Verbraucherzentrale Hamburg

Dreiste Preiserhöhung: Das ist die Mogelpackung des Jahres

Bis zum 20. Januar konnten Verbraucher abstimmen, welches Produkt die Mogelpackung 2019 ist.

Bis zum 20. Januar konnten Verbraucher abstimmen, welches Produkt die Mogelpackung 2019 ist.

Foto: Verbraucher-Zentrale Hamburg

Der Preis ist gleich, die Füllmenge reduziert. Verbraucher stimmten ab, welcher Hersteller besonders dreist die Preise erhöht hat.

Hamburg. Das Fertig-Nudelgericht Mirácoli ist die Mogelpackung des Jahres 2019. Laut der Hamburger Verbraucherzentrale hat der Hersteller Mars klammheimlich den Käse aus der Packung verschwinden lassen.

Damit nicht genug: Auch die Menge an Tomatensoße ist nun geringer. Das Nudelgericht, das mit dem Werbespruch "Mirácoli ist fertig!“ wirbt, wird diesem damit nicht mehr gerecht. Deswegen frotzeln die Verbraucherschützer: "Wir erwarten die Überarbeitung des Werbeclaims: 'Mirácoli ist fertig! Bring bitte den Käse mit!'.“

Mirácoli war eines von fünf Produkten, das für den Titel "Mogelpackung des Jahres" nominiert war. Bis zum 20. Januar konnten Verbraucher wählen, welches Unternehmen die Preise so anhoben, dass dies möglichst unbemerkt bleibt.

Mogelpackung des Jahres – so stimmten die Verbraucher ab:

  • 1. Platz mit 36,6 Prozent Mirácoli: Bei dem Fertig-Nudelgericht von Mars ist der Käse aus der Packung verschwunden. Zudem gibt es auch noch einen Klecks weniger Tomatensoße. Eines ist aber gleich geblieben: Der Preis.
  • 2. Platz mit 32,4 Prozent Hipp „Bio Direktsaft Karotte“: Bei diesem Produkt spricht die Verbraucherzentrale von einer doppelten Preiserhöhung. Der Inhalt der Flasche hat sich um 170 Milliliter von 500 auf 330 Milliliter verringert. Gleichzeitig ist der Preis aber gestiegen. Zusammen ergibt dies einen Preisanstieg von bis zu 115 Prozent.
  • 3. Platz mit 14,7 Prozent Rama "Unser Meisterstück“: Die Margarine wird in einem 350-Gramm-Becher verkauft. Zuvor passten 500 Gramm in die Verpackung. Die Margarine ist damit bei gleichem Preis um bis zu 43 Prozent teurer als die klassische Variante.
  • 4. Platz mit 8,6 Prozent Milka Darkmilk: Die Tafel Schokolade ist genauso groß wie ein 100-Gramm-Tafel, bringt aber nur 85 Gramm auf die Wagen. Laut der Verbraucherschützer ist dieses Produkt somit 18 Prozent teurer als andere Milka-Schokoladen. Der Hersteller soll das geringere Gewicht mit hochwertigeren Inhaltstoffen bewerben, wie „Schokolade mit extra Kakao“. Ein Test der Verbraucherzentrale hat aber ergeben, dass in der 100-Gramm-Tafel Milka Zartherb mehr Kakao enthalten ist.
  • 5. Platz mit 7,7 Prozent Frosties von Kellogg: Auch bei diesem Produkt wurde die Füllmenge von 375 Gramm auf 330 Gramm reduziert. Bei gleichem Preis ist das eine Preiserhöhung von 14 Prozent. Damit der Kunde dies aber offenbar nicht sofort merkt, ist die Größe des Kartons unverändert geblieben. Jetzt steckt nur mehr Luft darin. Diese versteckte Preiserhöhung beobachtet die Verbraucherzentrale auch bei anderen Produkten von Kellogg.

Die Verbraucherzentrale Hamburg kürte inzwischen zum sechsten Mal die "Mogelpackung des Jahres". Die Zahl der Beschwerden zu versteckten Preiserhöhungen und überdimensionierten Verpackungen nehme dabei immer mehr zu, so die Verbraucherschützer. 2019 gingen mehr als 2500 Meldungen bei ihr ein.

Mehr Verpackungsmüll durch versteckte Preiserhöhungen

"Mogelpackungen durch versteckte Preiserhöhungen sind leider gang und gäbe in deutschen Supermärkten“, sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Verbraucher würden mit dieser Masche ausgetrickst, denn die Pflichtangaben zum Inhalt seien oft nur im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung zu finden. "Freiwillige Hinweise zu verringerten Inhaltsmengen sucht man vergebens."

Ein weiteres Problem der versteckten Preiserhöhungen ist der steigende Verpackungsmüll, wenn lediglich die Füllmengen reduziert würden. Doch nicht nur die Hersteller allein steckten hinter den versteckten Preiserhöhungen. "Auch der Handel mischt kräftig mit. Die Supermärkte legen schlussendlich fest, zu welchem Preis ein Produkt über die Ladentheke geht." Das sei eine Win-win-Situation für Händler und Hersteller – auf Kosten der Verbraucher.

Bundesverbraucherschutzministerin Christine Lambrecht soll angekündigt haben, für mehr Klarheit sorgen zu wollen. Armin Valet: „Wir nehmen die Ministerin beim Wort und fordern eine Transparenzplattform, auf der Hersteller Füllmengenänderungen samt Preisempfehlung veröffentlichen müssen. Würden diese Informationen um die Preise des Handels ergänzt, könnten Verbraucher nicht mehr so leicht über den Tisch gezogen werden."

Die Mogelpackungen der vergangenen Jahre

Auch in den vergangenen Jahren hat die Verbraucherzentrale Hamburg bereits die Mogelpackungen des Jahres gekürt. Das waren die Gewinner und nominierten Kandidaten:

Negativpreise für Lebensmittel – Mehr zum Thema:

Nicht nur die Verbraucherzentrale Hamburg vergibt regelmäßig einen Negativpreis für Lebensmittelhersteller. Auch die Organisation Foodwatch zeichnet jedes Jahr Lebensmittelhersteller für die größten Werbelügen aus. Der „Goldene Windbeutel“ ging 2019 an ein Bio-Produkt.Foodwatch forderte kurz vor Weihnachten ein Werbeverbot für ungesunde Kindernahrung.