Euro-Jahresabos lehnt der Verband mit Blick auf drohende Einnahmeverluste von bundesweit mindestens 4 Milliarden Euro ab. Dies sei Wortmann zufolge ein Drittel der heutigen Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Der notwendige Anstieg der Einnahmen sei ohne eine Kompensation aus Steuermitteln nicht denkbar.

Der VDV führt noch ein weiteres Argument gegen die Billigtickets an. In Städten, die mit 365-Euro-Tickets experimentieren oder Fahrten zum Nulltarif anbieten, steigen zwar die Fahrgastzahlen. Doch der erwünschte Umstieg der Autofahrer auf öffentliche Verkehrsmittel stellt sich nicht ein. „Viele der zusätzlichen Kunden sind vorher Rad gefahren oder zu Fuß gegangen“, sagt Wortmann.

Erst das Nahverkehrsangebot verbessern, dann 365-Euro-Ticket

Wien, ein Vorbild für Befürworter der Billigabos, hat eine andere Strategie verfolgt. Die Stadt verbesserte das Angebot stark, bevor die Jahreskarte für einen Euro am Tag an den Start ging. Die Einnahmen wurden per U-Bahn-Steuer und höheren Parkgebühren stabilisiert. „Der erste Schritt ist der Ausbau des Systems“, sagt VDV-Geschäftsführer Oliver Wolff. Erst danach stünden Entscheidungen etwa für günstige Tickets an.

Allein mit viel Geld wird der gewünschte Umstieg vom Pkw nicht gelingen. Das spürt auch die Deutsche Bahn. Der Konzern verweigert die Abnahme von 25 neuen IC2-Zügen des Herstellers Bombardier. Die bisher ausgelieferten Exemplare weisen große Mängel auf. So soll das Bordsystem häufig abstürzen, Zugführer bräuchten eine Stunde, um das System hochzufahren. Die Probleme sind zwar schon seit einem Jahr bekannt, doch nun zieht die Bahn die Reißleine, nachdem sie nicht beseitigt wurden.

Bahn prüft offenbar Schadenersatzforderungen

Die Bahn will die konkreten Vorwürfe zwar nicht kommentieren, bestätigt aber den Vorgang an sich. „Wir setzen auf Grundlage verlässlicher Vorschläge jetzt auf eine schnelle Behebung der Mängel durch den Hersteller und prüfen darüber hinaus auch alle uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel“, sagt ein Bahnsprecher.

Letzteres ist die übliche Umschreibung für Schadenersatzforderungen. Für einen pünktlichen Betrieb bringe die Bahn nur einwandfrei funktionierende Fahrzeuge zum Einsatz. Die Deutsche Bahn will in diesem Jahrzehnt mit den Intercity-Zügen wieder alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern ans Fernverkehrsnetz anbinden. Ohne neue Züge wird es schwer, dieses Ziel zu erreichen.