Insolvenz

Senvion: Nur 70 Hamburger Beschäftigte behalten ihre Jobs

Die Zentrale des Windenergieanlagenherstellers Senvion am Überseering in der City Nord.

Die Zentrale des Windenergieanlagenherstellers Senvion am Überseering in der City Nord.

Foto: picture alliance / Markus Scholz

Spanische Siemens-Tochter Gamesa übernimmt für 200 Millionen Euro Teile des Windanlagen-Bauers. Bleibt die Zentrale in Hamburg?

Hamburg. Nach dem Verkauf von Teilen des insolventen Windkraftanlagen-Bauers Senvion an den großen Konkurrenten Siemens Gamesa, werden nur etwa 70 der einst gut 500 Beschäftigten in der Hamburger Konzernzentrale ihren Arbeitsplatz behalten.

Weitere etwa 150 Mitarbeiter bleiben zunächst noch einige Monate im Unternehmen, um laufende Projekte wie den Bau eines neuen Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee abzuschließen und den Wechsel zum neuen Eigentümer zu organisieren.

Senvion: Größter Teil der Beschäftigten muss bis Mitte 2020 gehen

Sie verlieren jedoch bis spätestens Mitte 2020 ihre Jobs, andere Beschäftigte sind bereits in eine Transfergesellschaft gewechselt. Gut ein halbes Jahr nachdem der Konzern Insolvenz angemeldet hatte, gab es zuletzt in der Konzernzentrale am Überseering weniger als 400 Mitarbeiter, die anderen hatten Senvion bereits verlassen.

Siemens Gamesa hatte die Übernahme wesentlicher Teile von Senvion am Montag perfekt gemacht. Die spanische Siemens-Tochter bezifferte den Kaufpreis für die Dienstleistungs- und Wartungsverträge für Windräder auf dem europäischen Festland, alle Senvion-Patente sowie die Rotorblatt-Produktion in Vagos (Portugal) auf 200 Millionen Euro.

Damit seien 2000 Arbeitsplätze – insgesamt etwa 60 Prozent aller bei Senvion noch verbliebenen Stellen – gerettet, hieß es. „Die Einbindung der Service-Geschäftsbereiche von Senvion ermöglicht es uns, das Wachstum in einem wichtigen Marktsegment voranzutreiben“, sagte Siemens Gamesa-Vorstandschef Markus Tacke.

In Deutschland sind 490 von 1400 Jobs gerettet

In Deutschland übernimmt das Unternehmen mit Sitz in Spanien allerdings nur 490 von zuletzt noch 1400 Mitarbeitern. Der Verkauf soll bis Ende März abgeschlossen sein. Erst danach wird sich abzeichnen, ob die übernommenen Senvion-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz dauerhaft in Hamburg haben werden, oder ob Abteilungen an andere Standorte umziehen. „Zu den Standorten im Einzelnen können wir vor dem endgültigen Abschluss der Übernahme keine weiteren Angaben machen“, sagte ein Sprecher von Siemens Gamesa auf Anfrage des Abendblatts.

„Wir gehen davon aus, dass die Arbeitsplätze bis auf Weiteres am Überseering angesiedelt sein werden“, sagte Andreas Günther, der Vorsitzende des Senvion-Betriebsrats am Standort Hamburg. Bernhard Band, der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, betonte: „Wir sind erleichtert, dass nach mehr als sechs Monaten jetzt endlich Klarheit herrscht, und dass zumindest ein Teil der Beschäftigten wieder unbefristet arbeiten kann.“

Mehr als sechs Monate Verhandlungen mit Senvion

Die Suche nach einem Investor und die Verhandlungen hatten sich immer wieder verzögert. „Es war ein langer und steiniger Weg“, sagte Senvion-Vorstandschef Yves Rannou. „Aber ich bin überzeugt, dass der neue Eigentümer eine gute Zukunftsperspektive für den Geschäftsbereich bietet.“

Der Rest des Europa-Geschäfts – unter anderem die Fertigung in Bremerhaven – werde abgewickelt, erklärte Senvion. Für das Geschäft in Indien und die Service-Verträge außerhalb Europas hat das Unternehmen weiter die Hoffnung, Käufer zu finden. Die Sondierungsgespräche würden fortgesetzt, hieß es.

Mit Senvion verschwindet ein Pionier der Branche

„Es ist schmerzhaft zu sehen, wie mit Senvion ein Pionier der Windkraftbranche in Deutschland vom Markt verschwindet und hunderte Beschäftigte ihre Arbeitsplätze verlieren“, erklärte der IG Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken. Die Gewerkschaft erwartet, dass nach dem Verkauf nun die Finanzierung der Transfergesellschaften für weitere 600 Mitarbeiter möglich ist, die ihren Job bei Senvion verlieren.