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Herrenausstatter Braun zurück an der Mönckebergstraße

Lars Braun vor der Filiale in der Mönckebergstraße, die Sonnabend eröffnet

Lars Braun vor der Filiale in der Mönckebergstraße, die Sonnabend eröffnet

Foto: Sebastian Becht / HA

Nach dreimonatigem Umbau ist der Hamburger Luxus-Herrenausstatter wieder am traditionellen Standort. Inhaber kündigt Pop-Up-Shops an.

Hamburg. Eigentlich gehört gepflegte hanseatische Gelassenheit beim Herrenausstatter Braun in Hamburg zum Geschäftsmodell. Aber wenige Stunden vor der Wiedereröffnung des Ladens im Stammhaus an der Mönckebergstraße ist Lars Braun doch eine gewisse Nervosität anzumerken.

In schnellen Schritten durchquert er den Eingangsbereich im Erdgeschoss, schlängelt sich geschickt an Handwerkern und Baumaterial vorbei – ohne in seinem edlen blauen Zwirn irgendwo anzuecken. „Wir haben das Geschäft einmal komplett auf den Kopf gestellt“, sagt der 49-Jährige, der den Luxus-Herrenausstatter in dritter Generation führt.

Braun hat 1,6 Millionen in Modernisierung investiert

Das kann man fast wörtlich nehmen. Die Verkaufsfläche in dem schmalen Raum ist mit Holzlamellenwänden aus heller Esche, hohen Spiegeln und anthrazitfarbenen Lederpaneelen neu gestaltet. Das Zwischengeschoss wurde herausgerissen. Stattdessen führt eine elegant geschwungene Stahltreppe mit Lederhandlauf in die oberen Räume.

Während andere Modehändler Standorte auch in Hamburg schließen, hat Braun 1,6 Millionen Euro in die Modernisierung investiert – und expandiert. Knapp drei Monate hat der Umbau gedauert. „Das Geschäft hatte nicht mehr allererste Güte“, sagt er. „Aber wenn man der erste am Platz sein will, muss das äußere Erscheinungsbild dazu passen.“

"Braun ist Mönckebergstraße" ,sagt der Inhaber

Viele hätten ihn gefragt, warum er das in Zeiten des immer stärker wachsenden Onlinehandels noch tue. „Braun ist Mönckebergstraße“, sagt der stilbewusste Geschäftsmann, dessen Großvater Erich Braun das Familienunternehmen vor mehr als 85 Jahren gegründet hatte und der nun zu den letzten selbstständigen Händlern in der City gehört.

Aber auch wenn etwas immer so war, müsse es nicht so bleiben, erklärt der Enkel nüchtern. Braun macht einen erheblichen Teil des Umsatzes über den Online-Shop. Der Umbau ist für ihn deshalb auch ein Bekenntnis. „Ich bin sehr stolz, in Zeiten, in denen viele Händler nicht mehr an den stationären Handel glauben, unserer Stammhaus gänzlich neu auszurichten“, so Lars Braun. „Das ist nicht nur eine Investition in die Marke Braun, sondern natürlich auch in den Standort Hamburger Innenstadt.“

Pop-Up-Shops im "No.3 by Braun" ab Frühjahr 2020

Künftig ist der Herrenausstatter, der 2014 mit einer Filiale in die Kaisergalerie an den Großen Bleichen gezogen war, sogar noch mit einem weiteren Geschäft in den Top-Einkaufslagen zwischen Hauptbahnhof und Gänsemarkt vertreten. Das Ausweichquartier während der Umbauphase an der Ecke Speersort/Ida-Ehre-Platz, früher Sitz von Spielzeug Rasch und zuletzt der Sportschuhmarke Asics, sei längerfristig angemietet, kündigte der Chef an.

„No. 3 by Braun“ heißt der neue Ableger. Im Erdgeschoss gibt es während des Weihnachtsgeschäfts exklusive Sportswear. Im Januar findet auf der 800-Quadratmeter-Fläche der Saison-Ausverkauf statt. „Von März an werden wir dort gemeinsam mit großen Marken Pop-up-Shops realisieren.“ Im ersten Stock der Immobilie erweitert Braun die Logistikflächen für den Online-Versand.

Bei Braun kann ein Anzug schon mal 5000 Euro kosten

Alle Braun-Stores sind nahe am Firmensitz in der Mönckebergstraße. Kurze Wege sind Lars Braun wichtig. Sein Büro ist vier Stockwerke über dem Stammgeschäft. Dazwischen sind die kaufmännischen Abteilungen, Lager, Änderungsatelier und Fotostudio sowie die Mitarbeiter des Online-Shops untergebracht.

Seit er 1996 neben Vater Jean Braun in das Unternehmen eingestiegen ist, ist die Zahl der Beschäftigen auf knapp 130 gestiegen. Dabei setzt Lars Braun auf den konsequenten Ausbau der eigenen Marke. Im Sortiment hat der Hamburger Händler internationale Luxusanbieter wie Brioni, Moncler oder Brunello Cucinelli. Da kann ein Anzug schon mal 5000 Euro kosten und eine Cashmere-Strickjacke 3200 Euro.

Was ins Sortiment kommt, entscheidet der Chef selbst – vom Sakko bis zur Socke. Dafür ist er europaweit bei Modeherstellern und auf Messen unterwegs. „Unsere Aufgabe ist es, Marken geschickt zu kombinieren“, sagt der große schlaksige Unternehmer, der am Montag schon wieder auf dem Weg nach Mailand ist.

Braun wächst – gegen den Trend im Einzelhandel

Das Geschäft läuft – gegen den Trend. Während die Branche mit Umsatzrückgängen zu kämpfen hat, verbuchte Braun im vergangenen Jahr 25 Millionen Euro. „2019 wachsen wir um 13 bis 14 Prozent“, sagt er. Entscheidend für den Erfolg sei versiertes Fachpersonal. „Die Kultur unserer Firma ist bedienen.“

Allerdings erwirtschaftet Braun die Hälfte der Erlöse inzwischen online. Etwa 30 Prozent der Kunden hätten sich bereits auf der Internetseite einen Überblick verschafft, bevor sie in den Laden kommen. „Unser Online-Shop ist ein Schaufenster.“ Unterstützt wird die Entwicklung von dem wachsenden Modebewusstsein. „Männer sind eitler geworden, Gott sei Dank“, sagt Braun.

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Durcheinander kurz vor der Wiedereröffnung

Dabei hat der Chef die Modetrends im Blick. „Der anhaltend größte Trend ist Streetwear mit plakativen Labelings, die wir mit Designern, wie Stone Island und Moncler auch abbilden“, sagt der Unternehmer, der „persönlich einen klassischen, leisen Look von hervorragender Qualität bevorzugt, der kleine Highlights zulässt, aber nicht davon lebt“.

Bis zur Eröffnung des neuen Ladens am Sonnabend tritt die Kleidungsauswahl wohl aber in den Hintergrund. Der Familienvater, der mit Frau und vier Töchtern im Hamburger Westen lebt, wird auch nur wenig Zeit zu Hause verbringen, sondern die Handwerker dirigieren. Ein versehentlich angebohrtes Abwasserrohr hatte die Bauarbeiten zum Schluss noch ziemlich durcheinandergebracht. „Aber es wird alles fertig“, sagt Lars Braun. Stil verpflichtet.