Wassersport

Warum Marinetaucher durch die Messehalle schwimmen

Hamburg Boat Show. Ein Marinetaucher führt sein Atemgerät vor, mit dem er bis in 54 Meter Tiefe tauchen kann.

Hamburg Boat Show. Ein Marinetaucher führt sein Atemgerät vor, mit dem er bis in 54 Meter Tiefe tauchen kann.

Foto: Marcelo Hernandez / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Hamburg Boat Show lockt Besucher mit 200 Booten und vielen Extras. Profis geben Freizeitsportlern Tipps und Schnupperkurse.

Hamburg. Bewegungslos schwebt ein Taucher im Wasser. Keine verräterischen Luftblasen steigen auf. Ein spezielles Atemgerät sorgt dafür. Plötzlich macht der Taucher zwei kräftige Beinschläge und ist weg. Zu sehen gibt es das nicht am Meer oder an der Elbe, sondern in den Messehallen. Hier ist seit Mittwoch wieder die Hamburg Boat Show zu Gast, die Messe für Wassersportler.

300 Aussteller zeigen 200 Boote von der Jolle bis zur Luxusyacht, dazu Surfbretter, Kiteboards und – ganz neu – Ausrüstung für den Unterwassersport. In einem Tauchturm in der Halle B7 gibt es Vorführungen des DLRG und von Marinetauchern der Bundeswehr. Und wer Lust bekommt, mit abzutauchen, für den bieten die Unterwasserspezialisten auch Schnupperkurse an. Das ist die Besonderheit der Bootsmesse: Vieles ist zum Mitmachen. Dazu zählt auch ein Motorboot-Simulator und ein Segeltörn mithilfe einer Virtual-Reality-Brille.

Neue Messe nach dem Aus der Hanseboot findet zum zweiten Mal statt

Es ist die zweite Auflage der Bootsmesse in Hamburg nach dem Aus für die Hanseboot 2017. Das Besondere an dieser Verkaufsschau: Der Deutsche Boots- und Schiffbauerverband (DBSV) mit Sitz in Hamburg richtet sie selbst aus, nachdem die Hamburg Messe die Hanseboot wegen rückläufiger Besucherzahlen eingestellt hatte.

Weil aber die Bootsbauer vom Messewesen nicht so viel verstehen, haben sie sich mit der Messe Friedrichshafen einen professionellen Partner dazugeholt. Die Messegesellschaft vom Bodensee gehört zu den führenden Veranstaltern in Sachen Freizeitmessen und veranstaltet seit 2018 jährlich zusammen mit dem DBSV die Hamburg Boat Show. Mit Erfolg. „Wir präsentieren in diesem Jahr 20 Boote mehr als 2018“, sagt DBSV-Geschäftsführer Claus-Ehlert Meyer. „Es ist auch eine Reihe von Neuheiten dabei.“

Wie das Diving Center in Halle B7. In der Halle B6 zieht die 15 Meter lange Motoryacht Elling E4 viele Blicke auf sich, auch wenn sie sich kaum jemand leisten kann: Der Listenpreis liegt bei immerhin 706.400 Euro.

Neuheit auf der Hamburg Boat Show ist ein Wohnwagen, der auch schwimmen kann

Ebenfalls in Halle B6: das Caravanboat, für Wassersportler, die sich nicht entscheiden können, ob sie ihren Urlaub lieber auf dem Campingplatz oder auf dem Wasser verbringen wollen. Das rollende Hausboot kommt von einer Hamburger Firma. Es bietet bis zu fünf Schlafplätze, Klimaanlage sowie große Panoramafenster.

Und wer keine Lust mehr hat, an der Müritz zu campen, sondern lieber direkt auf die Müritz will, lässt seinen Camper vom Trailer einfach ins Wasser gleiten, wo er sich mit einem 15-PS-Außenborder vorwärtsbewegt. Zu haben ist der „schwimmende Wohnwagen“ für 120.000 Euro inklusive Trailer. „Wir bauen aber auch günstigere Basisversionen“, sagt Tom Rademacher, Leiter der Kunststofftechnik bei der deutschen Composite GmbH. Ein Bootsführerschein ist dafür übrigens nicht notwendig.

Zudem zeigt die Messe, dass auch die Klimadiskussion bei den Freizeit-Wassersportlern eine immer größere Rolle spielt. Glasfaserverstärkter Kunststoff hat den Sportbootbau vor mehr als einem halben Jahrhundert revolutioniert und ist bis heute mit Abstand das Rumpf- und Deckmaterial Nummer eins. Das Thema Nachhaltigkeit von GFK-Sportbooten wird den Eignern aber spätestens­ dann bewusst, wenn sie ihre Boote und Yachten entsorgen wollen und diese als Sondermüll deklarieren müssen. Deshalb drängen biobasierte Epoxidharze­ auf den Markt.

Weltumsegler Burghard Pieske baut ein Wikingerschiff

In Halle B5 begegnet man einer Legende, dem Abenteurer Burghard Pieske, der mit Bootsbauauszubildenden aus Travemünde gerade die Form eines neuen Wikingerschiffes vorbereitet. Der Geografielehrer mit Kapitänspatent segelte 1977 bis 1987 mit einem selbst gebauten Katamaran um die Welt und veröffentlichte seine Erlebnisse in drei Büchern. Im Rahmen dieser Weltumsegelung wurde ihm für die erste Ost-West-Umrundung Kap Hoorns mit einer Yacht unter deutscher Flagge 1980 der Trans-Ocean-Preis verliehen. Später fuhr er mit einem nachgebauten Wikingerschiff auf den Spuren des isländischen Entdeckers Leif Eriksson über den Atlantik.

Heute bietet der 75-Jährige in einem sozialen Projekt Jugendlichen mit kriminellem Hintergrund oder Drogenvergangenheit eine Chance zur Eingliederung in die Gesellschaft. Er und seine Mitarbeiter rudern mit den Jugendlichen in selbst gebauten Wikingerschiffen auf historisch verbürgten Wikinger-Routen durch Europa. „Wir nehmen sie bei den Expeditionen hart ran, geben ihnen aber auch wieder eine Orientierung“, sagt der Pädagoge über seine Schützlinge. Er erreiche nicht alle. „Aber 20 Prozent kriegen dann wirklich die Kurve, machen einen Schulabschluss, eine Ausbildung und finden einen Job“, sagt Pieske. Dann widmet er sich wieder seinem neuen Wikingerschiff. „Hier bauen Jugendliche mit Job für Jugendliche ohne Job ein neues Boot. Ist das nicht toll?“, sagt er.

Erwartet werden 30.000 Besucher

30.000 Besucher will die Hamburg Boat Show in diesem Jahr anziehen. Bei der Premiere 2018 waren es etwas mehr als 27.000. Für die Bootsbauer ist die Messe ein wesentliches Standbein ihres Vertriebs. Es kommen aber auch immer häufiger Besucher, die kein Boot haben und auch keines kaufen wollen, erzählt DBSV-Geschäftsführer Meyer. „Viele verzichten inzwischen aufgrund der Kosten auf ein eigenes Boot, sondern mieten sich eines für die Urlaubswochen. Deshalb wächst der Chartermarkt ständig. Auf der Messe bekommen auch diese Besucher eine fachliche Beratung.“

Wassersportmesse

Die Hamburg Boat Show hat noch bis Sonntag täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Freitag bis 20 Uhr. Die Tageskarte kostet an der Kasse 14 Euro, im Online-Verkauf ist sie 2 Euro günstiger. Die Familienkarte kostet 29 Euro, wobei der Eintritt für Kinder unter sechs Jahren kostenfrei ist. Wem das zu viel Geld ist, für den eignet sich das sogenannte Sunset-Ticket für 6 Euro, das an der Kasse ab 16 Uhr verkauft wird. Neben den Ausstellungsstücken gibt es zahlreiche Mitmachangebote und auf drei Bühnen Vorführungen und 250 Fachvorträge. Nähere Informationen dazu unter www.hamburg-boat-show.de im Internet.