Verbandstreffen

Reederpräsident kritisiert das SPD-Wahlprogramm

Alfred Hartmann ist Präsident des Verbands deutscher Reeder

Alfred Hartmann ist Präsident des Verbands deutscher Reeder

Foto: Marcelo Hernandez

Alfred Hartmann vermisst Rückendeckung aus der Politik für die maritime Branche. 230 Gäste beim Dinner im Hotel Atlantic.

Hamburg.  Die deutschen Reeder beklagen fehlende Möglichkeiten zu einer Betankung von Schiffen mit Flüssigerdgas in Hamburg. Immer mehr Schiffe würden gebaut, die mit Liquefied Natural Gas (LNG) betrieben werden. Zahlreiche Häfen richteten sich darauf ein. In Hamburg gebe es noch keine Lösung, außer die Anlieferung des Flüssigerdgases mit Lkw, was aus Umweltgründen überhaupt keinen Sinn mache, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Reeder (VDR), Alfred Hartmann, dem Abendblatt.

„Bei dem Thema mauern noch einige Institutionen. Ich bin gespannt wie Hamburg reagiert, wenn die ersten großen Schiffe mit LNG-Antrieb in den Hafen kommen, und ob wir sie jemals in dieser Stadt betanken können“, sagte Hartmann kurz vor dem Reederessen, dem traditionellen Verbandstreffen zum Jahresabschluss.

Generell fordert Hartmann von Hamburg mehr Beachtung für die Belange der Reeder – insbesondere mit Blick auf die bevorstehenden Bürgerschaftswahlen. „Ich würde mir wünschen, dass die Schifffahrt auch in Hamburg wieder mehr auf die Agenda kommt. Es stehen ja Bürgerschaftswahlen an, aber wenn ich mir beispielsweise das Wahlprogramm der SPD anschaue, kommt die Schifffahrt nur wenig vor, obwohl sie immer noch einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Hansestadt ist. Da fehlt mir der Rückenwind“, sagte Hartmann dem Abendblatt.

Klimaschutz eines der Hauptthemen

Rund 230 Reeder und politische Gäste waren am Donnerstag zu Gans, Rotkohl und Kartoffelklößen im Hotel Atlantic geladen. Eines der Hauptthemen waren die Herausforderungen des Klimaschutzes. Hartmann äußerte sich in diesem Zusammenhang kritisch zur Forderung der Umweltminister der Länder nach einer Landstrompflicht für alle Schiffe in Häfen.

„Wenn wir alle Liegeplätze in den norddeutschen Häfen mit Landstrom versorgen wollen, müssen wir neue Kraftwerke bauen, denn das wird die Windenergie allein nicht leisten können. Es ist aber nicht sinnvoll, neue Kohlekraftwerke zu bauen, wenn der Strom an Bord mit sauberem Gasöl weniger umweltbelastend produziert werden kann.

Reeder schauen optimistischer in die Zukunft

Landstromversorgung mache vor allem für Passagierschiffe mit regelmäßigen Routen Sinn, die im Hafen einen hohen Energiebedarf haben. Der deutschen Schifffahrtsindustrie geht es nach zehn Jahren Krise laut Hartmann wieder ein wenig besser. Der Frachtenmarkt sei wieder auskömmlicher. „Wir Reeder schauen insgesamt etwas optimistischer in die Zukunft und hoffen, die lange Krise bald als vergangen betrachten zu können.“

Drücken würden aber noch Altlasten. „Es sind noch immer eine Reihe von Schiffen in Fahrt, die zu Boom-Zeiten bestellt wurden, die aus heutiger Sicht zu teuer waren und deren Kredite während der Krise nicht getilgt werden konnten.“ Hinzu komme, dass sich nach der HSH Nordbank nun auch die Norddeutsche Landesbank komplett aus der Schifffahrt verabschiedet.

„Da geht es um 1200 Schiffe, deren Kredite nun günstig verscherbelt werden. Das drückt auf den Markt“, so Hartmann. Die Mehrzahl dieser Schiffe gehe ins Ausland, weil hierzulande die Kapitalbeschaffung kaum mehr funktioniere. „Das belastet die deutschen Reeder zusätzlich.“