Hamburg

Streit über gefährliche Sicherungsarbeiten im Hafen

Ein Lascher sichert einen Container auf einem Schiff im Hafen.

Ein Lascher sichert einen Container auf einem Schiff im Hafen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Charisius / picture alliance / dpa

Reeder wollen Aufgaben von eigenen Seeleuten ausführen lassen. Ver.di wirft ihnen Tarif- und Vertragsbruch vor.

Hamburg. Im Hamburger Hafen ist ein Streit über die Arbeit von Hafenarbeitern entbrannt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di wirft Reedern Tarif- und Vertragsbruch vor. Dabei geht es um Ladungssicherungsarbeiten, also das sogenannte Laschen von Ladung.

Laut einem seit dem 1. Januar dieses Jahres verbindlich geltenden Tarifvertrag zwischen dem internationalen Gewerkschaftsverband ITF und dem internationalen Arbeitgeberverband IMEC (International Maritime Employers Council) sollen diese Arbeiten auf Seeschiffen von Hafenbeschäftigten durchgeführt werden. In Hamburg dürfte das einige Hundert Beschäftigte betreffen.

Hafen Hamburg: Ver.di wirft Reedern Vertragsbruch vor

Doch immer mehr Reeder hielten sich nicht an die Vereinbarung, sondern lassen diese Arbeiten von ihren eigenen Seeleuten ausführen, moniert Ver.di. Das gelte insbesondere für die Zulieferverkehre durch kleine Schiffe (Feeder). „Das ist Vertragsbruch, und den nehmen wir nicht hin“, sagte Robert Hengster, Ver.di-Sekretär für maritime Wirtschaft.

Am Mittwoch habe Europas größter Feeder-Dienstleister Unifeeder dem Containerterminal Eurogate mitgeteilt, künftig beim Laschen auf Hafenmitarbeiter zu verzichten, am Donnerstag sei eine ähnliche Benachrichtigung an die HHLA gegangen. Unifeeder wolle Ladungssicherung zukünftig wieder durch eigene Seeleute ausführen zu lassen – anscheinend weil sich Wettbewerber wie die Reedereien X-Press, Mann Lines, Eimskip, Samskip und NCL von Anfang an nicht an die Vereinbarung gehalten hätten, so der Vorwurf von Ver.di.

Ungeklärt, ob es genügend qualifizierte Fachkräfte zum Laschen gibt

Die Arbeitgebervertreter wollen die Kritik nicht hinnehmen. Es sei richtig, dass es eine entsprechende tarifrechtliche Regelung gebe, sagte der Geschäftsführer des Verbands Hamburger und Bremer Schiffsmakler, Alexander Geis­ler. „Diese Vereinbarung gilt aber nur zwischen den jeweiligen Tarifparteien und ist entgegen der gerne gewählten Darstellung nicht allgemein verbindlich. Daher haben wir die Versuche der Gewerkschaft, die Regelung auch auf andere Ladungsarten, wie zum Beispiel Fähren, Ro-Ro-Schiffe und Projektladung, auszudehnen, kritisch gesehen.“

Zudem gebe es noch zahlreiche offene Fragen, so Geisler. Es sei weiter ungeklärt, ob in allen Häfen genügend qualifizierte Fachkräfte zum Laschen vorhanden sind und wie mit den Fällen umgegangen werden soll, in denen dieses nicht der Fall ist.

Ver.di kritisiert Vergehen der Reeder scharf

So hätten bereits zahlreiche Häfen insbesondere in der Ostsee angekündigt, dass sie nicht über die nötigen Fachkräfte verfügen. „Zu beachten ist auch, dass der Kapitän trotz des Einsatzes von externen Laschern letztlich für die Ladungssicherung und damit für die Schiffssicherheit verantwortlich bleibt“, sagte Geisler: „Hier wäre noch zu klären, wie eine Risikoverteilung erfolgen kann.“

Ver.di zufolge gefährdet das Vorgehen der Reeder jedoch den Gesundheitsschutz und die Schiffssicherheit: „Wenn die Seeleute zusätzlich zu ihren umfangreichen Aufgaben auf See, diese körperlich anstrengenden und gefährlichen Lascharbeiten während ihrer Ruhezeiten in den Häfen übernehmen, dann steht das der Arbeitssicherheit entgegen.“