Hamburg

Macht sich Condor mit Staatsgeld zum Billigflieger?

Ein Airbus A320 der von der Insolvenz bedrohten Condor auf der Startbahn des Flughafens Hamburg neben Maschinen von Germanwings (Lufthansa-Tochter) und TAP.

Ein Airbus A320 der von der Insolvenz bedrohten Condor auf der Startbahn des Flughafens Hamburg neben Maschinen von Germanwings (Lufthansa-Tochter) und TAP.

Foto: Reuters

Schwere Vorwürfe gegen Tochter von Thomas Cook: Nutzt Condor auch in Hamburg Staats-Millionen für Billig-Tickets?

Hamburg. Die Pleite des Tourismus-Konzerns Thomas Cook treibt immer buntere Blüten. So bietet offenbar das Tochterunternehmen Condor Tickets auch vom Flughafen Hamburg aus günstiger an als vor der Pleite. Das ist deshalb besonders pikant, weil Condor die Zusage einer gigantischen Geldspritze der Bundesregierung bekommen hat. Werden hier mit Hilfe von Staatsknete Billigflieger subventioniert?

Wie der „Spiegel“ berichtete, seien auch die Condor-Konkurrenten TUIfly, Eurowings und deren Konzernmutter Lufthansa „schwer verstimmt über die Preispolitik der Ferienfluglinie, die nur dank einer Überbrückungshilfe durch die Bundesregierung vor der Pleite gerettet worden ist“. Diese Airlines hätten die Preise für die Tickets vor und nach der Zusage der Bundesregierung für einen Kredit (am 24. September) untersucht.

Flug Hamburg – Gran Canaria plötzlich billiger

Demnach habe das Tarifanalysesystem ergeben, dass zum Beispiel ein Flug von Hamburg nach Gran Canaria im Oktober von durchschnittlich 380 Euro auf 150 Euro gefallen war – 24 Stunden nach der Zusicherung des 380-Millionen-Euro-Kredits.

Auch die Internetseite von Condor zeige viele „Schnell mal in die Sonne“-Angebote mit Flügen von Hamburg nach Palma de Mallorca für 30 Euro oder Frankfurt–Kuba für 160 Euro. Wie der „Spiegel“ berichtet, habe ein Condor-Sprecher den Verdacht zurückgewiesen, die Fluggesellschaft könnte das Darlehen zu Dumpingangeboten nutzen. Man sei gut ausgelastet, versichert er. Die Schnäppchenaktion sei schon länger geplant gewesen, sie habe kurzfristig nicht mehr gestoppt werden können.

Unterdessen hat Condor den Buchungsstopp von Thomas Cook nach eigenen Angaben gut verkraftet. „Thomas Cook war zwar unser größter Einzelkunde, stand aber nur für weniger als 20 Prozent unserer Plätze“, sagte Condor-Vertriebschef Paul Schwaiger der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe sehr gute Anzeichen dafür, dass Condor die entstandene Lücke der Thomas-Cook-Reiseveranstalter schließen könne.

„Die anderen Veranstalter haben zusätzliche Plätze gebucht.“ Der Flugbetrieb der Condor sei in den vergangenen Tagen sehr stabil und zuverlässig gelaufen. Man habe keinen einzigen Flug streichen müssen.