Winterschlussverkauf

Hamburger Geschäfte geben Rabatte von 70 Prozent

Winterschlussverkauf. Karstadt an der Mö Wir, Foto:Andreas Laible / Funke Foto Services

Winterschlussverkauf. Karstadt an der Mö Wir, Foto:Andreas Laible / Funke Foto Services

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Die Preise sind nach dem milden Winterbeginn von Montag an erheblich reduziert – aber auch mit Vorsicht zu genießen.

Hamburg. Billig, billiger, Schlussverkauf: Auch wenn gefühlt schon seit Wochen Dauer-Sale in den Geschäften der Hamburger City ist, haben viele Einzelhändler in den vergangenen Tagen ihre Preise für Jacken, Stiefel, Pullover und Schals noch mal reduziert. In den Schaufenstern hängen großformatige Schilder, die mit Rabatten Schnäppchenjäger anlocken sollen. Bei Karstadt werden „30 Prozent zusätzlich auf bereits reduzierte Waren“ offeriert.

Das Modehaus AppelrathCüpper wirbt mit bis zu 50 Prozent Preisnachlass für den Saison-Räumungsverkauf. Teilweise werden Reduzierungen bis zu 70 Prozent versprochen. Das Schuhhaus Görtz hat laut Werbung in allen Filialen und online „insgesamt 250.000 Schuhe reduziert“. Mit dem Start des Winterschlussverkaufs (WSV) am Montag beginnt die letzte Phase der großen Rabattschlacht. „Der Endspurt“, wie City-Managerin Brigitte Engler es nennt.

Sabine Falkenhagen, Inhaberin des Hutfachgeschäfts Falkenhagen in Rathausnähe, hat kürzlich den Newsletter mit Saison-Angeboten an ihre Kunden verschickt. Unter anderem hat sie Fellkappen um die Hälfte runtergesetzt, aber auch Mützen, Schals und einige Hüte gibt es deutlich günstiger. „Die milden Temperaturen in diesem Winter wirken sich aus“, sagt sie. Vor allem warme Sachen seien liegengeblieben.

WSV-Tradition wird gepflegt

In anderen Geschäften stehen noch volle Ständer mit Daunenjacken. In einem Schuhladen in der Mönckebergstraße hat eine Verkäuferin sorgfältig in mehreren Reihen dicke Winterstiefel mit neuen Preisschildern drapiert. Im Schaufenster eines Warenhauses wird ein Damenmantel für 159,99 Euro statt für 199,99 Euro angeboten. „Die Lager sind noch gut mit Winterware gefüllt“, sagt Brigitte Nolte, Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord in Hamburg. Sie rechnet mit guten Umsätzen in den nächsten zwei Wochen. Auch bei Schuhen, Sportbekleidung, Lederwaren und Heimtextilien wollen die Händler mit Sonderangeboten Kasse machen.

Der Schlussverkauf zum Saisonende ist ein Relikt. Offiziell gibt es die Bestimmung schon seit der Reform des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb im Jahr 2004 nicht mehr. Auch die zeitlichen Vorgaben, jeweils knapp zwei Wochen Ende Januar und Ende Juli, sind weggefallen. Aber die Tradition existiert weiter – jetzt auf Empfehlung des Handelsverbandes Deutschland (HDE) auf freiwilliger Basis. Nach Verbandsangaben beteiligen sich bundesweit etwa drei Viertel der Einzelhändler am Schlussverkauf. „Viele Kunden haben den Termin in ihrem Kalender und planen ihre nächste Einkaufstour generalstabsmäßig danach“, sagt HDE-Sprecher Stefan Härtel. Vor allem in kleineren und mittleren Städten sorge der Schlussverkauf für volle Geschäfte und gute Umsätze.

In der Hamburger Innenstadt haben viele Händler schon vor Wochen mit dem Ausverkauf, der heute meist nur noch Sale heißt, angefangen. Die Steigerungen sind „Final-Sale“ oder „Sale on Sale“. Das Ziel: Aufmerksamkeit erregen, Umsätze steigern – und der Konkurrenz die Kunden abjagen. Als wichtiger Termin für den Start ins Weihnachtsgeschäft hat sich inzwischen der Black Friday vor dem letzten November-Wochenende eingebürgert, an dem viele Geschäfte Preisnachlässe von 20 Prozent auf alles gewähren. Danach dreht sich die Schnäppchen-Spirale in einer wiedergekehrten Routine bis in den Februar.

Verbraucherschützer warnen vor Schnäppchenversprechen

Dabei lassen sich vor allem die großen Ketten ungern in die Karten schauen. „Wir bieten über das ganze Jahr hinweg neue Trends und Kollektionen zum besten Preis auf nachhaltige Weise – sowohl online als auch in unseren Geschäften. Saisonale Sale-Phasen, in denen wir unseren Kunden besondere Angebote bieten, gehören ebenfalls dazu“, heißt es etwa beim Mode-Riesen H&M auf Abendblatt-Nachfrage. Aus Wettbewerbsgründen könne man dazu keine näheren Auskünfte geben.

Klar ist, dass die Kunden von dem Wettbewerb profitieren können. Zugleich ist Vorsicht geboten. Verbraucherschützer warnen davor, jedes Schnäppchenversprechen der Händler zu glauben. Ein beliebter Trick sei es, den vermeintlichen Rabatt ins Verhältnis mit einem angeblichen Normalpreis zu setzen, der oft zu hoch angesetzt ist. Auf der Suche nach Waren mit einem 70-Prozent-Nachlass hat das Abendblatt unter anderem in einem Geschäft in der Innenstadt nachgefragt. Es gab zwar etliche reduzierte Produkte, aber – zumindest auf Anhieb – nichts mit dem versprochenen Nachlass. Ein Verkäufer verwies etwas ratlos schließlich auf die Herrenabteilung im Obergeschoss. Auch in einem Streetware-Laden, der Sportschuhe und Freizeitmode verkauft und bereits seit Wochen mit Rabatten von bis zu 70 Prozent wirbt, hieß es: „Wir haben nur noch letzte Reste.“ Leider nicht in der richtigen Größe.

Der Modehandel ist seit Längerem in einer Strukturkrise. Einer der Hauptgründe ist der wachsende Online-Handel. Wie berichtet schließen in der Hamburger Innenstadt mehrere Modeläden. Der milde Winter hat der Branche in dieser Saison nicht den erhofften Aufwind gebracht. „Der Umsatz im Weihnachtsgeschäft liegt leicht unter dem Vorjahr“, sagt Axel Augustin vom BTE Handelsverband Textil. Insgesamt rechnen die Branchenvertreter für 2019 mit einem ähnlichen Ergebnis wie im schwierigen Dürrejahr 2018. In der nächsten Woche veröffentlicht der Handelsverband eine erste Bilanz für den gesamten Einzelhandel. „Schlussverkauf ist auch eine Art Schadensbegrenzung“, sagt BTE-Sprecher Augustin. Die nicht verkauften Waren sind totes Kapital, das es an die Frau oder den Mann zu bringen gilt. Er rechnet damit, das die Händler nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre in den nächsten Jahren weniger dicke Wintersachen und mehr Übergangskleidung anbieten werden. In vielen Geschäften in der Hamburger Innenstadt werden schon seit einigen Tagen die ersten Frühjahrsmodelle präsentiert.