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Spinning-Kurse live aus New York in Hamburg machen

| Lesedauer: 4 Minuten
Wolfgang Horch
Die Manager Kevin Cornils (links) und Martin Richter stehen im neuen Hamburger Geschäft von Peloton an der Bleichenbrücke.

Die Manager Kevin Cornils (links) und Martin Richter stehen im neuen Hamburger Geschäft von Peloton an der Bleichenbrücke.

Foto: Marcelo Hernandez

US-Unternehmen Peloton stellt Spinning-Räder her und eröffnet neues Geschäft zum Verkauf in Hamburg – Kunden können dort testen.

Hamburg.  Cody Rigsby sitzt in einem New Yorker Studio auf einem Spinning-Rad und gibt Kommandos. „In zehn Sekunden den Widerstand auf 30 bis 40 und die Trittfrequenz auf 90 bis 100 erhöhen“, sagt der Fitnesstrainer. Das ganze wird untermalt von Popmusik. Dann spricht er zwei Teilnehmer mit Namen an und gratuliert ihnen zum jeweils 800. Kurs, den sie gerade machen. Sehen kann der Coach die Sportler nicht. Zwar tritt Rigsby auch vor rund drei Dutzend Teilnehmern im New Yorker Studio in die Pedalen. Die meisten Radfahrer sitzen aber zu Hause auf dem Rad. Rigsbys Kurs wird mit vier Kameras aufgezeichnet und in die Welt gestreamt – ab sofort auch in ein neues Geschäft in Hamburg.

Am Mittwoch feiert Peloton den Marktstart in Deutschland. An der Bleichenbrücke in der Innenstadt und an der Düsseldorfer Königsallee eröffnen die bundesweit ersten beiden Filialen der US-Firma. „Die Deutschen lieben Technologie, deshalb starten wir hier“, sagt Martin Richter, Deutschland-Manager von Peloton am Dienstagnachmittag, und ergänzt, dass der heimische Fitnessmarkt der größte in Europa sei. „Und Hamburg ist bekannt für seine Fitnessenthusiasten.“

Das Rad kostet 2290 Euro

Peloton versteht sich als eine Mischung aus Fitness-, Technologie- und Medienunternehmen, das laut Eigenbeschreibung „die Fitnessbranche revolutioniert“. Die Firma hat ein Spinningrad – vereinfacht gesagt einen Fahrrad-Heimtrainer, der normalerweise in Fitnessstudios für Spinning-Kurse genutzt wird – entwickelt und vertreibt es nun in der Bundesrepublik. Für die Nutzung zu Hause. 2290 Euro inklusive Lieferung und Aufbau kostet das 61 Kilo schwere Karbonstahl-Gerät, das man nun an der Bleichenbrücke kaufen kann. Auch eine Finanzierung über drei Jahre bietet die Firma an.

Das Bike hat im Vergleich zu normalen Spinningrädern zwei Unterschiede. Über dem Lenker ist ein 22 Zoll großer Touchscreen montiert, auf dem zum Beispiel der Kurs von Rigsby aus New York live übertragen wird. Musik und Kommandos kommen aus eingebauten Boxen. Zudem kann auf eine Bibliothek mit gut 1000 aufgezeichneten Kursen zurückgegriffen werden, für die deutsche Untertitel angeboten werden. Es kann nach Musikstil, Coach und Dauer (fünf bis 90 Minuten) gefiltert werden. Eine Rangliste am Bildschirmrand zeigt die Leistung anderer Sportler. Das Kursangebot kostet zusätzlich. 39 Euro müssen Kunden jeden Monat für das Abonnement zahlen – rechnet sich das in einem Markt, in dem Fitnessstudios mit Kampfpreisen für 19,90 Euro pro Monat locken?

Peloton hat schon 1,6 Millionen Mitglieder

„Peloton bietet etwas einzigartiges an“, sagt Kevin Cornils, Peloton-Topmanager aus der Europa-Zentrale in London. „Es gibt das Studio-Erlebnis – aber in den eigenen vier Wänden. Und man kann das Work-out machen, wann man will.“ Während Fitnessstudios pro Person ihren Beitrag erheben, können an einem Peloton-Rad beliebig viele Nutzer-Profile angelegt werden.

Die Firma wurde 2012 gegründet und zählt in den USA, Kanada und Großbritannien 1,6 Millionen Mitglieder. „Nach einem Jahr bleiben uns 95 Prozent der Kunden treu, nach zwei Jahren 87 Prozent“, sagt Cornils. Im Schnitt trainieren sie elf Mal pro Monat. Deutschland ist nun der vierte Markt für Peloton. In den nächsten Wochen folgen Filialen in Frankfurt und Köln, 2020 in München und Berlin. Das Geschäft in Hamburg ist 180 Quadratmeter groß und erstreckt sich über zwei Etagen. Mit Blick auf den Alsterfleet sind auf den sieben Bikes nach Voranmeldung auch Testtrainings möglich – Umkleiden und Duschen sind vorhanden.

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