Handel

Neuer Trend: Hamburger bestellen online mehr Lebensmittel

Der Umsatz im deutschen Onlinehandel ist im vergangenen Jahr um 11,6 Prozent gewachsen. Foto: Arno Burgi/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Umsatz im deutschen Onlinehandel ist im vergangenen Jahr um 11,6 Prozent gewachsen. Foto: Arno Burgi/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Arno Burgi / dpa

2019 gab es fast doppelt so viele Bestellungen wie im Vorjahr. Diese Produkte ordern die Verbraucher im Internet jedoch am meisten.

Hamburg. Obst, Gemüse, Waschmittel oder gar das Steak und den Tiefkühlspinat über die Internetseite des Supermarkts zu bestellen und sich dann nach Hause liefern zu lassen, war hierzulande lange Zeit eher unüblich oder gar unbeliebt. Zu groß waren die Bedenken vieler Verbraucher, die Nahrungsmittel könnten nicht mehr frisch sein, wenn sie denn im Haushalt eintreffen. Im seit Jahren kräftig wachsenden Onlinehandel war die Warengruppe Lebensmittel ein sehr zartes Pflänzchen.

Online-Bestellung: Wachstum im Lebensmittelhandel

Nun mehren sich Anzeichen, dass sich das ändert. So waren in Hamburg im vergangenen Jahr bereits 6,0 Prozent aller Online-Bestellungen von Verbrauchern Lebensmittel. Das ist fast eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. 2018 hatten Hamburger Haushalte lediglich bei 3,6 Prozent aller Online-Bestellungen Milch, Kekse und Co geordert.

„Das größte Wachstum im E-Commerce gab es 2019 im Lebensmittelsegment“, sagte Gero Furchheim, der Präsident des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh), am Dienstag in Hamburg. Der Branchenverband stellte in der Hansestadt seinen Jahresbericht 2019 vor.

Demnach legte der Lebensmittelverkauf über Onlinekanäle gegenüber dem Vorjahr um satte 17,3 Prozent zu. Bei Bekleidung wuchs der Umsatz hingegen um 12,4 Prozent, bei Büchern, E-Books und Hörbüchern nur um 7,1 Prozent. Und auch, wenn man die fünf Jahre seit 2015 betrachtet, haben Nahrungsmittel die höchsten Zuwachsraten, noch vor Haushaltswaren und -geräten sowie den Heimtextilien.

Gemüselieferdiensten beherrschen den Markt

Es sind nicht nur große Lebensmittelhändler, die vom wachsenden Onlinegeschäft profitieren. „Einige große Anbieter haben sich im vergangenen Jahr sogar zurückgezogen“, sagte der bevh-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer. Ein erheblicher Teil des Geschäfts werde von kleineren Firmen wie etwa Gemüselieferdiensten gemacht, die Waren nur an Kunden in ihrer Region ausfahren.

Die Erkenntnisse des Verbandes beruhen zu großen Teilen auf Interviews mit etwa 40.000 Verbrauchern, die zu ihrem Verhalten und ihren Vorlieben beim Einkauf bei Versandhändlern befragt werden. Die Studie räumt auch mit dem Vorurteil auf, der Lebensmittelkauf sei vornehmlich Frauensache. Im Internet jedenfalls stehen die Männer mit 47 aller Orders den Frauen kaum nach.

Bekleidung im Wert von 14,26 Milliarden Euro

Trotz beeindruckender Zuwachsraten – gegenüber anderen Warengruppen haben die Lebensmittel im E-Commerce noch erhebliches Potenzial nach oben. So bestellten Verbraucher 2019 zum Beispiel Bekleidung im Wert von 14,26 Milliarden Euro im Internet. Knapp 30 Prozent des gesamten Modehandels in Deutschland werden mittlerweile digital abgewickelt.

Dagegen nimmt sich der Online-Umsatz mit Nahrungsmitteln noch eher bescheiden aus: Bestellt wurden Waren im Wert von 1,6 Milliarden Euro (2018: 1,36 Milliarden). In Supermärkten und Discountern – dem sogenannten stationären Handel – gingen hingegen Produkte für etwa 120 Milliarden Euro über die Laufbänder an den Kassen. Der Marktanteil der Online-Anbieter also beträgt derzeit nicht viel mehr als ein Prozent.

Jede dritte Online-Order kommt vom Smartphone

Am häufigsten bestellen Hamburger der neuen Studie zufolge Bekleidung. Mit 29 Prozent aller Bestellungen aus der Hansestadt liegen Klamotten ganz klar vorn. Das gilt allerdings auch als der wichtigste Grund dafür, dass der stationäre Modehandel in Turbulenzen geraten ist. Gleich sechs Schuh- und Modehändler zwischen Hauptbahnhof und Rathaus geben in diesen Tagen ihre Geschäfte auf.

In der Rangliste der bei Hamburger Bestellern beliebtesten Produkte (siehe Grafik) folgen Elektronik (13,4 Prozent aller Bestellungen), Schuhe (11,5 Prozent), Bücher (11,1), Haushaltsgeräte (10,1), dann kommen mit 6,0 Prozent schon die Lebensmittel. Ganz am Ende rangieren die Spielwaren (1,8 Prozent der Bestellungen).

Smartphone und Tablet zum Shoppen genutzt

Deutschlandweit – das zählt zu den bemerkenswerten Ergebnissen der Studie – ordert mittlerweile jeder dritte Onlinekäufer mehrmals pro Woche. Und immer häufiger werden dabei Smartphone oder Tablet genutzt. Ein Drittel aller Bestellungen wird über Mobilgeräte abgewickelt, vor fünf Jahren waren es noch nicht einmal 20 Prozent der Orders. Insgesamt wurden 2019 im E-Commerce in Deutschland Waren im Wert von 72,6 Milliarden Euro verkauft – ein Plus von 11,6 Prozent gegenüber 2018 (65,1 Milliarden Euro).

Im gesamten sogenannten interaktiven Handel, der auch Bestellungen von Dienstleistungen wie Flug-, Bahn- und Bustickets, Reisen und Konzertkarten sowie Bestellungen per Telefon oder Fax, Postkarte und Brief umfasst, standen sogar Erlöse von 94 Milliarden Euro zu Buche.

Der bevh erwartet, dass es in diesem Jahr erstmals mehr als 100 Milliarden Euro sein werden. Der reine E-Commerce werde dabei mit einem Zuwachs von etwa zehn Prozent auf mehr als 80 Milliarden Euro jedoch etwas weniger stark steigen als im Vorjahr, so die Prognose. Der Grund dafür seien die gedämpften Konjunkturaussichten, hieß es.

„Kein großer Trend" bei Retouren

Im Bereich der Retouren-Sendungen ist laut Studie „kein großer Trend“ zu verzeichnen. Die Rücksende-Absicht der Verbraucher sei gesunken: So hätten 87,5 Prozent der Befragten angegeben, beim Kauf keine Rücksendung geplant zu haben – etwa ein Prozent weniger als im Jahr zuvor. „Wir wissen, dass Warenvernichtung immer schlecht ist“, sagte Furchheim. „Allerdings liegt der Anteil der Waren, die vernichtet werden, im Promillebereich.“ Der Verband fordert die Änderung einer ungünstigen Umsatzsteuerregelung. Es dürfe für die Online-Händler nicht billiger sein, Ware zu vernichten, als sie zu spenden.