Hamburg

„Call-by-Call“ bleibt bis mindestens 2022 erhalten

Das Logo der Telekom auf dem Dach der Bonner Firmenzentrale.

Das Logo der Telekom auf dem Dach der Bonner Firmenzentrale.

Foto: Oliver Berg / dpa

Telekom-Festnetzkunden können aufatmen: Festnetz-Telefongesprächen zu Handys oder ins Ausland weiterhin preiswert.

Hamburg.  Im Jahr 1998 wurde die Deutsche Telekom im Zuge der Öffnung des Telekommunikationsmarktes verpflichtet, ihren Endkunden das sogenannte Call-by-Call-Verfahren anzubieten, das deutliche Einsparungen bei Festnetz-Telefongesprächen zu Handys oder ins Ausland ermöglicht. Dieses Sparmodell schien zwar bedroht, konnte jetzt aber doch für mindestens weitere drei Jahre gesichert werden, wie das Online-Verbraucherportal biallo.de mitteilt.

Drohendes Aus für Call-by-Call abgwendet

Im Laufe des Jahres 2019 hatte der Regulierer, die Bundesnetzagentur, den Endkundenmarkt für Sprachtelefonie einer regelmäßigen Prüfung unterzogen. Die Behörde sah die Telekom nicht mehr als marktbeherrschend an – deshalb sei sie auch nicht mehr verpflichtet, Call-by-Call anzubieten. Somit drohte das kommende Aus durch die EU-Kommission.

Doch die Telekom hat sich zusammen mit dem Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) und dem Deutschen Verband für Telekommunikation und Medien (DVTM) auf eine Lösung geeinigt: Das preiswerte Telefonieren über Call-by-Call bleibt für Fest­netz­kunden der Deut­schen Telekom noch bis Ende 2022 gesichert.

Spar-Vorwahl für Gespräche ins Ausland

„Die Vereinbarung zeigt, dass im Markt einvernehmliche Lösungen gefunden werden können“, wird Pascal Koppetsch, Verhandlungsführer der Telekom, von biallo.de zitiert: „Der Wettbewerb in der Telekommunikation ist mittlerweile so weit gediehen, dass immer öfter auf einen regulatorischen Eingriff verzichtet werden kann.“

Das Call-by-Call-Modell ermöglicht es Telekom-Festnetzkunden, für Telefongespräche per Vorwahl einer mit „010“ beginnenden Nummer einen anderen Wettbewerber auszuwählen, der dann das Gespräch durch sein Netz durchleitet und mit dem Endkunden abrechnet. Anrufe über die Spar-Vorwahlen kosten oft nur rund einen Cent oder weniger pro Minute.

Große Bedeutung trotz Konkurrenz

Mit dem Aufkommen neuer Ange­bote im Markt wie Flatrates, WhatsApp und Mobilfunkkommunikation sank zwar die Nutzerzahl. Doch hat das Verfahren nach wie vor Bedeutung: „Pro Jahr telefonieren immer noch Millionen Menschen etwa fünf Milliarden Minuten darüber“, sagt Steffen von Alberti, Geschäftsführer der Telekommunikationsfirma Tele2. Rund 90 Call-by-Call-Anbieter gibt es noch am Markt.

Die jetzt getroffene Vereinbarung ermöglicht laut biallo.de nun einen „sanften“ Ausstieg aus diesem Marktmodell mit einer langen Übergangszeit.