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Abendblatt-Test: Tomatensoße für Pizzateig

| Lesedauer: 7 Minuten
Unternehmerin Tanja Dettmer hat das Rezept für die Tomatensoße für die Pizza in ihrer Küche entwickelt.

Unternehmerin Tanja Dettmer hat das Rezept für die Tomatensoße für die Pizza in ihrer Küche entwickelt.

Foto: Andreas Laible

Firmen in der Region überraschen mit neuen Produkten. Wir erzählen die Geschichte dahinter. Heute: Upper Crust von pront’a tavola.

Hamburg. Der Name war das Pro­blem. Das Produkt hatte Tanja Dettmer (49) schon vor fast zwei Jahren zu Hause in ihrer Küche kreiert, seitdem unzählige Male gekocht, das Rezept perfektioniert – und dabei permanent über einen Namen nachgedacht. Doch irgendwie schien keiner der Einfälle richtig zu passen. Weder zu der neuen Soße, noch zu den anderen Produkten im Sortiment, die Talking Italian, Basic Instinct, Office Affair oder Lovers Delight heißen. Also überlegte die 49-Jährige weiter und weiter und weiter. Bis sie schließlich auf den passenden Namen kam. Im Urlaub auf Jersey, bei der Besichtigung eines Freilichtmuseums. Als es bei der Führung irgendwann um „Upper Crust“ ging, die oberste Schicht frisch gebackener Brote, wusste die Hamburgerin sofort, dass ihr Produkt so heißen soll. Schließlich handelt es sich um eine Soße für Pizzateig.

Nachdem Tanja Dettmer seit fast 15 Jahren mit ihrer Firma pront’a tavola Soßen für Pasta kreiert hat, betritt sie jetzt neuen Boden. Die Idee dazu entstand zu Hause in der Küche. „Da wir selbst gerne Pizza essen, aber keine leckere Soße dafür finden konnten, haben wir sie kurzerhand selbst gekocht“, sagt Dettmer und erzählt, dass dies einst auch der Auslöser für die Firmengründung war. Weil sie als Fotodesignerin meist bis spät abends arbeiten musste, kochte sie sich danach meist nur schnell Pasta mit Soße. „Doch egal, welches Fertigprodukt ich ausprobiert habe – so richtig geschmeckt hat mir keins.“

Also begann sie, die fertigen Soßen mit Knoblauch, Öl und weiteren Zutaten zu verfeinern – und irgendwann komplett selbst zu kochen. Mit italienischen Tomaten und frischen Kräutern, langsam eingekocht, bis die Soße eine üppige Konsistenz hat. Dann erging es ihr wie so vielen Start-ups.

Suche nach einem Produzenten dauerte Jahre

Nachdem sie die Soße ein paar Male für Essen mit Freunden gekocht hatte, wurde sie ermutigt, daraus ein Geschäftsmodell zu machen. „Da musste ich allerdings erst mal alle Rezepte aufschreiben und jede Zutat mit der Briefwaage abwiegen“, erinnert sich Dettmer, die bis dahin ihre Soßen jedes Mal „aus dem Bauch heraus“ gekocht hatte – in einem großen Topf. Weil dabei aber nach vier Stunden Arbeit nur zwölf Gläser à 350 Milliliter herauskamen – wurde schnell klar, dass sie die Produktion auslagern muss.

Doch die Suche nach einem Produzenten dauerte Jahre. Sie probierte es in einer Firma für Fernverpflegung, die jedoch die Rezepte stark vereinfachen wollte. Danach landete sie in einer Großküche, wo sie wieder selbst kochen musste – und die Räume nur nachts nutzen durfte. Bis sie schließlich einen Koch fand, der die Soßen strikt nach ihren Vorgaben in einer Küche für Kindergarten-Verpflegung herstellt. „Länger hätte die Suche auch nicht dauern dürfen“, sagt Tanja Dettmer und wird immer noch nervös, wenn sie daran denkt, wie die Nachfrage nach ihren Soßen immer größer wurde – ohne, dass es eine geeignete Produktionsstätte gab.

Manchmal wundert sich die Gründerin selbst noch darüber, wie schnell der Vertrieb plötzlich ging. Wie sie die Soßen zuerst nur im Blumenladen eines Freundes verkaufte, dann in einem Klamottenladen um die Ecke und schließlich im Frischeparadies landete. „Das war ein unglaublicher Multiplikator. Plötzlich gab es eine Anfrage von Edeka Niemerszein“, sagt Dettmer, die ihre Produkte in den ersten Jahren morgens vor der Arbeit selbst mit ihrem eigenen Pkw abgeholt und an die Händler ausgeliefert hat.

Erhältlich bei Händlern von Hamburg über Sylt bis Berlin

Heute beschäftigt sie einen Vertriebler, der das für sie übernimmt. Heute, wo ihre Tomatensoßen bei mehr als 50 Einzelhändlern erhältlich sind, wo es pront’a tavola von Hamburg über Sylt bis nach Düsseldorf und Berlin gibt. Heute, wo aus einer Sorte zehn geworden sind. Zehn Pastasoßen plus eine für Pizza. Wie alle Produkte wird auch Upper Crust ohne Geschmacksverstärker, Bindemittel, Zucker, Farb- und Konservierungsstoffe hergestellt – aus geschälten italienischen Tomaten. Immer wieder wird Dettmer gefragt, warum sie keine frischen Tomaten verwendet. „Weil ich ja das ganze Jahr über welche brauche – das ist mit frischen Tomaten nicht in der gleichen Qualität ganzjährig möglich“, antwortet die Unternehmerin dann.

Sie lässt sich nicht beirren, hält an ihrem Erfolgsrezept fest. Immer noch wird bei pront’a tavola jede Soße in Handarbeit hergestellt und zeitaufwendig eingekocht. Drei Stunden dauert das etwa. Drei Stunden, in denen aus 120
Litern 80 werden. Das hat seinen Preis: Zwischen 4,29 und 5,90 Euro kostet ein Glas à 350 Milliliter. Und obwohl Tanja Dettmer knapp 30.000 Gläser pro Jahr verkauft hat, kann sie von den Einnahmen alleine noch nicht leben – sie arbeitet nebenbei weiter als Fotodesignerin. Stört sie aber nicht. Sie mag den Job. Beide Jobs.

Ziemlich konventionell für ein Manufakturprodukt

  • Das Produkt: Upper Crust ist eine Tomatensoße für Pizzateig von der Hamburger Manufaktur pront’a tavola. Sie dient als Basis für Pizzen und wird einfach auf den Teig gestrichen, der danach belegt werden kann.
  • Zutaten/Nährwertangaben: Die Soße besteht aus Tomaten, Knoblauch, Oregano und Salz. Sie wird ohne Geschmacksverstärker, Bindemittel, Zucker, Farb- und Konservierungsstoffe hergestellt. Der Zuckergehalt (aus den Tomaten) liegt bei 2,3 Gramm. 100 Gramm haben 16 Kalorien und 0,15 Gramm Fett. Das ist im Vergleich zu anderen Produkten wenig.
  • Verfügbarkeit/Preis: Die Soße wird es bei etwa 50 Einzelhändlern (vor allem Edeka) geben. Ein Glas mit 350 Milliliter reicht für ein Blech Pizza und kostet etwa 4,29 Euro. Wie so häufig bei Manufakturprodukten also recht viel.
  • Geschmack/Konsistenz: Upper Crust ist etwas dünnflüssiger als die anderen Soßen aus dem Unternehmen, da ein Teil der Flüssigkeit beim Backen der Pizza noch verdampft. Zugleich ist sie etwas stückiger als Vergleichsprodukte. Die Soße riecht angenehm nach Tomate und lässt sich gut verarbeiten. Der Geschmack ist dezent und wird von den Tomaten dominiert. Die meisten Tester befanden die Soße daher zwar als lecker – zugleich aber als ein nicht besonders ungewöhnliches Produkt. Viele hätten sich eine stärkere geschmackliche Abgrenzung zu anderen Pizzasoßen gewünscht.
  • Fazit: Die Soße ist wie eine Pizza – sehr praktisch, sehr lecker – aber kulinarisch recht gewöhnlich. Wer auf einen ähnlich exotischen Geschmack hofft wie bei den Pastasoßen von pront’a tavola, wird enttäuscht. Wer es bodenständig mag und bereit ist, den Preis zu bezahlen, für den ist Upper Crust richtig. Wir vergeben 3 von 5 Sternen. nik

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